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17. Februar 2022

«LOUISE BOURGEOIS X JENNY HOLZER – THE VIOLENCE OF HANDWRITING ACROSS A PAGE»

Ausstellung im Kunstmuseum Basel, Neubau und Hauptbau, vom 19. Februar bis am 15. Mai 2022 - Vernissage: am Freitag, 18. Februar, 18.15 Uhr

Bild 1: Louise Bourgeois in her home on 20th Street in New York, 2004 – Photo Credit: Pouran Esrafily

Jenny Holzer (* 1950) zählt zu den führenden Künstlerinnen ihrer Generation. Für das Kunstmuseum Basel kuratiert sie eine Ausstellung mit Arbeiten von Louise Bourgeois (1911–2010), einer der einflussreichsten Künstlerinnen des 20. und 21. Jahrhunderts. Die nie dagewesene Begegnung zweier Grandes Dames der amerikanischen Kunst präsentiert Bourgeois’ Werk aus Holzers Perspektive.

Die Freundschaft zwischen Bourgeois und Holzer bildet das Fundament für das ehrgeizige Projekt, das weit mehr als eine blosse Hommage der jüngeren Künstlerin an ihre ältere Kollegin ist. Trotz der auf den ersten Blick radikal unterschiedlichen künstlerischen Entwürfe zeigen sich bei beiden Künstlerinnen Parallelen in der Verwendung von Sprache und insbesondere des geschriebenen Worts. Diese liegen Holzers scharfsinniger und zugleich einfühlsamer Deutung von Bourgeois’ Werken und ihrer höchst originellen Sicht auf deren Oeuvre zugrunde. Das Kunstmuseum Basel hat Holzer bei der Umsetzung dieser aussergewöhnlichen Ausstellung und des damit verbundenen Künstlerbuchs alle Freiheiten zugestanden.

Bild 2: Jenny Holzer, in the exhibition «Louise Bourgeois x Jenny Holzer» at Kunstmuseum Basel | Neubau, 2022 – Photo Credit: © Xandra M. Linsin

Die Bedeutung der Sprache

Holzer gelangte seit den frühen 1980ern mit ihrem subversiven und provokanten Einsatz von Sprache im öffentlichen Raum zu weltweiter Bekanntheit. Sie bedient sich einer breiten Palette von Medien und Formaten, von T-Shirts und Strassenschildern bis hin zu grossflächigen Projektionen und Lastwagen mit LED-Schriftzügen.

Ihre Arbeiten analysieren und hinterfragen die in Politik, Geschlechterrollen, Wirtschaftsleben und Gesellschaft herrschenden Machtverhältnisse. Bourgeois erkundete in ihrer vielseitigen künstlerischen Praxis, die sich durch grossen Einfallsreichtum auszeichnete, die Tiefen ihrer inneren Seelenlandschaft. Ihr heterogenes Werk setzt sich mit vielfältigen menschlichen Emotionen auseinander:

Liebe, Begehren, Abhängigkeit, Sexualität, Zurückweisung, Eifersucht, Verlust und Verlassensein. Die Künstlerin schrieb fast wie besessen. Ihr umfangreiches Archiv umfasst Tagebücher und Briefe, die sie über viele Jahrzehnte aufbewahrte, sowie Hunderte von Aufzeichnungen auf losen Blättern, entstanden während der Psychoanalyse, der sie sich ab 1951, kurz nach dem Tod ihres Vaters, unterzog.

Bild 3: Louise Bourgeois, UNTITLED (I HAVE BEEN TO HELL AND BACK), 1996, Embroidered handkerchief, 49.5 x 45.7 cm – Photo Credit: Christopher Burke

Dem Schreiben kam in Bourgeois’ Schaffensprozess eine wichtige Rolle zu. Wie ihre Werke verlieh es ihren Traumata Ausdruck und half manchmal auch, sie zu verarbeiten. Der Schreibakt ermöglichte es ihr, teils unbewusste Gefühle und Impulse bewusst zu artikulieren. In ihrer Kunst verwendete sie das geschriebene Wort in vielen Formen: Sie stickte es auf Textilien wie Unterhosen und Taschentücher, prägte es in Bleitafeln ein, schrieb es auf Drucke und machte es zum Bestandteil einiger ihrer Cell («Zelle») genannten Installationen. In vielen späteren Arbeiten griff Bourgeois auf ihre früheren Tagebücher und andere Schriften zurück und verschmolz so nicht nur Bild und geschriebenes Wort, sondern auch Vergangenheit und Gegenwart.

Für die Ausstellung «Louise Bourgeois x Jenny Holzer» hat Holzer in neun Räumen im Kunstmuseum Basel | Neubau Werke von Bourgeois in thematischen Gruppen zusammengestellt. Die Präsentation folgt einer intuitiven und poetischen Logik. Jeder Raum besitzt seine ganz eigene Identität. Gleichzeitig entfaltet die Schau im Ganzen zugleich eine dichte und vielschichtige Erzählung von Erinnerung, den fünf Sinnen, Landschaften, dem Unbewussten, Sexualität, Mutterschaft, Trauma und Kreativität.

Über den Neubau hinaus

Für Holzers Herangehensweise ist charakteristisch, dass sie die Wände des konventionellen Ausstellungsraums aufbricht: So inszeniert sie auch an diversen Orten im Kunstmuseum Basel künstlerische Eingriffe. Bourgeois’ selten gezeigte Arbeit «Twosome» (1991) beansprucht die Neubau und Hauptbau verbindende unterirdische Passage für sich. Die monumentale mechanische Installation, die einem Tankwagen ähnelt und auf Schienen vor-und zurückrollt, verkörpert die dynamischen Schwingungen zwischen den Polen Männlichkeit und Weiblichkeit, Anziehung und Abstossung, Vereinigung und Trennung, Mutter und Kind.

«Twosome» bildet eine perfekte Überleitung zum Hauptbau, wo Holzer Bourgeois’ Skulpturen im Dialog mit Meisterwerken aus der Sammlung des Museums angeordnet hat, um Anknüpfungspunkte und Gegensätze zwischen Altem und Neuem hervortreten zu lassen und gleichzeitig Bourgeois’ Stellung in der Kunstgeschichte zu unterstreichen.

Bild 4: Louise Bourgeois, Untiteld, 1997, Steel, wooden broom head and cloth, HxBxT: 162.6 x 61 x 33 cm 

Künstlerbuch

Ihre Auseinandersetzung mit Bourgeois’ Oeuvre vertieft Holzer in ihrem Künstlerbuch, in dem sie deren Kunst und Schriften in paarweise angeordneten ganzseitigen, oft radikal beschnittenen Kompositionen zu einer raffinierten Geschichte verwebt. Hier und da verortet sie Bourgeois in der Kunstgeschichte, indem sie Bilder ihrer Werke mit ähnlich bearbeiteten Abbildungen von Meisterwerken aus der Sammlung des Kunstmuseums kombiniert. So ergeben sich unerwartete Gegenüberstellungen, die auf den ersten Blick ungereimt sind und zum Nachdenken anregen. Das einzigartige Künstlerbuch entsteht in Zusammenarbeit mit JRP | Editions.

Im Zusammenhang mit dem Künstlerbuch zeigt das Kunstmuseum Basel eine Auswahl von Arbeiten auf Papier aus dem Kupferstichkabinett in den zwei Grafikkabinetten im ersten Obergeschoss des Hauptbaus.

Bild 5: Louise Bourgeois, Topiary, 2005 – Photo Credit: Kunstmuseum Basel – Jonas Hänggi

LED-Fries, AR-App und Projektionen in der Stadt

Für den LED-Fries auf der Fassade des Neubaus hat Holzer Fragmente aus Bourgeois’ Schriften aufbereitet. Des Weiteren hat sie gemeinsam mit der Digitalagentur Holition (London) eine Augmented-Reality-App entwickelt, die Bourgeois’ im Neubau gezeigtes Schlüsselwerk «Destruction of the Father» (1974) in ein unvergessliches Erlebnis für die Sinne verwandelt. Mit der App können die BesucherInnen ausserdem ausgewählte Worte von Bourgeois überallhin mitnehmen. Schliesslich werden während der ersten Ausstellungswoche Auszüge aus Bourgeois’ Schriften auf die Fassaden öffentlicher Gebäude in ganz Basel projiziert.

Kuratiert von Jenny Holzer und Anita Haldemann

kmb

Kontakt:

https://kunstmuseumbasel.ch/

#LouiseBourgeois #BourgeoisXHolzer #JennyHolzer #KunstmuseumBasel #AnitaHaldemann #CHcultura @CHculturaCH ∆cultura cultura+

Bild 6: LOUISE BOURGEOIS X JENNY HOLZER PROJECTIONS, Alte Universität, Basel, Switzerland, 2022, Light projection – Photo Credit: Mark Niedermann 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 17. Februar 2022
  • Museum, Ausstellung, Galerie

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