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29. Juli 2012

«Gegenlicht. Kurt Blum – Fotografien»

Ausstellung der Fotostiftung Schweiz, Winterthur, bis am 14. Oktober 2012

Bild: Alberto Giacometti, Paris 1954, © Kurt Blum / Fotostiftung Schweiz (zur Vergrösserung anklickbar)

Der in Bern geborene Kurt Blum (1922-2005) gehört zu den herausragenden Schweizer Fotografen der Nachkriegszeit. Neben zahlreichen Reportagen für illustrierte Zeitschriften schuf er ab den 1950er-Jahren auch freie künstlerische und experimentelle Arbeiten, die er in Ausstellungen und Büchern präsentierte.

Schwerpunkte in seinem Schaffen sind die ab den späten 1940er-Jahren entstandenen Künstlerporträts, grössere Werkgruppen zu den Themen Tanz und Oper sowie eine intensive fotografische und filmische Auseinandersetzung mit Industrie und Arbeit.

Dabei verstand sich Blum immer als Künstler und kämpfte für die Anerkennung der Fotografie als eigenständiges künstlerisches Medium. Über das Dokumentarische hinaus suchte er den persönlichen Ausdruck, den atmosphärisch dichten Augenblick, den bewusst gestalteten fotografischen Abzug.

Damit gehörte Blum zur Avantgarde der Schweizer Fotografie und es erstaunt nicht, dass er Anfang der 1950er-Jahre auch im Kreis der «subjektiven fotografie» um Otto Steinert in Deutschland eine Rolle spielte.

Kurt Blum verdiente ab 1943, nach einer Lehre bei Eugen Fehlmann in Burgdorf, seinen Lebensunterhalt als Fotograf der Schweizerischen Landesbibliothek in Bern. Daneben entwickelte er eine Leidenschaft für die Kunst und liess sich von der Dynamik einer aufstrebenden Berner Kunstszene mitreissen und inspirieren.

Durch die Bekanntschaft mit Arnold Rüdlinger, dem damaligen Leiter der Kunsthalle Bern, kam er darüber hinaus in Kontakt mit bedeutenden internationalen Künstlern seiner Zeit, von denen er viele in ihren Ateliers fotografierte. So entstand eine einmalige Porträtserie von Künstlern wie Pablo Picasso, Alberto Giacometti, Willem de Kooning, Mark Rothko und Sam Francis, die er 1994, zusammen mit Bildern der Berner Szene, als Buch mit dem Titel «Au milieu des artistes» veröffentlichte.

Nach einem Intermezzo als Experte für Fotografie und Film für die UNESCO in Pakistan (1957/58) arbeitete Kurt Blum für grosse Industriebetriebe in Norditalien, was 1959 zum Buch «Pictures of a Factory» führte (deutsch «Lebendiger Stahl», 1960), in dem er mit kontrastreichen Schwarzweiss-Fotografien ein funkensprühendes, beinahe infernalisch wirkendes Bild eines Stahlwerks entwarf.

Unter ebenfalls schwierigen Lichtverhältnissen entstanden danach in den grossen Opernhäusern der Welt Aufnahmen zum Buch «J’aime l’Opéra» (1962). Das in der Reihe «J’aime…» (deutsch «Eintritt frei:…») der Editions Rencontre herausgegebene und von Jacques Plancherel gestaltete Buch zeigt eine Art strahlende Gegenwelt zur dunklen Fabrik, ist aber vom gleichen, subjektiven Gestaltungswillen des Fotografen geprägt.

Blum beschäftigte sich auch intensiv mit dem Film und bereits in einem seiner ersten Versuche, «L’uomo il fuoco il ferro» (deutscher Verleihtitel «Symphonie in Stahl»,1960), gelingt Blum zur mitreissenden Musik von Sergej Prokofjew ein meisterhafter, farbig-abstrakter Experimentalfilm im Cinemascope-Format.

Daneben experimentierte Kurt Blum immer auch mit dem Medium Fotografie und versuchte seine technischen Fähigkeiten, sein visuelles Vokabular und seinen gestalterischen Horizont zu erweitern. Inspiriert von Versuchen der Fotopioniere des 19. Jahrhunderts, der Künstler des Surrealismus und Fotografen aus dem Kreis der «subjektiven fotografie», beschäftigte er sich deshalb auch vertieft mit Fotogrammen und Lichtzeichnungen, die er 1997 erstmals als Grossformate im Kunstmuseum Solothurn ausstellte.

Kurt Blum war kein Mann der grossen Worte, sondern ein intensiver Bildermensch, ein sensibler, aber selbstbewusster Künstler und ein präziser Handwerker, der die klassische Fotografie nicht nur beherrschte, sondern sie bis an die Grenzen auslotete.

Zwar ehrte ihn der Kanton Bern 1983 mit dem «Grossen Preis für Photo und Film», doch eine umfassende Gesamtschau seines fotografischen Werkes kam Zeit seines Lebens nie zustande. Die Fotostiftung Schweiz holt dies nun nach – quasi zum 90. Geburtstag des Fotografen – mit einer Ausstellung und einer Begleitpublikation, welche auf der detaillierten Aufarbeitung und der wissenschaftlichen Erschliessung des Kurt Blum-Archivs beruhen.

KurtBlum

Die Ausstellung «Gegenlicht. Kurt Blum – Fotografien», kuratiert von Martin Gasser, zeigt neben wenigen Neuabzügen ab Originalnegativen ausschliesslich Vintage-Prints aus dem Kurt Blum-Archiv, darunter auch eine Reihe von grossformatigen Abzügen, die Blum für die Ausstellungen «Photographie als Ausdruck» (Helmhaus Zürich, 1955) und «Fotoexperimente» (Kunstmuseum Solothurn, 1997) produziert hat. Daneben geben Kontaktabzüge, Buchmaquetten und andere Dokumente einen vertieften Einblick ins Kurt Blum-Archiv, das seit 2008 von der Fotostiftung Schweiz betreut wird.

Begleitpublikation:

«Gegenlicht. Kurt Blum – Fotografien», herausgegeben von der Fotostiftung Schweiz im Limmat Verlag mit Texten von Nanni Baltzer, Martin Gasser, Sylvie Henguely, Thilo Koenig und Fred Zaugg (256 Seiten, ca. 200 Abbildungen in Duplex und in Farbe).

Begleitveranstaltungen:

Am 12. September 2012,19.30 Uhr, wird eine Auswahl von Kurt Blums Filmen gezeigt, darunter auch der mehrfach preisgekrönte Experimentalfilm «L’uomo il fuoco il ferro» («Symphonie in Stahl») mit Musik von Sergej Prokofjew von 1960. In Zusammenarbeit mit Lichtspiel / Kinemathek Bern.

Bildfokus mit Astrid Näff am 04. September 2012, 12.15 Uhr: «Bern – Paris – New York: Kurt Blum am Puls der Kunstwelt».

fss

Kontakt:

www.fotostiftung.ch

http://www.fotostiftung.ch/de/ausstellungen/kurt-blum/

  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 29. Juli 2012
  • Museum, Ausstellung, Galerie

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