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14. Dezember 2019

«GIACOMO SANTIAGO ROGADO: DESIRE PATH»

Ausstellung im Kunstmuseum Solothurn, ganzes Parterre, bis am 16. Februar 2020

Bild: Giacomo Santiago Rogado, Coalescence (Black, Iridescent blue green) 2018, Acryl und Öl auf Leinen, 70 x 50cm © Studio Rogado, Berlin, Courtesy Galerie Mark Müller, Zürich

Der in Berlin lebende Luzerner Künstler Giacomo Santiago Rogado (*1979) hat im Bereich der Malerei neue Wege gefunden. Mit seinen Gemälden, die mehrmals in musealen Einzelausstellungen – 2009 im Kunstmuseum Luzern, 2013 im Museum im Bellpark Kriens und 2014 im Helmhaus Zürich – zu sehen waren, hat er nationale Bekanntheit erlangt.

Das Kunstmuseum Solothurn hat Rogados Schaffen bereits in der Überblicksschau Das doppelte Bild (2013) präsentiert, die herausragende Positionen der aktuellen Malerei beleuchtete. Nun ist ihm eine Einzelausstellung unter dem Titel Desire Path gewidmet, die sich auf das aktuelle Schaffen konzentriert. Neben Bildern werden auch Arbeiten auf Papier sowie eine neue Installation gezeigt.

Giacomo Santiago Rogado hat immer wieder bewiesen, wie subtil er mit Licht und Raum umgehen kann. Dieses Interesse spiegelt sich nicht nur in seinen Gemälden, sondern auch in ihrer überlegten Platzierung. Es erstaunt darum nicht, dass der Künstler auch für seine Solothurner Ausstellung nicht eine klassische Präsentation, sondern eine auf den Raum abgestimmte Gesamtinstallation anstrebt. Dies gelingt ihm etwa durch das leitmotivische Setzen von Bildern derselben Serie Coalescence (ab 2016), die in unterschiedlichen Grössen und Farben auftreten. Die variantenreiche Wiederholung entspricht Rogados Schaffen, in dem Muster und Rapport wichtig sind. Darin spiegeln sich zugleich Zeit und Ablauf, die im sichtbar belassenen Schaffensprozess erlebbar werden. Mit fast meditativ anmutendem Gleichmass addiert und verdichtet der Künstler mit Hilfe von Schablonen seine Kompositionen. Manche der minutiös erarbeiteten Kreisbilder erinnern in ihrer changierenden Stofflichkeit an kostbare Textilien.

Die Ausstellung setzt mit Gemälden der Serie Intuition (ab 2014) ein, die den Faden seiner letzten Museumsausstellung im Helmhaus Zürich aufnehmen. Die durch Farbbäder in einem Zusammenspiel von Zufall und Komposition entstehenden Werke beeindrucken durch ihre unmittelbare Wirkung. Die Baumwolltücher saugen in einem langsamen Trocknungsprozess die Farben auf, die der Künstler in Wannen eintröpfelt. Die Tropfen blühen auf den Stoffen zu prächtig bunten Formen aus. Diesem «Blühen» stellt der Maler im folgenden Saal die Strenge geometrischer Kompositionen entgegen. In der Serie Meta (ab 2014) legt er über die organischen Formen pastos aufgetragene Streifen. Damit unterscheidet er nicht nur Organisches von Linearem, sondern differenziert zugleich den Ort der Farbe: Während die Substanz der Farbbäder ins Gewebe eingedrungen ist, liegt sie beim direkten Farbauftrag als glänzendes Material auf dem Träger.

In der Serie Tendo (ab 2018) gelangt der Maler schliesslich zu einem eindrucksvollen Ausgleich der erprobten Elemente und Gegensätze: Zufall und Geometrie, Einfärbung und Malduktus bringt er in eine Balance fein austarierter Gewichte. Dabei sind die Einzelteile so sorgsam aufeinander abgestimmt, dass sich immer neue Allianzen und Blickrichtungen ergeben.

In einem eigenen Saal sind Arbeiten auf Papier zu sehen, in denen nicht nur Fragestellungen der Malerei aufgenommen werden, sondern sich spezifisch Neues zeigt, das Rogado aus der Eigenart des Papiers, seiner Leucht- und Saugkraft entwickelt. Das Licht spielt im ganzen Schaffen eine zentrale Rolle. In Form von Licht-Bildern tritt es auch in einer Installation auf. Für diese schiebt der Künstler Scheiben von Achat-Steinen wie Diapositive in Projektoren. Das Durchleuchten der bunten Steine wirft Bilder an die Wand, die Rogados Gemälden erstaunlich nahe kommen. Damit verweist der Künstler gleichsam auf die Kunst der Natur.

Zur Ausstellung erscheint im Verlag für moderne Kunst, Wien, ein reich bebildertes Buch mit zwei Texten von Miguel F. Campón und Christoph Vögele (128 Seiten, D/E, Fr. 34.-).

Christoph Vögele

Kontakt:

https://www.kunstmuseum-so.ch/ausstellungen/aktuell

#KunstmuseumSolothurn #GiacomoSantiagoRogao #DesirePath #ChristophVögele #CHcultura @CHculturaCH ∆cultura cultura+

rogado

Bild: Giacomo Santiago Rogado, Tendo 1 2018, Mischtechnik auf Hanfleinen, 180 x 120cm © Studio Rogado, Berlin, Courtesy Galerie Mark Müller, Zürich

 

 

  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 14. Dezember 2019
  • Museum, Ausstellung, Galerie

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