Ausstellung im Museum für Gestaltung Zürich, Toni-Areal, bis am 14. April 2024

Bild: Margrit Linck, beim Nachzeichnen einer Form, um 1975, © Foto: Marlies Tschopp
Mit der Ausstellung «Margrit Linck, Pionierin der Keramik» präsentiert das Museum für Gestaltung Zürich das facettenreiche Œuvre der Berner Keramikerin erstmals in seiner ganzen Bandbreite. Während fünf Jahrzehnten balancierte Margrit Linck mit schöpferischem Elan und kreativer Freiheit zwischen angewandter und freier Kunst. Ihre konstante Auseinandersetzung mit Form, Ausdruck und Technik verlieh dem Handwerk stetig neue Impulse und machte sie zu einer Pionierin der Keramik.
Die monografische Ausstellung im Museum für Gestaltung Zürich ist eine Hommage an Margrit Lincks vielschichtiges Werk und dessen Fortführung bis in die Gegenwart. «Margrit Linck, Pionierin der Keramik» vereint zum ersten Mal ihr künstlerisches und angewandtes Schaffen und präsentiert dieses in einer ateliernahen Szenerie. Neben den beeindruckenden Objekten aus sechs Jahrzehnten zeugen Zeichnungen und Fotografien von einem vielfältigen gestalterischen Leben und einer grossen Leidenschaft für Keramik. In kurzen Videointerviews berichten ehemalige TöpferInnen von ihrer Tätigkeit im Unternehmen und der Zusammenarbeit mit Margrit Linck. Zudem bietet eine Filminstallation atmosphärische Einblicke in das heutige Atelier von Linck Keramik in Worblaufen bei Bern. Ein Vermittlungsangebot im Ausstellungsraum lädt Besuchende ausserdem zur individuellen Auseinandersetzung mit dem Werk ein.

Bild: Margrit Linck, beim Modellieren, um 1960, © Foto: Mario Tschabold
Pionierin in zwei Welten
Margrit Linck eröffnete Mitte der 1930er-Jahre als erste Frau in der Schweiz eine Töpferei in der Nähe von Bern und führte einen erfolgreichen handwerklichen Betrieb in einem damals von Männern dominierten Feld. Zu Beginn orientierte sie sich noch an traditionellen Vorbildern und Techniken der Heimberger Keramik, emanzipierte sich aber bald von den ursprünglichen Formen.
Sie entwickelte einen eigenständigen Zugang und widmete ihr Leben gleichermassen der Gebrauchskeramik und der funktionsbefreiten Auseinandersetzung mit Ton. So ist Margrit Lincks Werk geprägt von zeitgleicher serieller Produktion für kommerzielle Zwecke und künstlerischen Anfertigungen.
Sie verstand sich auch darauf, die Grenzen zwischen den Bereichen zu verwischen und damit eine Brücke zwischen Kunsthandwerk und freier Kunst zu schlagen. Bei der Suche nach Formen und in der Herausbildung neuer gestalterischer Sprachen half ihr das Zeichnen. So entstanden ihre Entwürfe zuerst auf Papier; die Arbeit im Dreidimensionalen erfolgte erst in einem zweiten Schritt. Die Zeichnungen bildeten ausserdem die Grundlage für die Zusammenarbeit mit den von ihr beschäftigten TöpferInnen, die nach ihren Anweisungen und im Austausch mit ihr drehten, glasierten und brannten.

Bild: Margrit Linck, Gebrauchskeramik und freie Kunst, 2023 © Foto: Umberto Romito & Ivan Suta, ZHdK
Ikonen des Alltags
Vasen, Schalen, Kerzenständer oder Lampenfüsse: Margrit Linck entwarf vielseitige Kollektionen und mehrere hundert Formen in geometrischer Klarheit und mit präzisen Proportionen. Die vor allem aus zylindrischen, konischen und runden Segmenten bestehenden Objekte wurden schnell als schlichte, moderne Schweizer Keramiken anerkannt und erlangten über die Landesgrenzen hinweg grosse Beliebtheit. Um die Form dezidiert ins Zentrum zu rücken, konzentrierte sich Margrit Linck bei diesen zeitlosen «Ikonen des Alltags» vor allem auf die weisse Farbe.
Mithilfe einer umfassenden Mustersammlung und Werkplänen stellen rund fünf Mitarbeitende in der Manufaktur von Linck Keramik in Worblaufen bei Bern bis heute Gebrauchskeramik nach ausgewählten Entwürfen von Margrit Linck her. Für einzelne Formen entwickelt das Linck-Keramik-Team zusätzlich eigene Farbkonzepte und setzt sich in Kooperation mit DesignerInnen, KünstlerInnen und FotografInnen mit einer zeitgenössischen Perspektive auf das Werk auseinander.

Bild: Margrit Linck, Gebrauchskeramik, Jahr unbekannt © Foto: unbekannt
Freie Kunst
Parallel zur Gebrauchskeramik manifestierte sich in Margrit Lincks freien Arbeiten schon früh ein individueller künstlerischer Zugang. Ihr Repertoire umfasst unter anderem Tier-Mensch Metamorphosen zwischen Gefäss und Skulptur, mit kräftigen Pinselstrichen bemalte Figuren sowie frei von Hand aufgebaute Körper. Ausserdem fand sie auch, unbeirrt von KritikerInnen und VertreterInnen des traditionellen Handwerks, durch das bewusste Zerstören und Verfremden zu einer neuen Formensprache.
Frisch aufgedrehte Modelle wurden gequetscht, in sich verdreht oder asymmetrisch zusammengefügt. Ihre unkonventionellen Methoden bedeuteten einen Bruch mit der «schönen» Form. Diese Vielfalt in Margrit Lincks Werk zeugt von Experimentierfreudigkeit, Innovationsgeist, Gestaltungsfreiheit und dem enormen Potenzial des Mediums Ton.
Kuratorium und Szenografie: Nora Wüthrich, Kuratorin Museum für Gestaltung Zürich
Kontakt:
https://museum-gestaltung.ch/de/ausstellung/margrit-linck/
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Bild: Margrit Linck, Arlequin, um 1950, © Foto: Hans Tschirren
Kommentare von Daniel Leutenegger