Ausstellung im Museum für Gestaltung, Toni-Areal Zürich, bis am 20. Oktober 2024

Bild: Helmut Schmid, Pocari Sweat, Dosen, ID, Otsuka Pharmaceutical, 1980, Nicole und Sumi Schmid, © Foto: Yasuhiro Asai
Die Ausstellung gibt Einblick in das Werk des renommierten Gestalters, Publizisten und Lehrers Helmut Schmid. Er brachte die Schweizer Typografie nach Japan, liess sich dort nieder und verband in seiner Arbeit die japanische Tradition mit der westlichen Moderne. Die Ausstellung zeigt die wichtigsten Stationen in Schmids Karriere und beleuchtet seine Rolle als Vermittler zwischen Ost und West.
Die Typografie von Helmut Schmid (1942–2018) steht für Eleganz, Harmonie und Präzision. Bedruckte und unbedruckte Flächen sind subtil ausbalanciert, der Weissraum aktiviert, die Lettern sind präzise gesetzt. Unverkennbar knüpft Schmid an die moderne Typografie seines Basler Lehrmeisters Emil Ruder an, dessen Prinzipien er verfeinerte und mit den reinen Formen der japanischen Schriftzeichen verband. Inspiration schöpfte Schmid ebenso aus der «leisen Schönheit japanischer Dinge» wie aus der modernen japanischen Typografie.
Helmut Schmid arbeitete vornehmlich mit Text: Zeitschriftentitel, Bücher, Schriftplakate, Drucksachen, Kalender sowie Logos und Beschriftungen. Seine Vorliebe galt der reinen Schwarz-Weiss-Typografie, was in seinen freien Arbeiten besonders deutlich wird – namentlich in den Buchumschlägen. Schmid war ein versierter Logogestalter, der fasziniert vom japanischen Schriftsystem, schon früh eine eigene japanische Silbenschrift (Katakana Eru) entwarf, um die japanisch-englischen Produktnamen harmonisch aufeinander abzustimmen.

Bild: Helmut Schmid, Java Tea, Logo für Getränk, Otsuka Pharmaceutical, 1993
Das Gesamtwerk in der Retrospektive
Die Ausstellung ist eine Hommage an Helmut Schmid und zeigt einen Querschnitt durch dessen Gesamtwerk, welches dem Museum geschenkt wurde. Der Parcours folgt den Stationen seines Schaffens und fasst die Werkgruppen thematisch zusammen.
Den Auftakt bildet Schmids Ausbildung zum Typografen an der Allgemeinen Gewerbeschule Basel, den Ausklang seine Tätigkeit als Vermittler. Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf Schmids originalen Arbeiten, die aus privater Initiative oder im Auftrag entstanden sind. Dazu zählen seine japanischen Silbenschriften und drucktechnischen Experimente ebenso wie seine politische Typografie, worunter die legendären Kampagnen für die deutsche SPD und ihre Bundeskanzler Willy Brandt und Helmut Schmidt.
Ein spezieller Fokus liegt auch auf Schmids wichtigsten Kunden in Japan: dem Pharmakonzern Otsuka, dessen visuelles Erscheinungsbild er über Jahrzehnte hinweg prägte, sowie der Kosmetikfirma Shiseido, für die er Produktlogos gestaltete, die durch ihr elegantes und zeitlos minimalistisches Design überzeugen. Das Angebot wird abgerundet mit Kulturplakaten, originalen Publikationen und einem Büchertisch zum Durchblättern. Dazu lassen Filminterviews, Slideshows, Bildprojektionen und Hörstationen in die Welt von Helmut Schmid eintauchen.
Zwischen Ost und West
Als Vermittler zwischen Ost und West publizierte Helmut Schmid seine Gedanken über Typografie in den Fachzeitschriften verschiedener Länder; oft in der japanischen Zeitschrift Idea und in den Schweizer Typographischen Monatsblättern. Auch gab er Publikationen heraus, die er selbst oder gemeinsam mit Kollegen gestaltete: darunter Typography today, eine Geschichte der modernen Typografie, welche er in verschiedenen Sprachen auflegte, Der Weg nach Basel, Japan japanisch und die Reihe der Typographic Reflections. Sein Wissen vermittelte Helmut Schmid ab 1983 in Vorträgen und Workshops weltweit und als Typografie-Lehrer an der Kobe Design University und an der Hongik University von Seoul. 2019 erschien posthum die japanische Edition von Ruders Lehrbuch Typography von 1967, an der Schmid bis zu seinem Tod gearbeitet hatte.
Publikation
Helmut Schmid Typography – Helmut Schmid Typografie
Kiyonori Muroga und Nicole Schmid (Hg.), Lars Müller Publishers in Zusammenarbeit mit dem Museum für Gestaltung Zürich, D/E. Mit Beiträgen von Helmut Schmid, Kiyonori Murogaeshop.museum-gestaltung.ch
Kuratorium: Barbara Junod, Kuratorin Grafiksammlung Museum für Gestaltung Zürich
mfg
Kontakt:
https://museum-gestaltung.ch/de/
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Bild: Helmut Schmid, On Typography – Kobe Design University, Plakat, 2000, Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung
Kommentare von Daniel Leutenegger