Ausstellung im Kunsthaus Zug, vom 24. Oktober 2026 bis am 7. Februar 2027 - Eröffnung am Freitag, 23. Oktober 2026, 18.30 bis 21 Uhr

Bild: Kyra Tabea Balderer, PORTRÄT, 2026 © Kyra Tabea Balderer

Bild: Kyra Tabea Balderer, RESERVOIR I, 2023 © Kyra Tabea Balderer
Erstmals treffen im Kunsthaus Zug fotografische Arbeiten von Kyra Tabea Balderer und malerische Werke von Raphael Egil aufeinander. Die Ausstellung «Kyra Tabea Balderer, Raphael Egil – Chamber, Chamber» führt diese zwei eigenständigen Positionen der Schweizer Gegenwartskunst in einen spannungsreichen Dialog. Die Wortwiederholung im Ausstellungstitel «Chamber, Chamber» verweist auf ein zentrales Thema der Ausstellung: Beide Kunstschaffenden arbeiten mit der Variation von Bildmotiven und mit Referenzen aus der Kunstgeschichte.
Ausgehend von den Möglichkeiten ihres jeweiligen Mediums untersuchen sie, wie Bilder prozesshaft entstehen, wie sie sich in neuen Kontexten wandeln und unsere Wahrnehmung prägen.
Im Spannungsfeld mit Werken aus der Sammlung des Kunsthauses Zug und Leihgaben des Museums Burg Zug richtet die Ausstellung den Blick auf eine hochaktuelle Frage: Was bedeutet es heute, ein Bild zu erschaffen – in einer Zeit, in der künstliche Intelligenz die Produktion und Wahrnehmung von Bildern grundlegend verändert?
Dieser Ansatz wird in «Chamber, Chamber» unmittelbar sichtbar: Beide Kunstschaffenden greifen auf vertraute Bildmotive und kunsthistorische Traditionen zurück, führen diese jedoch weiter und verschieben ihre Bedeutung. So setzt sich Raphael Egil unter anderem mit Edgar Degas’ «Jockey blessé» (um 1896/98) aus der Sammlung des Kunstmuseums Basel auseinander. In seriellen Arbeiten variiert er bekannte Motive durch subtile Veränderungen von Komposition, Ausführung und Farbigkeit. Dadurch wird sichtbar, wie kleine Verschiebungen die Wahrnehmung eines Bildes und seine Bedeutung verändern können.

Bild: Raphael Egil, Jockey, Jockey, 2026 © Raphael Egil – Foto: Andri Stadler
Zudem nimmt der menschliche Körper sowohl in Egils als auch in Balderers Werk eine zentrale Stellung ein. Er fungiert als Bildmotiv, Projektionsfläche sowie Bedeutungsträger und eröffnet Fragen nach Körperdarstellung, Nähe, Verletzlichkeit und Vergänglichkeit. Während Egil unter anderem mit Porträts des französischen Schriftstellers «Marcel Proust» und vertrauten Motiven wie «Mutter und Kind» arbeitet, greift Balderer in Werken wie «STERNUM VI» auf anatomische Darstellungen zurück. Ihre Fotografien entstehen in präzise konstruierten, dreidimensionalen Settings, in denen sie Objekte und eigene Skulpturen aus unterschiedlichen Perspektiven inszeniert. Dabei reflektiert sie nicht nur die Bedingungen und Möglichkeiten des fotografischen Mediums, sondern untersucht zugleich, wie sich vertraute Bildmotive durch ihre Neuinszenierung oder mediale Übersetzung verändern. Die anatomischen Motive erinnern dabei an die Vanitas-Tradition des Barocks und verhandeln die Fragilität und Vergänglichkeit des menschlichen Körpers.

Bild: Raphael Egil, Marcel Proust (XIV), 2025 © Raphael Egil – Foto: Andri Stadler
Ergänzt wird die Ausstellung durch ausgewählte Werke aus der Sammlung des Kunsthauses Zug und der Sammlung des benachbarten Museums Burg Zug. Damit erweitert «Chamber, Chamber» den Dialog über die einzelnen Positionen hinaus und macht deutlich: Bilder entstehen nie im luftleeren Raum. Sie sind Teil eines kulturellen Gedächtnisses, greifen auf bestehende Bildwelten zurück und schreiben diese zugleich fort.
Gerade im Zeitalter künstlicher Intelligenz gewinnt diese Auseinandersetzung an Aktualität. Die Ausstellung lenkt den Blick auf die Bedingungen, unter denen Bilder entstehen, und auf die Frage, wie stark Medium, Kontext und minimale Veränderungen unsere Wahrnehmung beeinflussen.
Balderer und Egil präsentieren zudem eigens für die Ausstellung geschaffene Werke und zeigen, dass selbst in einem scheinbar unerschöpflichen Fundus an Bildern Raum für eine eigenständige künstlerische Haltung bleibt – und dass gerade im Weiterdenken des Vertrauten neue Bildwelten entstehen.

Bild: Porträt Kyra Tabea Balderer im Atelier, 2024 © Kyra Tabea Balderer – Foto: Carolin Jüngst
Kyra Tabea Balderer (*1984, Zürich)
Kyra Tabea Balderer ist eine Schweizer Künstlerin, die in Zürich und Berlin lebt und arbeitet. Ihr künstlerischer Werdegang ist eng mit der Zentralschweiz verbunden: Aufgewachsen in Luzern, absolvierte sie zunächst den Vorkurs an der Hochschule Luzern (HSLU). Anschliessend studierte sie Bildende Kunst an der Hochschule der Künste Bern, wo sie 2008 den Bachelor abschloss, sowie im Masterstudiengang WORK.MASTER an der Haute école d’art et de design Genève, den sie 2012 absolvierte. 2017 schloss sie ihr Diplom in Bildender Kunst mit Schwerpunkt Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig bei Heidi Specker ab.
-> https://kyratabeabalderer.com

Bild: Porträt Raphael Egil © Raphael Egil – Foto: Sandra Ulloni
Raphael Egil (*1975 in Kirchberg SG)
Raphael Egil ist ein Schweizer Künstler, der in Luzern lebt und arbeitet. Von 1995 bis 2000 studierte er an der Kunsthochschule Luzern, wo er 2000 sein Diplom in Bildender Kunst erhielt. Egil war Gründungsmitglied der Alpineum Produzentengalerie Luzern und engagierte sich darüber hinaus in verschiedenen kulturpolitischen und institutionellen Gremien, unter anderem als Mitglied der Luzerner Kantonalen Kulturförderungskommission und als Vorstandsmitglied der Kunsthalle Luzern.
-> https://www.raphael-egil.com/
Kuratiert von Jana Bruggmann
khz
Mehr:
Kontakt:
https://kunsthauszug.ch/de/exhibitions/exhibition/kyra-tabea-balderer-raphael-egil
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Kommentare von Daniel Leutenegger