24. Januar 2011
Im bereichernden Reich der Weltensammler
Internationale Aussenseiterkunst der Gegenwart, Ausstellung des Kunstmuseums des Kantons Thurgau in der Kartause Ittingen. Vom 23. Januar bis 15. Mai 2011.

Bild oben: Jeroen Pomp, Der Sänger Frans Bauer, 2004, Buntstift auf Papier, 50 x 65 cm, © beim Künstler (Zum Vergrössern anklicken).
| DieAussenseiterkunst bildet im Kunstsystem eine kleine, in sich geschlosseneWelt. Sie ist ein Ort des Fantastischen, des Querdenkens und des Tabubruchs.Hier öffnen sich Blicke auf fremde Welten – manchmal kleine, manchmal grosse-, die sich ganz anders, gleichsam durch fremde Augen gesehen präsentieren. Welche Phänomene, welche Werke genau der Begriff «Aussenseiter» umschreibensoll, darüber herrscht keine Einigkeit, und oft ist darauf hingewiesenworden, dass dieser Begriff einen abwertenden Beiklang enthalte. Aber es gibtsie, diese besondere Szene, in der sich, ausgehend von der Naiven Kunst undder Art Brut, vielfältige Formen des freien Ausdrucks am Rande der Kunst entwickelthaben. Es existieren spezialisierte Galerien, Museen und Zeitschriften, diesich mit diesem Themenfeld beschäftigen, und mit einer gewissenRegelmässigkeit entdeckt die Kunst, was sich an ihren Rändern anInteressantem ereignet. Vor über zwanzig Jahren haben sich Korine und Max E. Ammann der Kunst vonAussenseitern zugewandt und begonnen, auf der ganzen Welt deren Werke zusammeln. Heute umfasst ihre Sammlung über fünftausend Werke und bieteteineeinzigartige Chance für eine aktuelle Auseinandersetzung mit dem Phänomen «Aussenseiterkunst». Auf der einen Seite sind in der Sammlung weltbekannteKlassiker der Aussenseiterkunst vertreten, deren Werke die Vorstellungdessen, was Art Brut, was Naive Kunst, was Volkskunst sein kann, entscheidendprägen. So finden sich Werke von berühmten Exponenten der Art Brut wieAdolfWölfli, Scottie Wilson oder Aloise, oder aber eine Auswahl der bestenbäuerlichen Naiven der Ostschweiz, darunter Fritz Frischknecht oder JosefBrunner. Zum andern aber lassen sich unter den über fünftausend WerkenEntdeckungen machen, die einen neuen, frischen Blick auf dieAussenseiterkunst erlauben. So etwa die Werke des Franzosen Jean Tourlonias,der den stolzen Sammler am Steuer seines Volvos zeigt, oder die Textbildereines Jakob Morf oder des Belgiers Michel Dave. Dieses Nebeneinander vonBekanntem und Neuem öffnet Perspektiven, die es ermöglichen, die Aktualitätdieser Szene und dieses Begriffs in seiner ganzen Spannbreite zu fassen. Entstanden ist so eine Ausstellung, in der sich mit an die vierhundertWerkenvon über hundertzwanzig Künstlerinnen und Künstlern ein reiches Kaleidoskopan unterschiedlichsten Bildern aufspannt. Eingeteilt in sieben Themenfelderentfaltet sich eine Kunstwelt, in der Intensität wichtiger ist als Perfektionoder das systematische, formale Experiment. Es zeigen sich Bildfindungen, diesich nicht an Konventionen, sondern an Ausdrucksbedürfnissen orientieren.Diese Freiheiten führen immer wieder zu erstaunlichen Bildwelten, die einbreites Publikum zu faszinieren vermögen. Zu Korine und Max E. Amman Der in Ermatingen aufgewachsene Max E. Ammann erwarb bereits mit 18 Jahrensein erstes Kunstwerk. Es ist eine Arbeit des Thurgauer Malers Ernst Graf,die bis heute Teil seiner Sammlung geblieben ist, wenngleich es sich nicht umdas Werk eines Aussenseiters handelt. 1974 wurde Max E. Ammann zumPräsidenten der Internationalen Vereinigung der Pferdesportjournalistengewählt und stand ab 1978 als erster Direktor an der Spitze des neugegründeten Springreiterweltcups CSIO. Seine Arbeit führte Max E. Ammann rundum die Welt. Das Reisen nutzten er und seine Frau Korine immer auch fürMuseums- und Atelierbesuche bei Aussenseiterkünstlern. So entstand eineausserordentliche Kunstsammlung, die jetzt der Öffentlichkeit präsentiertwird. Wanderausstellung und umfangreiche Publikation Die Ausstellung «Weltensammler» wird ausgehend vom Kunstmuseum ThurgaualsWanderausstellung noch in Erfurt, Lille, Sables d‘ Olonne und weiteren Ortenin ganz Europa gezeigt. Zur Ausstellung erscheint im Benteli Verlag ein 400-seitiges Buch, dasdieSammlung umfassend vorstellt. Texte von Max E. Ammann führen ein in die Künstlerpersönlichkeiten und Sammlungsstrategien. Ein Text des Direktors desKunstmuseums Thurgau, Markus Landert, umreisst anhand der Sammlungsbeständeden Begriff der Aussenseiterkunst heute. Verkaufspreis im Buchhandel SFr. 78.- Im Kunstmuseum Thurgau während der Ausstellung SFr. 68.- kmt |
Kontakt:
http://kunstmuseum.backslash.ch/online/ausstellungen/detail.cfm?id=73

Martha Grunenwaldt
Frauenfkopf, 2002
48 x 34 cm
© bei der Künstlerin

Bild: http://www.kunstmuseum.tg.ch/image.cfm?image=/pictures/Brenner1.jpg&title=

Yves-Jules
Fleury
Déjeuner sur l’herbe
Gouache auf Papier
55 x 73 cm
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Bericht in der «Tagesschau»von SF 1, 23.1.11, 19.30 Uhr:
http://www.videoportal.sf.tv/video?id=3d105576-c20a-4ed8-88c3-989141f9fcc1
Kommentare von Daniel Leutenegger