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26. März 2011

Timmermahn bei luginbühl im alten schlachthaus burgdorf

Zum Auftakt der Saison 2011 zeigt der Verein «Bernhard Luginbühl - Altes Schlachthaus» vom 27. März bis zum 4. Dezember 2011 in Burgdorf die Werke des Berner Künstlers Timmermahn.

Bilder: © Timmermahn (oben zur Vergrösserung anklickbar)

Timmermahn bei luginbühl im alten schlachthaus burgdorf

In den frühen 1960er-Jahren arbeitete Timmermahn zusammen mit den Künstlern Alfred Hofkunst, Reini Rühlin, Peter von Wattenwyl und dem Grafiker Lucas Zbinden als Theatermaler und Kascheur am Stadttheater Bern.

Geteilt und durchlebt haben sie die «wilden Sechziger» der Berner Kunst-Szene mit Bärni Luginbühl. Gemeinsam ist den Künstlerweggefährten ihre Heimatverbundenheit und Verwurzelung mit derselben Umgebung.

Luginbühl interessierte sich schon immer für die Vertreter der Art Brut und schätzte das naiv-phantastische der Surrealisten, das auch in den vielschichtigen Werken von Timmermahn durchscheint und dem Betrachter zuzwinkert.

In den Räumlichkeiten des Schlachthauses verbinden sich Timmermahns skurrile farbige Bilderwelten wunderbar mit den tier- und menschenähnlichen ornamentalen Grossplastiken und Figuren und den dichten lebendigen Zeichnungen von Luginbühl.

Timmermahn (1942 geboren als François Pierre Klein), hauptberuflich Maler,  hat sich auch als Mundartdichter und Märchenerzähler wunderbar skurriler und gleichzeitig sehr poetischer Texte sowie als Regisseur von Theaterstücken einen Namen gemacht. Er ist eine der schillerndsten Figuren in der schweizerischen Kunst- und Kultur-Szene der Gegenwart. Timmermahn wird gerne als unermüdlicher Forscher vom Absurdistan des Alltags bezeichnet.

Mit seinen berührenden und fantastischen Bilderwelten lässt er sich nicht einordnen und will sich auch nicht festlegen lassen. Er habe keinen eigenen Stil, sagt er, er male so, «wie’s grad kommt».

«Ich male mit Stolz ohne Stil und lasse mich nicht klassifizieren. (…) Ich brauche nicht verstanden zu werden. Ich mag nicht malen, wie es von mir erwartet wird. Ich liebe die Malerei.»

Nach Konrad Tobler «verschaffen und erhalten seine Werke sich so die Freiheit, weder einer Einheit der Inhalte noch einer Einheit des Stils folgen zu müssen. Das wirkt naiv. Aber es ist nicht naiv, sondern eher listig.»

In einem Interview 2009 erklärt Timmermahn, die Entstehung eines Bildes sei, wie wenn eine Mutter den Teig für den Geburtstagskuchen ihres Kindes knete. 

Seine Bildschöpfungen sind eigene Märchenwelten, die Farben untermalen und spinnen diese Geschichten weiter. Mit Witz, Ironie und Ernst tingelt er durch die Kunstgeschichte, zitiert sie, um sie im nächsten Augenblick wieder in die eigene farbige Bilderwelt einzuverleiben.

Da sitzt ein Tiger in Menschengestalt im Leopardenfellanzug auf einem Holzstuhl inmitten von Henri Rousseaus naivem Urwald. Fontanas monochrome Schnitte in die Leinwand sind bei Timmermahn auf wolkig pastellfarbenem Hintergrund liebevoll wieder zusammengenäht.

Das Werk für das Schlachthausplakat ist klug gewählt. Ein Minimensch in Anzug mit Hut reitet auf einem riesengrossen roten Elefanten mit kritisch verträumtem Blick.

Der Dickhäuter marschiert, wie es bei seinen Zirkuskollegen Tradition ist, majestätisch in Burgdorf ein.

Projiziert man, die kommende Ausstellung im Fokus, die beiden Künstler in die Figuren, sitzt der quirlige Erzähler Timmermahn auf dem grossformatigen Eisenplastiker Luginbühl.

Eine Führung durch seine Ausstellung will der sonst wortgewandte Timmermahn nicht machen. Mit listigem Augenzwinkern meint er, man könne nie wissen, ob’s wahr ist, was er erzähle, er flunkere gerne. Das Bild spreche für sich selbst. Nach seiner Entstehung im Atelier bestimme der weitere Lebensweg seine Bedeutung mit.

asb

Hinweis

Am 15. Mai 2011 um 17 Uhr findet im Schlachthaus Burgdorf eine Dichterlesung der etwas anderen Art statt.

Titel: Timmermahns mokanter Bestoffer

Kontakt:

http://luginbuehlstiftung.ch/museum

http://www.timmermahn.ch

Timmermahn bei luginbühl im alten schlachthaus burgdorf
  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 26. März 2011
  • Museum, Ausstellung, Galerie

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