24. März 2023
«CHARMION VON WIEGAND»
Ausstellung im Kunstmuseum Basel | Neubau, vom 25. März bis am 13. August 2023

Bild: Charmion von Wiegand, Triptych, Number 700, 1962, Öl und Graphitstift auf Leinen, dreiteilig, 107.3 x 138 cm – Whitney Museum of American Art, New York, Schenkung Alvin M. Greenstein
Das Kunstmuseum Basel zeigt im Frühjahr 2023 eine monografische Ausstellung der US–amerikanischen Journalistin, Kunstkritikerin und Malerin Charmion von Wiegand (1896–1983). Es handelt sich um die erste Retrospektive seit fast vierzig Jahren und ihre erste institutionelle Ausstellung in Europa überhaupt.
Die Ausstellung spannt den Bogen von ihren Anfängen als Korrespondentin im postrevolutionären Moskau der 1930er–Jahre bis zu ihrem Spätwerk als Malerin. Anhand von 49 Gemälden und Skizzen sowie vielfältigen Dokumenten zeichnet die Ausstellung den Werdegang einer in Vergessenheit geratenen Künstlerin, die transkulturelle Offenheit und Diversität gelebt und im Bild dargestellt hat.
Charmion von Wiegand erlangte Mitte des 20. Jahrhunderts Anerkennung als Künstlerin, die die Konventionen der geometrischen Abstraktion mit Formen und Farben fernöstlicher Bildsymbolik zusammenbrachte. Geboren in Chicago, wuchs sie in Florida, Arizona, San Francisco und Berlin auf und zog 1915 nach New York. Als aktives Mitglied der literarischen Zirkel der 1920er–Jahre war sie bestens mit der New Yorker Szene vertraut. Als Reporterin im sowjetischen Moskau der 1930er–Jahre machte sie sich als Kritikerin für verschiedene Publikationen einen Namen. Ihr künstlerischer Durchbruch gelang 1945, als sie ein Werk in der visionären Ausstellung «The Women» in Peggy Guggenheims Galerie Art of This Century zeigte. 1947 folgte ihre erste Einzelausstellung in einer renommierten kleinen New Yorker Galerie.
Der Einfluss Piet Mondrians
Nach ihrer Rezension des Pamphlets «Five on Revolutionary Art», in welchem Piet Mondrian als ein «wahrer revolutionärer Künstler» bezeichnet wurde, nahm Von Wiegand 1941 Kontakt mit dem Künstler auf. Dieser war kurz zuvor in die USA emigriert. Die Begegnung hatte für sie weitreichende Folgen. Nicht nur führte sie Mondrian in die New Yorker Gesellschaft ein, verfasste Texte zu seinem Werk, redigierte seine Schriften und fertigte Skizzen eines ersten Zustands seines unvollendeten Gemäldes «Victory Boogie–Woogie» (1942–44) an. Auch ihr eigenes malerisches Schaffen wurde vom Niederländer beeinflusst. Die intensive Auseinandersetzung mit Mondrians Herangehensweise festigte Von Wiegands Überzeugung, dass geometrische Abstraktion nicht rein formal bleiben muss, sondern auch Inhalte wiedergeben kann.
Diese Erkenntnis spiegelt sich unter anderem in ihren «Stadtbildern», die sie nach Mondrians Tod im Jahr 1944 fertigte. Sie entwickelte ihre Werke damals im Austausch mit dem sogenannten «Mondrian Circle», einer Gruppe amerikanischer Künstler, zu denen auch der ausgewanderte Schweizer Fritz Glarner gehörte. Weitere wichtige künstlerische Referenzen waren in dieser Zeit Wassily Kandinsky und Hans Arp.
Bald schon löste sich Von Wiegand von der Reduktion auf Rot, Gelb, Blau und visualisierte in erweiterten Farbpaletten ihre Auseinandersetzung mit den Schriften von Helena Petrovna Blavatsky, der Begründerin der Theosophie. Insbesondere faszinierten sie deren Ausführungen zu buddhistischen Farbkodierungen und geometrischen Formen, allen voran dem Mandala.
Spiritualität und Buddhismus
Ab den 1950er–Jahren wandte sie sich der spirituellen Praxis des tibetischen Buddhismus zu. Als Fortsetzung ihrer Auseinandersetzung mit Theosophie vertiefte Von Wiegand ihre Kenntnisse tibetischer Kunst durch das Studium ethnologischer Bücher. Später war sie am Aufbau des Tibet Center in New York massgeblich beteiligt. Als praktizierende Buddhistin galt ihr Interesse fortan der Entwicklung eines künstlerischen Vokabulars, mittels dessen sie Form und Farbe auch als Ausdrucksträger von Spiritualität einsetzte. Wie Haema Sivanesan im Katalog zur Ausstellung schreibt, entwickelte Von Wiegand so die Bildsprache für einen «modernen transkulturellen Buddhismus».
Die Ausstellung «Charmion von Wiegand» zeigt 49 Gemälde und Arbeiten auf Papier von nationalen und internationalen Leihgebern. Der Grossteil der Werke stammt aus dem Nachlass der Künstlerin. Weitere Leihgaben kommen unter anderem aus dem Museum of Modern Art (MoMA), New York, dem Seattle Art Museum und dem Walker Art Center, Minneapolis.
KuratorInnen: Maja Wismer und Martin Brauen
kmb
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Kommentare von Daniel Leutenegger