Ausstellung im Museum für Gestaltung Zürich, Toni-Areal, bis am 19. Februar 2023

Bild oben: Walter F. Haettenschweiler, Löwengartenbier – Brauerei Löwengarten, Untersatz, 1975–1985, Museum für Gestaltung Zürich, Grafiksammlung
In der Ausstellung «Haettenschweiler von A bis Z» stellt das Museum für Gestaltung Zürich erstmals das facettenreiche Gesamtwerk des Schweizer Gestalters Walter F. Haettenschweiler vor. Mit fantasievollen Titelschriften erlangte er weltweit Bekanntheit. Seine Schriftgestaltung und vielseitige Gebrauchsgrafik sowie auch Beispiele aus seinem künstlerischen Oeuvre gibt es nun im Toni–Areal zu entdecken.
Stilistische Vielfalt gepaart mit leisem Humor, Improvisationsgeschick und präzisem Handwerk kennzeichnen das vielseitige Werk von Walter F. Haettenschweiler (1933–2014). Noch als angehender Grafiker an der Kunstgewerbeschule Zürich übernahm er erste Aufträge und entwarf seine legendäre Schmalfette Grotesk, die Microsoft später aufgriff und als Systemschrift auf jedem PC verfügbar machte.
Weltweite Beachtung fanden auch seine mit Armin Haab herausgegebenen Lettera–Bände, deren originelle Schriftmuster die Vertreter des Swiss Style provozierten. Experimentierfreude prägte ebenso seine Gebrauchsgrafik wie die freie Kunst, zwei sich befruchtende Disziplinen, die der charismatische Gestalter bis ins hohe Alter pflegte.
Die Lettera–Story
Die Erfolgsgeschichte der Lettera–Bände, die von 1954 bis 1972 im Niggli Verlag in vier Sprachen erschienen sind, immer wieder neu aufgelegt und in über 60 Ländern verkauft wurden, nahm ihren Anfang im Atelier des Fotografen Armin Haab. Dieser liess seine Fotomappen vom Grafiker Alex Stocker beschriften, der die Typografie individuell auf den Inhalt der Fotomappen abstimmen sollte. Ihm zur Hand war auch der junge Haettenschweiler. Die charaktervollen Beschriftungen weckten das Interesse des Verlegers Arthur Niggli, der die Idee zu einem Standardbuch guter Gebrauchsschriften lancierte. So entstand der erste Band mit Schriftentwürfen – darunter Haettenschweilers Schmalfette Grotesk. Die Lettera–Bände trafen den Nerv der Zeit, gab es doch auf dem aufstrebenden Zeitschriftenmarkt einen Mangel an fantasievollen Titelschriften. Kultmagazine wie «Twen» und «Hitweek Magazin» oder «Paris–Match», «Cuba international» und «Epoca» verwendeten Haettenschweilers Lettera–Schriften, und auch viele Plattencovers, Plakate oder Buchumschläge sowie die Fachzeitschrift «Archithese» wurden damit bestückt. Seit einigen Jahren manifestiert sich im Kulturbereich ein Revival dieser Schriften.

Bild: Walter F. Haettenschweiler, Schmalfette Grotesk, Schriftmuster aus Lettera 1, 1954, Museum für Gestaltung Zürich, Grafiksammlung
Das Studio für Werbung und Design in Zug
Den Lebensunterhalt für seine siebenköpfige Familie verdiente der charismatische Gestalter mit seinem 1956 gegründeten Atelier für Werbung, das er später in «Studio für Werbung und Design» umbenannte. Von hier aus bediente er während rund fünfzig Jahren über 160 regionale und internationale KundInnen aus Industrie, Handel, Dienstleistung, Kleingewerbe, Gastronomie und Kultur.
Er gewann mehrere Wettbewerbe der Schweizerischen Post, für die er 15 Briefmarken realisieren konnte, und er schuf zahlreiche Erscheinungsbilder mit einprägsamen Logos sowie Werbedrucksachen, Verpackungen, Messestände, Raumgestaltungen und Orientierungssysteme.
Einige seiner Logos und Signete für Läden, Restaurants und Firmen zieren noch heute Fassaden in der Region Zug. Auch die von ihm bemalte Tiefgarage des ehemaligen Marc Rich–Gebäudes und des Hallenbads Herti können auf Anfrage besichtigt werden. Obschon ein Einmannbetrieb, bildete Haettenschweiler in seinem Studio mindestens 25 Lehrlinge aus. Unter den Auszubildenden befanden sich auch seine Tochter Sasha und seine beiden Söhne David und Samuel, die in der Ausstellung zu Wort kommen.
Von A bis Z
Die monografische Ausstellung «Haettenschweiler von A bis Z» fokussiert auf seine Schriftgestaltung und Gebrauchsgrafik, die sie mit historischen sowie aktuellen Interviews kommentiert. Haptische und digitale Interventionen von Studierenden der Visuellen Kommunikation der ZHdK laden das Publikum ein, Haettenschweilers Schriften selbst auszuprobieren und den Entwurfs– sowie Aneignungsprozess aus heutiger Sicht zu befragen.
Derweil präsentiert ein externes Forschungsteam die Ergebnisse eines intelligenten Schrifterkennungstools (Deep Learning), das Anwendungen der Schmalfetten Grotesk in Online–Archiven aufsucht.
Erzählungen von Haettenschweilers ehemaligen Lehrlingen und eine Filmanimation erwecken indes das Atelier des Gestalters mit seinen Werkzeugen, Entwurfsmustern und Inspirationsquellen zu neuem Leben.
Seinem Atelier in der Ausstellung schliesst sich unmittelbar ein Vermittlungsatelier an, in welchem Jung und Alt mit manuellen Techniken selbst experimentieren können. So ermöglicht die Ausstellung nicht nur eingefleischten Schriften–Fans einen umfassenden Einblick in das facettenreiche Werk dieser inspirierenden Gestalterpersönlichkeit.
Publikation
Museum für Gestaltung Zürich, Barbara Junod (Hg.): Haettenschweiler von A bis Z: Grafik und Schriftgestaltung – Mit Beiträgen von Rudolf Barmettler, Florian Hardwig, Barbara Junod, Daniela Mirabella, Clovis Vallois, ISBN 978–3–907265–20–8, Erste Auflage / First edition
mfg
Kontakt:
https://museum-gestaltung.ch/de/ausstellung/haettenschweiler-a-z/
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Bild: Walter F. Haettenschweiler im Atelier an der Schanz 2, frühe 1980er-Jahre, © Erbengemeinschaft Walter F. Haettenschweiler
Kommentare von Daniel Leutenegger