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31. August 2017

«FRAGMENTARIUM»: EIN MEGA-PUZZLE AUS DEM MITTELALTER

Unter der Leitung von Professor Christoph Flüeler von der Universität Freiburg/Fribourg haben sich die bedeutendsten Handschriftenbibliotheken Europas und Nordamerikas in den letzten drei Jahren am Aufbau der digitalen Forschungsplattform «Fragmentarium» beteiligt. Morgen Freitag wird in der Stiftsbibliothek St.Gallen die so entwickelte Webanwendung für die Öffentlichkeit aufgeschaltet. Sie wird die Fragmentenforschung grundlegend verändern.

Bild: Wien, Österreichische Nationalbibliothek, Fragm. 124, Fragment eines Antiphonars, wurde für die Verstärkung des Einbandes (als Flügelfalz) eines gedruckten Buches des 15. Jahrhunderts verwendet, http://www.fragmentarium.unifr.ch/view/page/F-r5xu/319/5494

Ein weltweit verstreuter Schatz

Pergament von ausgesonderten Manuskripten wurde im Mittelalter meistens nicht entsorgt, sondern wiederverwertet. Es wurde zum Beispiel zerschnitten und als Einbandmaterial für die Verstärkung oder Verzierung von neuen Büchern verwendet. Diese Praxis war auch in der Neuzeit bis ins 17. Jahrhundert weit verbreitet. Deshalb finden sich Hunderttausende von Handschriftenfragmenten über die ganze Welt verstreut, die genauer bestimmt und erforscht werden sollten. Aus der Bearbeitung dieses weltweit verstreuten Schatzes erhoffen sich Historiker und Literaturwissenschaftlerinnen ein noch umfassenderes und genaueres Bild des Mittelalters.

Grosse Menge unerforschter Fragmente

Mit Big Data und der zunehmenden Interoperabilität digitaler Bibliotheken kann dieses Forschungsgebiet neu bearbeitet werden. Dies ist der Zweck der Webseite. Reproduktionen von mittelalterlichen Fragmenten können auf einer zentralen Plattform aus verschiedenen Servern in verschiedenen Ländern hochgeladen und online katalogisiert, wissenschaftlich beschrieben, transkribiert und zusammengesetzt werden.

«Es ist durchaus möglich, dass wir so in den nächsten Jahren einige sensationelle Funde machen werden», sagt Projektleiter Professor Christoph Flüeler von der Universität Freiburg/Fribourg. «Wichtiger ist es jedoch, unser fragmentarisches Wissen über das Mittelalter durch die grosse Menge unerforschter Fragmente zu vergrössern.»

Namhafte Partnerbibliotheken

Am internationalen Projekt beteiligen sich unter anderem die Bibliothèque nationale de France in Paris, die Vatikanische Apostolische Bibliothek in Rom, die Bayerische Staatsbibliothek in München, die Bodleian Library in Oxford, die Universitätsbibliothek von Leipzig, die British Library in London oder die Österreichische Nationalbibliothek von Wien, aber auch die amerikanischen Universitäten Harvard, Stanford und Yale. Geleitet wird das Projekt von einem Forscherteam an der Universität Freiburg/Fribourg, das seit Jahren im Bereich der digitalen Handschriftenforschung führend ist und mit e-codices – Virtuelle Handschriftenbibliothek der Schweiz schon eine der innovativsten digitalen Bibliotheken geschaffen hat.

Internationale Tagung in St. Gallen

Neuartig an Fragmentarium ist in erster Linie die Form der Zusammenarbeit. Zurzeit arbeiten zwölf verschiedene Forschergruppen rund um den Globus und einige Doktoranden digital vernetzt an besonders aufschlussreichen Fallbeispielen. Diese Woche treffen sich Forschende und leitende Bibliothekare an der Stiftsbibliothek St. Gallen. Im Anschluss an die internationale Tagung wird am 1. September 2017 die Weltneuheit feierlich eröffnet.

dc

Kontakt:

http://fragmentarium.ms

 

  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 31. August 2017
  • Information und Dokumentation

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