6. Dezember 2020
«MICHA ZWEIFEL – ZUR SACKGASSE 4. STOCK»
Manor Kunstpreis Zentralschweiz - Ausstellung im Kunstmuseum Luzern, bis am 31. Januar 2021

Bild: Micha Zweifel, Ohne Titel, 2020, Tombakguss, Courtesy of the artist – Foto: Marc Latzel
Der Künstler Micha Zweifel interessiert sich für die Gestaltung der Welt. Wie wirken Architekturen, Logos, Reklame, der Arbeitsplatz und die vielen kleinen unscheinbaren Dinge, denen wir begegnen und die wir oft nicht bewusst wahrnehmen, auf Körper und Psyche?
Für die Ausstellung im Kunstmuseum Luzern hat Micha Zweifel diesen Sommer bei einem Atelieraufenthalt in der Kunstgiesserei Sitterwerk in St.Gallen unter anderem eine Serie neuer Gipsreliefs geschaffen und eine Skulptur gegossen. Seine Werke kombiniert er innerhalb einer räumlichen Inszenierung, die sich mit der Sackgasse und anderen Raumerfahrungen auseinander setzt.
Leere trifft auf Dichte, Dunkelheit auf Licht, Fenster geben Ausblicke frei, eine Tür führt ins Nirgendwo, und wer die Treppe hinaufsteigt, findet sich in einem Raum wieder, der vielleicht an ein Restaurant erinnert. «Zur Sackgasse 4. Stock» kommentiert dabei mit einem Augenzwinkern auch die Architektur des KKL, in der sich das Publikum gerne verirrt.
Nebst dem alltäglichen Lebensraum fliessen Referenzen aus Kunstgeschichte und Volkskunst in Micha Zweifels Arbeit ein, seien dies niederländische Bauernszenen von Pieter Bruegel dem Älteren (1525-1569), modernistische Skulpturen, Ludwig Kirchners (1880-1938) geschnitzte Holzfiguren oder die Bauernmalerei. So erinnert «Kalender» durch Repetition und Motiv an Appenzeller Alpaufzüge. Für diese neuste Serie weisser Gipsreliefs hat Micha Zweifel eine Gussvorlage von Bild zu Bild weiterentwickelt. Zuerst taucht in der Berglandschaft eine Alp auf. Nach und nach wird die Landschaft urban, werden die Schweizer Alpen zur niederländischen Stadt. Insofern ist die Serie plastischer Ausdruck von Zeit und kann potenziell weiter wachsen.
Micha Zweifels Bronzeskulpturen greifen eher Themen der klassischen Skulptur oder die Fragmentierung und Dynamik von Kubismus und Futurismus auf. Die Verletzlichkeit, die sie ausstrahlen, kommt wesentlich durch die Technik und die damit einhergehende Oberflächenbeschaffenheit zustande. Für die Bronzeskulpturen schweisst der Künstler die Gussvorlage direkt aus den Wachsplatten, die normalerweise nur der Übertragung eines Modells dienen. Weil er den Zwischenschritt auslässt, gibt es immer nur einen einzigen Abguss. Die Vorlage geht beim Guss verloren. Die Nähte, die offenen Stellen und der Blick ins Innere scheinen von schweren Zeiten zu erzählen, doch die schalkhaften Gesichter kontrastieren damit und bei «LIFT» auch die tänzerische Haltung. Haptik und handwerkliche Fertigung prägen Micha Zweifels Arbeiten. Ihm ist wichtig, sich selbst Techniken anzueignen und auszuloten, wie sie auch entgegen ihrer traditionellen Methoden eingesetzt werden können.
Der Manor Kunstpreis ist einer der wichtigsten Förderpreise der Schweiz. Er wird jährlich in sechs Regionen der Schweiz an Künstlerinnen und Künstler im Alter bis 40 Jahre vergeben.
Kuratiert von Eveline Suter
kml
Kontakt:
https://www.kunstmuseumluzern.ch/
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Kommentare von Daniel Leutenegger