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23. Dezember 2023

«YOUNG KRISHNA – DIE ABENTEUER EINES INDISCHEN GOTTES»

Ausstellung im Museum Rietberg, Zürich, bis am 24. März 2024

Bild oben: Krishna bezwingt den Dämon Agha – Folio 27 aus der «Bir Singh-Bhagavata Purana-Serie» (zu BhP 10.12.1–39), Indien, Bundelkhand, Orchha, ca. 1605–1615, Geschenk Eberhard und Barbara Fischer, Museum Rietberg, Zürich (2023.16)

Lausbub, Liebhaber, Held – die indische Malerei ist voll von lustigen, spannenden und berührenden Geschichten über den Gott Krishna und dessen Abenteuer. Die Ausstellung «Young Krishna» erzählt sie anhand von 38 farbenfrohen Bildern, die vor allem aus der Sammlung Eva und Konrad Seitz stammen. Visuelle Inszenierungen, Audiostationen, digitale Animationen und ein vielfältiges Rahmenprogramm für Erwachsene, Kinder und Familien, laden dazu ein, in die Welt von Krishna und seinen WeggefährtInnen einzutauchen

Die indische Malerei

Malerei und Literatur stehen in Südasien seit jeher in einem engen Zusammenhang. Über die Jahrhunderte hinweg schufen die Maler unzählige Bilder und umfangreiche Bildserien, die auf der reichen regionalen Literaturtradition basieren. Mit grosser Liebe zum Detail illustrierten die Maler die berühmten Gedichte und Erzählungen. Sie verwendeten dazu feinste Pinsel aus Eichhörnchenhaaren und leuchtende Farben aus edlen Materialien wie Malachit und Lapislazuli. Durch ein Polieren und die Veredelung mit Goldfolie erhielten die Bilder ihren umwerfenden Glanz, der bis heute andauert.

Die Bilderzählungen

Die kleinen, in ihrer Grösse etwa dem modernen A4-Format entsprechenden Bilder wurden meist in Auftrag von Fürsten für ihren persönlichen Gebrauch hergestellt. Man traf sich im kleinen Kreis der Familie oder weniger Vertrauter, betrachtete die Bilder, während man sie in den Händen hielt, und die Texte vorgetragen, nacherzählt oder memoriert wurden. Die Malereien funktionieren dabei so ähnlich wie Bilderbücher. Manche erinnern sogar an Comics, indem sie mehrere Szenen einer Geschichte auf einem Blatt zusammenstellen.

Doch wieviel versteht man, wenn man die Geschichten nicht kennt? Oder wenn man die Gedichte nicht mehr lesen kann? Die Ausstellung «Young Krishna» füllt diese Lücke. Es wird viel erzählt, und das auf ganz unterschiedliche Weise: Eine Animation erklärt, wie ein erzählendes Bild aufgebaut ist und wie es funktioniert. Fünf Hörstationen laden dazu ein, sich auf gemütlichen Sitzgelegenheiten niederzulassen, sich die Geschichten anzuhören und gleichzeitig die dazu gehörigen Malereien (zumindest als Reproduktionen) in Händen zu halten und anzusehen – ähnlich, wie dies früher an den Fürstenhöfen üblich war.

Wer lieber liest, kann sich aber auch auf den Text selbst konzentrieren, der ebenfalls an den Hörstationen zur Verfügung steht. Zu jedem Original in der Ausstellung gibt es schliesslich einige Zeilen, in denen die Episode nacherzählt wird, die das Bild illustriert. So kann jede/r die einzelnen Szenen entschlüsseln, das Bild für sich erkunden und dabei die eine oder andere Entdeckung machen.

Krishna findet das verschwundene Juwel - Folio 25 aus einer Bhagavata Purana-Serie (zu BhP 10.56.22–45), Indien, Bundelkhand, Panna, ca. 1690–1700, Dauerleihgabe Eva und Konrad Seitz, Museum Rietberg, Zürich (2021.142)

Bild: Krishna findet das verschwundene Juwel – Folio 25 aus einer Bhagavata Purana-Serie (zu BhP 10.56.22–45), Indien, Bundelkhand, Panna, ca. 1690–1700, Dauerleihgabe Eva und Konrad Seitz, Museum Rietberg, Zürich (2021.142)

Der Gott Krishna

Ein kleiner Junge, der seinen Eltern Streiche spielt, als Jüngling die Herzen der Frauen im Dorf höherschlagen lässt und mit seinen göttlichen Kräften gegen scheinbar übermächtige Dämonen kämpft – davon berichten die Geschichten des Gottes Krishna, die die Menschen in Südasien und darüber hinaus bis heute in ihren Bann ziehen. Sie stammen aus einem Text namens Bhagavata Purana und sind über Jahrhunderte als mündliche oder schriftliche Erzählungen überliefert worden.

Das Bhagavata Purana erzählt von Gott Vishnnu der in den hinduistischen Traditionen als Erhalter der Weltordnung gilt. Er erscheint immer dann auf der Welt, wenn diese aus dem Gleichgewicht zu geraten droht und dämonische Kräfte überhandnehmen. Dabei nimmt er verschiedene Formen an. So gilt Krishna als achte Herabkunft (avatara) von Vishnu. Auch seine Aufgabe ist es, gegen das Böse zu kämpfen und dem Guten zum Sieg zu verhelfen.

Doch Krishna ist besonders, denn er lebt als Mensch unter Menschen. Für die Gläubigen ist dies Zeichen seiner Nahbarkeit. Sie verehren ihn vor allem in der bhakti, einer Glaubensrichtung des Hinduismus, die die Hingabe und Liebe zu Gott betont. Darin haben alle Facetten der Liebe ihren Platz und damit auch alle Varianten sozialer Beziehungen: Krishna ist Gott, Geliebter, Held, Freund und Sohn zugleich.

Spannung und Emotionen

Die Geschichten von Krishna lassen niemanden kalt. Sie sind abenteuerlich und witzig, verschmitzt und berührend, spannend und überraschend. Und sie sprechen unsere menschlichen Gefühle an.

Als Kleinkind ist Krishna nicht nur ein herziges Baby, das krabbelnd an der Türschwelle scheitert und seine ersten Schritte macht. Er stibitzt seiner Mutter auch mal Butter aus der Küche, zerschlägt dabei Töpfe und entzieht sich, trotz aller Vorsichtsmassnahmen, immer wieder der elterlichen Obhut.

Als Junge teilt er das Leben seiner Freunde. Zusammen mit seinen Altersgenossen zieht er morgens los, um die Kühe zu hüten. Sie spielen gemeinsam, erleben Abenteuer, treiben Unfug, teilen Geheimnisse, gehen Wagnisse ein und halten sich nicht an die Ermahnungen der Eltern.

Als Jüngling betört Krishna alle Mädchen und Frauen im Dorf. Wenn er nachts seine Flöte spielt, lassen die Dorfbewohnerinnen alles stehen und liegen und eilen in den Wald, um mit Krishna zu tanzen. Krishna ist der göttliche Geliebte und der Reigentanz mit ihm die vollkommene Erfüllung und Seligkeit, weit weg jeglicher Alltagssorgen.

Viele Geschichten erzählen von Krishnas Heldentaten. Immer wieder begibt er sich in den Kampf gegen das Böse, um seine Familie, seine Freunde und die Dorfgemeinschaft zu beschützen. Schon als Säugling entwickelt er ungeahnte Kräfte und wirft einen Wagen um, in dem sich ein Dämon versteckt hat. Um seine Kameraden zu retten, renkt er einem Schlangendämon, der sie zu verschlingen droht, schnell mal den Kiefer aus. Und als ein riesiger Pferdedämon durchs Dorf rast und alles niedertrampeln will, packt der junge Krishna ihn kurzerhand am Schwanz und wirbelt ihn durch die Luft.

Als Held ist Krishna stark und mächtig. Er rettet, befreit und beschützt andere, ist dabei gütig und gerecht. Krishna ist Vorbild und vereint alle Eigenschaften, die man von einem klassischen Helden erwartet.

Aber Krishna ist auch Gott. In mehreren Geschichten und Bildern wird erzählt, wie Krishna den Menschen seine göttliche Gestalt offenbart. Theologisch gesehen steht hinter diesen Geschichten ein göttliches Spiel. Denn in den Erzählungen wird deutlich, dass Krishnas menschliches Umfeld diese Erscheinung immer wieder vergisst.

Der Eselsdämon greift Krishna und seine Freunde an - Folio 21 aus einer Bhagavata Purana-Serie (zu BhP 10.15.1–46), Indien, Bundelkhand, Datia, ca. 1635–1650, Dauerleihgabe Eva und Konrad Seitz, Museum Rietberg, Zürich (2021.105)

Bild: Der Eselsdämon greift Krishna und seine Freunde an – Folio 21 aus einer Bhagavata Purana-Serie (zu BhP 10.15.1–46), Indien, Bundelkhand, Datia, ca. 1635–1650, Dauerleihgabe Eva und Konrad Seitz, Museum Rietberg, Zürich (2021.105)

Die Sammlung Eva und Konrad Seitz

Die Ausstellung zeigt 38 Bilder, die fast alle in der Region Bundelkhand, südlich der Städte Delhi und Agra gelegen, an den Fürstenhöfen von Orchha, Datia und Panna entstanden. Hier schufen die Maler zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert einen ganz eigenen Stil. Er zeichnet sich vor allen durch seine kraftvollen Farben, die klaren geometrischen Formen und die zierlich bis üppigen Muster aus.

Bis auf wenige Ergänzungen stammen die Bilder aus der Sammlung von Eva und Konrad Seitz. Das deutsche Sammlerehepaar hat mit Leidenschaft und grossem Kennertum eine einzigartige Sammlung solcher Bundelkhand-Bilder zusammengetragen und sie 2019 dem Museum Rietberg übergeben. Diese Ausstellung ist damit auch eine Würdigung und ein Dank and die grosszügigen Gönner.

Eine Ausstellung für Gross und Klein

«Young Krishna» bietet ein Gesamterlebnis von Hören, Sehen und Lesen. An Audiostationen kann man Nacherzählungen von fünf Geschichten lauschen, die von der Kuratorin Caroline Widmer mit Unterstützung der Journalistin und Kinderbuchautorin Katja Alves in packender Sprache verfasst wurden. Die bildgewaltigen und detailreichen Malereien laden zum Erkunden ein. Kurze Texte bieten Wissensdurstigen weiteres Material und der Raum entführt mit einer grosszügigen und verspielten Gestaltung in eine andere Welt. So bietet der Besuch der Ausstellung allen, ob Gross oder Klein, verschiedene Zugänge, um die Welt der indischen Malereien und ihren Geschichten rund um Krishna kennen zu lernen und so einen kleinen, aber bedeutenden Teil der indischen Kultur mitten in Zürich zu erleben.

Publikation

Zur Ausstellung erscheint ein Geschichtenbuch mit Bildern und Nacherzählungen von fünf Geschichten aus dem Bhagavata Purana, verfasst von Caroline Widmer.

Kuratorin: Caroline Widmer

mrz

Kontakt:

https://rietberg.ch/ 

#YoungKrishna #BhagavataPurana #EvaUndKonradSeitz #MuseumRietbergZürich #CarolineWidmer #CHcultura @CHculturaCH ∆cultura cultura+

Krishna stiehlt die Kleider der badenden Mädchen - Folio 24 aus einer Bhagavata Purana-Serie (zu BhP 10.22), Indien, Bundelkhand, Datia, ca. 1635–1650, Dauerleihgabe Eva und Konrad Seitz, Museum Rietberg, Zürich (2021.106)

Bild: Krishna stiehlt die Kleider der badenden Mädchen – Folio 24 aus einer Bhagavata Purana-Serie (zu BhP 10.22), Indien, Bundelkhand, Datia, ca. 1635–1650, Dauerleihgabe Eva und Konrad Seitz, Museum Rietberg, Zürich (2021.106)

 

 

 

 

 

 

  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 23. Dezember 2023
  • Museum, Ausstellung, Galerie

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