Vor rund 400 Zuschauer:innen wurde am Sonntagabend am Lakelive Festival in Biel-Bienne die zweite Swiss Poetry Slam Championship ausgetragen. Die besten Poetry-Slammer:innen der vier Schweizer Sprachregionen traten im gesamtschweizerischen Finale gegeneinander an. Ianique Sägesser (Bern, Bild) setzte sich im finalen Stechen knapp gegen Remo Zumstein (Bern) und Elia Fidanza (Genève) durch und ist neuer Swiss Slam Champion 2026. «Mit einem sprachlich raffinierten Text über den Besuch eines botanischen Gartens verband Sägesser Pflanzenkunde mit einer subtilen, aber eindringlichen Kritik an faschistischen Strukturen der Gegenwart», schreiben die Organisator:innen. 2027 wird Ianique Sägesser die Schweiz an den Poetry Slam Europameisterschaften in Antwerpen in Belgien vertreten.

Bild: Ianique Sägesser – Foto: © Nico Äbischer

Bild: Schlussbild 2026 mit Meister Sägesser vorne, mit Sieger-Käse – Foto: © Spoken Word Biel-Bienne
Vier Sprachregionen – eine Bühne
Das Publikum setzte sich aus Besucher:innen aller vier Sprachregionen zusammen, und trotz hochsommerlicher Temperaturen war das Zirkuselt am Lakelive gut besucht. Den musikalischen Rahmen gestaltete die Spoken-Word- und Jodelkünstlerin Nadine Studer, die das nationale Finale am 1.-August-Wochenende mit traditionellen und zeitgenössischen Elementen eröffnete. Nach der Pause vereinte sie das Publikum mit einem Mitmach-Jodel über alle Sprachgrenzen hinweg.
Bewertet wurden die Beiträge von einer Fachjury mit je einer Vertretung aus jeder Sprachregion sowie einer Online-Publikumsjury. Die Durchschnittswertung des Publikums zählte doppelt und floss gemeinsam mit den Bewertungen der Fachjury in das Endresultat ein.
Knappe Entscheidungen
«Die Entscheidungen fielen sowohl in der Vorrunde als auch im Finalen Stechen äusserst knapp und unterstrichen das hohe Niveau aller Sprachregionen», schreiben die Organisator:innen. Im Finalen Stechen setzte sich Ianique Sägesser nur knapp gegen den Berner Mundart-Slammer Remo Zumstein durch. «Sägessers Siegertext verband die Beschreibung eines botanischen Gartens mit einer raffiniert aufgebauten Auseinandersetzung über gesellschaftliche Ausgrenzung und faschistische Tendenzen», so die Veranstalter:innen. Der italienischsprachige Finalist Elia Fidanza aus Genf habe «mit einer starken Performance und Kritik an unserem System überzeugt, das begünstigt, Gewalt zu nutzen um nicht Schwäche zu zeigen». Auch die Publikumswertung spiegelte das enge Rennen wider: Ianique Sägesser erhielt im Finaldurchgang die stärkste Zustimmung. Remo Zumstein überzeugte über beide Runden hinweg konstant, während Elia Fidanza im Finale gegenüber der Vorrunde nochmals deutlich zulegen konnte.
Die Schweiz in ihrer sprachlichen Vielfalt
Mit Finalistinnen aus der Deutschschweiz und der Romandie, der italienischen und der rätoromanischen Schweiz zeigte die zweite Swiss Poetry Slam Championship eindrücklich die Vielfalt der Schweizer Spoken-Word-Szene. «Unterschiedliche literarische Traditionen, Perspektiven und Themen begegneten sich auf einer gemeinsamen Bühne und machten die sprachliche und kulturelle Vielfalt des Landes erlebbar. Die zweite Durchführung bestätigte das nationale Finale als Plattform, welche die vier Sprachregionen der Schweiz im Poetry Slam zusammenführt und den künstlerischen Austausch über Sprachgrenzen hinweg stärkt.», heisst es in der positiven Bilanz der Organisator:innen.
tm
Kontakt:
Spoken Word Biel
Zentralstrasse 51A
CH-2502 Biel

Bild: Meister Sägesser, mit Sieger-Käse – Foto: © Spoken Word Biel-Bienne
Ianique Sägesser
Die Texte von Ianique Sägesser (*2003, Bern) werden unregelmässig im Literaturmagazin «zwischentext» abgedruckt oder auf Bühnen präsentiert. Dazwischen studiert Ianique Theaterwissenschaft und Linguistik, verbrachte davor ein halbes Jahr herumeilend als Regieassistenz an den Bühnen Bern und begann auch einmal ein Mathematikstudium. Ianiques Texte entstehen auf dem Fahrrad oder beim Kochen – Hauptsache kein Schreibzeug zur Hand – was hängen bleibt, wird später aufgeschrieben. Grösste Abnehmerin dieser Texte war lange Zeit die Schreibtischschublade, bis Ianique 2021 schliesslich Spoken Word entdeckte und sich seither an Texten für verschiedene Bühnenformate versucht. 2025 erhielt Ianique für den ersten abendfüllenden Theatertext «KrabbelKink» ein Stipendium der Dramatiker:innenbörse. Der DRAMENPROZESSOR ermöglicht es Ianique nun, das Stück «Trans Girl Hotline» fertigzustellen.
Ianique schreibt Dramatik, Prosa und viele mögliche Mischformen und steht regelmässig im ganzen deutschsprachigen Raum auf der Bühne. Im Zentrum dieser Auftritte steht stets eine zynische Gratwanderung entlang der Grenze von Humor und bitterer Wahrheit.
2026 wurde Ianique in der Einzel-Kategorie Vize-Poetry-Slam-Schweizermeister sowie ebenfalls Vize-Poetry-Slam-Schweizermeister in der Team-Kategorie (mit Momo & die Pöbel Populist*innen zusammen mit Rafa Marti).
https://www.instagram.com/iaiaianique
cp
Auf ch-cultura.ch u.a. erschienen:
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Kommentare von Daniel Leutenegger