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10. September 2025

DER KURATOR, KUNSTHISTORIKER UND AUTOR ROLAND SCOTTI IST GESTORBEN


Wie das Kunstmuseum Appenzell am Mittwoch mitteilte, ist der am 26. Januar 1957 in Ludwigshafen (DE) geborene langjährige Direktor der Kulturstiftung Appenzell am 31. August 2025 gestorben. Der Kurator, Museumsdirektor, Kunst- und Fotohistoriker, Fernsehredaktor und Autor war neben Appenzell u.a. auch in Mannheim, Köln, Davos und Locarno tätig.

Roland Scotti aus einem Film von © Thomas Karrer - https://vimeo.com/228552509?fl=pl&fe=vl

Bild: Roland Scotti aus einem Film von © Thomas Karrer, 2017 – https://vimeo.com/228552509?fl=pl&fe=vl

Mit Roland Scotti verliert die Kunstwelt eine bedeutende Stimme der Gegenwart

Geboren 1957, wirkte er als Kunsthistoriker, Kurator und Autor. Roland Scotti trat als kenntnisreicher Forscher, kluger Essayist und streitbarer Denker hervor, dessen scharfsinnige Analysen die Rolle der Kunst in der Gesellschaft immer wieder neu befragten. In seiner Arbeit verband er präzise Werkbeobachtung mit kulturhistorischem Weitblick – und prägte damit ein immerwährendes Nachdenken über Kunst und eine situative, werknahe, erfahrungsbasierte Vermittlung.

Nun hat er das «Weltenschiff» (zit. Über Kunstverständnis) bestiegen. Sein Verlust hinterlässt eine enorme Lücke. Für die gemeinsame Zeit und Zusammenarbeit sind wir sehr dankbar: All diejenigen, die mit ihm zusammengearbeitet haben, schätzten seine präzise Arbeit, Kollegialität und intelligente Forschungsweise.

Institutionell war er u. a. tätig am Mannheimer Kunstverein (1984–1987), am Wilhelm-Hack-Museum Ludwigshafen (1986–1991) und als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Museum Ludwig in Köln (1994–1996). Er war langjähriger Leiter des Kirchner Museums Davos (1997–2006) sowie von 2006 bis 2022 Direktor der Heinrich Gebert Kulturstiftung Appenzell (Kunstmuseum/Kunsthalle Appenzell) und Stiftungsrat der Fondazione Arp in Locarno.

Scotti publizierte umfassend zu Ernst Ludwig Kirchner, zu den architekturbezogenen Arbeiten von Hans Arp – und veröffentlichte insgesamt mehr als 200 Publikationen zur Kunstvermittlung, zur klassischen Avantgarde, zu den 1960er-Jahren, zur Fotografiegeschichte und zur zeitgenössischen Kunst. Er kuratierte an die 200 Ausstellungen, wobei er zuletzt verstärkt aktuelle Arbeiten von Schweizer Künstler:innen zeigte.

Jana Noritsch

https://www.bureau-verso.de/roland-scotti-ein-nachruf/

Scottis ethische und authentische Haltung als Wissenschaftler war mit persönlicher Bescheidenheit verknüpft

Roland Scotti war dem Lehrstuhl für Geschichte der bildenden Kunst und der Lehr- und Forschungsstelle für Theorie und Geschichte der Fotografie an der Universität Zürich als Lehrender und inspirierender Forscher in knapp zwanzig Jahren immer wieder und intensiv verbunden, sei es im Lehrprogramm zur Fotografiegeschichte, sei es in den letzten Jahren im Weiterbildungsprogramm des CAS «Theory and History of Photography» (https://www.cas-photography.ch/de/netzwerk).

Stets ging er vom Objekt und Material der Kunst und Fotografie aus und versuchte als passionierter Vermittler, den Lernenden voreingenommene Vorstellungen und Meinungen wie auch Gewissheiten über das Wissen abzutrainieren. So entstand aus seiner Sicht die Voraussetzung, sich ebenso streng wissenschaftlich den historischen Zusammenhängen von Kunst zu widmen, insbesondere auch den gesellschaftlichen und politischen Kontexten, wie auch den poetischen Potenzialen eines Werks wie zum Beispiel einer Fotografie. Pionierhaft hat er die Fotografien im Gesamtwerk des deutschen Expressionisten E.L. Kirchner erforscht und dabei stets auf Vorarbeiten und Entdeckungen von Kunsthistoriker:innen vor ihm hingewiesen. Scottis ethische und authentische Haltung als Wissenschaftler war mit persönlicher Bescheidenheit verknüpft, die sich im Gespräch in sein Universum von Überzeugungen, Argumenten und Gedanken weitete.

Bettina Gockel

https://www.khist.uzh.ch/de/chairs/bildende.html

Videos:

Non filtré. Transformatoren im Gespräch. Roland Scotti, Ueli Vogt; gefilmt von Thomas Karrer

Werken und Wirken in Appenzell. Ein Film zum 100 Jährigem Jubiläum vom Stiftungsgründer Heinrich Gebert. Von © Thomas Karrer, 2017

arttv.ch, 2017: «Die Antwort ist das Unglück der Frage» I Heinrich Gebert Kulturstiftung Appenzell

https://arttv.ch/kunst/die-antwort-ist-das-unglueck-der-frage-i-heinrich-gebert-kulturstiftung-appenzell

Mehr:

https://rolandscotti.com/Biografie

https://www.todesanzeigenportal.ch/todesanzeige/Scotti/Emile/Roland

https://www.gedenkzeit.ch/traueranzeige/roland-scotti

https://ch.linkedin.com/in/roland-scotti-42047a12

https://openlibrary.org/authors/OL1108748A/Roland_Scotti

https://conscious-collector.com/2024/06/28/interview-roland-scotti-ausstellung-wolfgang-nestler/

https://www.verlagshaus-schwellbrunn.ch/shop/authors/scotti-roland

Auf ch-cultura.ch u.a. erschienen:

«COLL­EC­TING: RE­VI­SI­TED – DER WELT VIEL TIE­FE WEL­TEN»
STE­FA­NIE GSCHWEND WIRD NEUE DI­REK­TO­RIN DES KUNST­MU­SE­UMS AP­PEN­ZELL UND DER KUNST­HAL­LE ZIE­GEL­HÜT­TE

#RolandScotti #KunstAppenzell #CHcultura #HeinrichGebertKulturstiftung #KunstAppenzell @CHculturaCH ∆cultura cultura+

  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 10. September 2025
  • Bildende Kunst, Fotografie, Grafik, Architektur, Design, Kulturförderung, Kulturvermittlung, Kultur- und Medienpolitik, Museum, Ausstellung, Galerie

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