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6. April 2019

«KÄSE, LIEBE UND INTRIGEN UM 1850»

Lützelflüh / Gotthelf Zentrum: Neue Sonderausstellung zur «Käserei in der Vehfreude»

Bild: Im Spycher, «Käserei» mit Tonbildschau zu illustrierten Ausgaben des Romans, zum Franz Schnyder Film und zum Musical – Foto: zVg

Bauern verschulden sich. Milch wird mit Wasser gestreckt. Bäuerinnen verlieren an Einfluss. Ein Verdingkind und der Sohn des Dorfpräsidenten verlieben sich. Missgunst herrscht, Boshaftigkeit und Neid. Anonyme Briefe bringen ein ganzes Dorf hintereinander … wegen der neuen Käserei – davon erzählt Gotthelfs Roman «Die Käserei in der Vehfreude». Seit dieser Woche zeigt das Gotthelf Zentrum Lützelflüh dazu eine spannende Sonderausstellung.

Der Roman «Die Käserei in der Vehfreude», erschienen 1850, gehört zu Gotthelfs Spätwerken, verfasst zwischen «Uli der Pächter» und «Zeitgeist und Bernergeist». «Uli der Pächter» spielt noch ganz in einer reinen, heilen Bauernwelt, in der «Käserei» bricht die Moderne ein, die Vehfreudiger bleiben aber trotzdem den Traditionen treu. «Zeitgeist und Bernergeist» hingegen ist eine scharfe Abrechnung mit den damaligen Entwicklungen. Die neue Sonderausstellung zur «Vehfreude» im Gotthelf Zentrum Lützelflüh erläutert Hintergründe, stellt Zusammenhänge her, lässt Besuchende eintauchen in eine Zeit des Umbruchs und Wandels.

Käserei statt Schulhaus

An sich sollten die Vehfreudiger ein neues Schulhaus bauen, so hat es die Regierung befohlen. Aber die Männer entscheiden sich für eine Käserei: Weil es Mode ist, und weil Käsereien Geld verheissen. Und weil sie damit beweisen können, dass sie durchaus modern seien, «Bildung» hätten – und es ihnen nicht am nötigen Geld fehle. Der Roman berichtet, wie es der Käserei ergeht, da die meisten, auf eigenen Vorteil bedacht, bald einmal die Milch mit Wasser «panschen»… der Käse den Qualitätsanforderungen der Käsehändler nicht genügt und die Vehfreudiger sich damit zum Gespött machen.

Um möglichst viel Milch in die Hütte liefern zu können, kaufen sie auch fleissig Kühe, und zwar solche, die kurz vor dem Kalben sind: Denn solche «greisete» Kühe erbringen eine hohe Milchleistung. Dass mehr Kühe aber auch mehr Futter fressen, bedenken sie nicht: Durch den Ankauf von Kühen und zusätzlichem Futter kommen sie finanziell in arge Nöte.

Nachteile für die Frauen und eine herzliche Liebesgeschichte

Gotthelf beschreibt mit grosser Sachkenntnis und Humor den Einbruch der Moderne: Wie etwa die neuen Blechbränten bald wieder verschwinden, wie die Bäuerinnen die Hoheit über das Milchgeld verlieren – und damit einen Teil ihrer Unabhängigkeit. Er zeigt, wie Missgunst und Aberglaube die Menschen der Vehfreude hintereinander bringen und wie Eigennutz allen Schaden zufügt. Zudem erzählt der Roman eine herzliche Liebesgeschichte zwischen Änneli, dem ehemaligen Verdingkind, und Felix, dem Sohn des Gemeindepräsidenten: Unter den damaligen sozialen Bedingungen eigentlich eine unmögliche Liaison, die aber doch zu einem Happy End führt.

«Die Käserei in der Vehfreude» ist einer der beliebtesten Romane Gotthelfs. Das Hörspiel von Ernst Balzli auf Radio Beromünster, 1952, die Verfilmung von Franz Schnyder, 1958, aber auch das Musical an den Thunerseespielen 2011 haben zu dieser Popularität beigetragen, ebenso prächtige illustrierte Ausgaben des Romans mit Zeichnungen von Albert Anker oder mit Holzschnitten von Emil Zbinden.

Text, Bild, Hörspiel, Tonbildschau – und originale Skizzen sowie Aquarelle von Albert Anker

Die Illustrationen von Anker und Zbinden prägen die Ausstellungsräume des Museums im ehemaligen Pfarrhaus und im Spycher. Im Korridor des Zentrums sind eine ganze Reihe von originalen Aquarellen und Skizzen von Albert Anker aus der ROTH-Stiftung Burgdorf zu bewundern, die er als Vorstudien für eine illustrierte Ausgabe des Romans schuf.

Die Holzschnitte von Emil Zbinden konnten dank der freundlichen Genehmigung von Karl und Katharina Zbinden verwendet werden. Exponate aus dem Fundus des Milchwirtschaftlichen Museums Kiesen und des Vereins Gotthelf-Stube schaffen zudem echte Käserei-Stimmung. Die Sonderausstellung ist bis Ende 2021 zu sehen und bildet eine wertvolle Ergänzung zur Dauerausstellung des Lützelflüher Gotthelf Zentrums.

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Weitere Informationen unter:

www.gotthelf.ch

#JeremiasGotthelf #GotthelfZentrum #Lützelflüh #KäsereiInDerVehfreude #ErnstBalzli #FranzSchnyder #AlbertAnker #EmilZbinden #CHcultura @CHculturaCH ∆cultura cultura+

 

  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 6. April 2019
  • Museum, Ausstellung, Galerie

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