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25. September 2026

«AVANTGARDE – GRAFIKDESIGN IM AUFBRUCH»

Ausstellung im Museum für Gestaltung, Zürich, bis am 21. Februar 2027

Gustav Gustavovoč Klucis, Komsomol’cy na udarnyj sev, 1930, © gemeinfrei

Bild: Gustav Gustavovoc Klucis, Komsomol’cy na udarnyj sev, 1930, © gemeinfrei

Lill Tschudi, Therma (Plakatentwurf), um 1933, © Marcel Matter und Nicole Sigrist

Bild: Lill Tschudi, Therma (Plakatentwurf), um 1933, © Marcel Matter und Nicole Sigrist

Die Ausstellung «Avantgarde – Grafikdesign im Aufbruch» im Museum für Gestaltung Zürich zeigt, wie sich in den 1920er- und frühen 1930er-Jahren das moderne Grafikdesign als eigenständiges Berufsfeld herausbildete. Typografie, Fotografie und grafische Abstraktion wurden zu visuellen Ausdrucksmitteln, mit denen Gestalter:innen den gesellschaftlichen und politischen Umbruch ihrer Zeit aktiv mitprägten.

Rund hundert Jahre später, in der heutigen, ebenfalls von tiefgreifenden technologischen Entwicklungen sowie gesellschaftspolitischen Spannungen geprägten Epoche, veranschaulicht die Ausstellung, wie sich Gestaltung und Zeitklima gegenseitig beeinflussen.

Die Jahre nach dem Ersten Weltkrieg und der Russischen Revolution waren von weitreichenden gesellschaftlichen Spannungen geprägt – zugleich getragen von Aufbruchstimmung und der Hoffnung auf grundlegende Veränderung. Vor diesem Hintergrund suchten Künstler:innen nach einer neuen Rolle als Gestalter:innen des Umbruchs. Sie lösten sich von traditionellen Ausdrucksformen, brachen mit der bürgerlichen Ästhetik und entwickelten eigenständige Bildsprachen für eine moderne Gesellschaft. Ein rationaler, jede Form von Individualismus verweigernder Ansatz galt als Synonym des Fortschritts und einer universalen Moderne.

Francis Bernard, Cunard Line, 1930, © ungeklärt

Bild: Francis Bernard, Cunard Line, 1930, © ungeklärt

In internationalen Netzwerken entstanden neue Ansätze in Grafikdesign, Fotografie, Typografie und visueller Kommunikation. Kollektive Werkstätten traten an die Stelle des klassischen Ateliers, neue Massenmedien gewannen an Bedeutung, und der öffentliche Raum wurde zum zentralen Ort gestalterischer Intervention. Auch Frauen etablierten sich verstärkt als Gestalterinnen, Fotografinnen und Kulturvermittlerinnen und prägten die Entwicklung der Moderne wesentlich mit.

Die Ausstellung zeigt diese Entwicklungen anhand von Plakaten, Fotografien, grafischen Arbeiten und Filmen aus den 1920er- und frühen 1930er-Jahren und verdeutlicht, wie eng gestalterische Innovationen und gesellschaftliche Visionen miteinander verflochten waren. Parallele Entwicklungen in anderen Gestaltungsdisziplinen wie Architektur, Produktdesign und Theater zeigen die Vielfalt der gestalterischen Moderne in dieser kurzen, intensiven Phase.

Zu sehen sind zentrale Positionen der internationalen Avantgarde: El Lissitzky und Valentina Kulagina stehen für den russischen Konstruktivismus, Adolphe Mouron Cassandre für den Art Déco-Stil. Jan Tschicholds typografische Strenge begegnet den fotografischen Experimenten von Lucia Moholy und Binia Bill. Diese Gegenüberstellungen machen die Spannungsfelder sichtbar, in denen sich die visuelle Moderne der Zwischenkriegszeit formte.

Über 150 Plakate und zahlreiche Exponate der visuellen Alltagskultur aus den Sammlungen des Museums treten in Dialog mit internationalen Museumsleihgaben und Werken der Epoche aus namhaften Privatsammlungen – darunter auch spektakuläre Verpackungen. Filmische Zeugnisse der Zwischenkriegszeit runden die Schau ab, ebenso ein Nachbau des berühmten Prounenraum von El Lissitzky oder das Co-op Interieur von Hannes Meyer.

Ėl’ Lisickij, Pelican Drawing Ink., 1925, © gemeinfrei

Bild: El’ Lisickij, Pelican Drawing Ink., 1925, © gemeinfrei

«Viele Highlights aus der Plakatsammlung des Museums markieren den radikalen Bruch mit der illustrativ-dekorativen Gestaltung der Vorkriegsjahre und sind gleichzeitig faszinierende Zeitzeugnisse», sagt die Kuratorin Bettina Richter.

Mit dem Aufstieg der totalitären Regimes in Europa fand diese Phase experimenteller und gesellschaftlich engagierter Gestaltung Mitte der 1930er-Jahre ein vorläufiges Ende. Ihre Ideen und Impulse wirkten jedoch weit über diese Zeit hinaus und beeinflussen die visuelle Kommunikation bis heute.

Die Ausstellung lädt dazu ein, eine Epoche neu zu entdecken, in der Gestaltung nicht allein ästhetisches Ausdrucksmittel war, sondern als Werkzeug gesellschaftlicher Veränderung verstanden und eingesetzt wurde.

Publikation

Zur Ausstellung erscheint eine Publikation: Museum für Gestaltung Zürich, Bettina Richter (Hg.), Avant-Garde, Poster Collection 38, Lars Müller Publishers, D/E, CHF 25

mfg

Kontakt:

https://museum-gestaltung.ch/de/ausstellung/avantgarde-grafikdesign-im-aufbruch

#AvantgardeGrafikimAufbruch #MuseumfürGestaltungZürich #BettinaRichter #CHcultura @CHculturaCH ∆cultura cultura+

  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 25. September 2026
  • Bildende Kunst, Fotografie, Grafik, Architektur, Design, Druck, Verlag, Printprodukte, Medienhäuser, Film, Video, Audiovisuelles, Kulturförderung, Kulturvermittlung, Kultur- und Medienpolitik, Museum, Ausstellung, Galerie, Politik und Gesellschaft, PR, Werbung, Marketing, Kommunikation

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