31. Januar 2015
«wunderschönprächtig. Glaubenssachen des Alltags»
Sonderausstellung Museum Appenzell, bis am 25. Mai 2015

Andachtsbildchen, Gebetsbücher, Rosenkränze, Kruzifixe oder ganze Versehgarnituren sind häufige Geschenke an das Museum Appenzell. Oft kommen sie bei Räumungen zum Vorschein oder passen nicht mehr so richtig zur modernen Stuben- und Schlafzimmereinrichtung.
Andachtsgegenstände jedoch im Brockenhaus oder gar im Kehricht zu entsorgen,
bereitet Unbehagen und so finden sie den Weg ins Museum. Das Museum seinerseits
reinigt und konserviert sie sowie gruppiert, klassifiziert und vergleicht sie.
Was so wieder ans Licht und vor unsere staunenden Augen gelangt, hat das
Prädikat «wunderschönprächtig» vollauf verdient.
Gegenstände und Bilder des Glaubens nehmen in jeder Gesellschaft eine besondere
Stellung ein. Sie vermögen religiöse, oft abstrakte Vorstellungen und
existentielle Sinnfragen anschaulich darzustellen. Glaubensdinge machen
religiöses Empfinden auf sinnliche Weise sichtbar und greifbar.
Bis weit nach dem Zweiten Weltkrieg spielten Andachtsgegenstände im katholisch
geprägten Appenzell Innerrhoden eine grosse Rolle. Dabei wurden sie im Alltag
auf vielfältigste Weise genutzt. Sakrale Objekte brachten Schutz, Heil und
Segen. Dinge des Glaubens erinnerten an wichtige Ereignisse im Lebenslauf wie
Taufe, Hochzeit und Tod. Sie dienten der häuslichen Andacht und Erbauung und
waren materielle Zeugen für gelebte Frömmigkeit. Gleichzeitig waren religiöse
Objekte immer auch dekorativer Hausschmuck. Kästchen und Andenken präsentierten
sich in besonders prächtiger Ausstaffierung und der reich geschmückte Herrgottswinkel
war ein zentraler Blickfang in der Wohnstube.
Dem Menschen von heute mag diese Glaubenskultur fremd geworden sein und Sinn
und Zweck der verschiedenen Objekte sind nur noch vage bekannt. Die
eindringliche Symbolik und ästhetische Qualität vergangener Glaubensdinge üben
aber nach wie vor eine starke Anziehungskraft aus. Das Bedürfnis früherer
Generationen, den Glauben mit besonders schönen und aufwändig gearbeiteten
Dingen zu gestalten, beeindruckt und fasziniert gleichermassen.
Das Museum Appenzell sammelt seit über 100 Jahren Gegenstände und Bilder des Glaubens und der Volksfrömmigkeit. Die Ausstellung zeigt einen Querschnitt durch diese umfangreiche Sammlung. Im Mittelpunkt stehen Glaubensdinge aus dem häuslichen Bereich.
Ergänzt wird die Ausstellung durch Arbeiten dreier zeitgenössischer Künstlerinnen. Margaretha Dubach, Vera Marke und Marlis Pekarek haben – jede auf ihre Art – intensiv mit Gegenständen der Volksfrömmigkeit gearbeitet.
ma
Beitrag auf art-tv zu «wunderschönprächtig»:
http://www.art-tv.ch/11253-0-Museum-Appenzell-wunderschoenpraechtig.html
Mehr / Kontakt:
Museum_Appenzell_Kombiflyer_wunderschoenpraechtig.pdf
Kommentare von Daniel Leutenegger