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22. März 2018

ZWEI NEUE AUSSTELLUNGEN IM CARTOONMUSEUM BASEL: «HANS GEISEN. WELTANSICHTEN» /// «ANDREAS GEFE. DA SIND WIR»

Vom 24. März bis am 17. Juni 2018 im Cartoonmuseum Basel an der St.Alban-Vorstadt 28 - Vernissage am Freitag, 23. März 2018, 18.30 Uhr

Bild oben: © Hans Geisen, 1980, Sammlung Cartoonmuseum Basel (zur Vergrösserung anklicken)

Der bekannte Basler Karikaturist Hans Geisen (Gei, 1919-1992) und sein Maskottchen, der stachelige kleine Rabe, sind zurück! Das Cartoonmuseum Basel hat vom Sohn des Künstlers dessen Nachlass geschenkt bekommen und diesen aufgearbeitet. Daraus ist mit «Weltansichten» eine Ausstellung entstanden, die einen vertieften Einblick in das engagierte Schaffen Geisens bietet.

Gleichzeitig präsentiert das Cartoonmuseum Basel eine Werkschau des Zürcher Comiczeichners, Illustrators und Malers Andreas Gefe (*1966), eines kritischen Beobachters zeitgenössischer Lebenswelten, der die Betrachtenden mit jedem seiner oft rätselhaften Portraits und Bilder in eine geheimnisvolle Geschichte lockt.

«Hans Geisen. Weltansichten»

Von 1967 bis zu seinem Tod im Jahr 1992 kommentierte Hans Geisen (Gei) als Hauskarikaturist der Basler «National-Zeitung» und später der «Basler Zeitung» täglich das Weltgeschehen mit einer pointierten Zeichnung. Sein distanziert ironischer Blick auf internationale politische Entwicklungen war ein weit über Basel hinaus geschätzter Teil der Identität der «Basler Zeitung».

In den feinen Zeichnungen mit dem kleinen schwarzen Raben erscheinen alle Themen und Protagonisten der grossen Umbrüche der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts: die Schwere des Kalten Krieges und die Risse im Eisernen Vorhang, das US-Debakel in Vietnam, die Konflikte im Nahen Osten und am Golf, das Ringen der Europäer um Einheit und der gesellschaftliche Wandel in der Schweiz. Viele Zeitungslesende schlugen ihr Blatt gezielt dort auf, wo Geisen die Mächtigen gekonnt demaskierte und auch tragischen Ereignissen mit Humor begegnete.

Hans Geisen wurde 1919 in Koblenz geboren. Pazifismus und der Einsatz für eine demokratische, soziale Gesellschaft wurden im Elternhaus hochgehalten und prägten ihn. Er lernte Schaufensterdekorateur in einem jüdischen Textilgeschäft und wurde Zeuge der Verfolgung jüdischer Mitbürger. 1939 wurde er zum Reichsarbeitsdienst eingezogen und erlebte den Zweiten Weltkrieg zunächst im Balkan und dann auf dem Russlandfeldzug. Ein Jahr vor Kriegsende konnte er sich mit letzten Überlebenden seiner Division nach Moldawien retten. Nach Bordeaux versetzt, geriet er auf der Flucht in US-Kriegsgefangenschaft. In einem Lager in Arkansas erhielt er wichtige künstlerische Impulse von einem Mitgefangenen, der Unterricht in Deutsch und Kunstgeschichte gab und sein Talent entdeckte.

1946 wurde der seit fünf Jahren per Ferntrauung verheiratete Geisen nach Würzburg entlassen und arbeitete in der zerbombten Stadt als Dekorationsmaler und Grafiker. Ende der 1940er-Jahre siedelte er nach Dortmund über, wo er in der Werbung tätig war. Nebenbei zeichnete er für die «Westfälische Zeitung», die ihn schliesslich 1957 als Karikaturisten anstellte.

1967 zog Hans Geisen, inzwischen zweifacher Vater, nach Basel – und blieb. Bis zu seinem Tod 1992 arbeitete er als festangestellter Karikaturist bei der «National-Zeitung», die 1977 mit den «Basler Nachrichten» zur «Basler Zeitung» fusionierte.

Vor zwei Jahren schenkte Geisens Sohn Johann Wolfgang dem Cartoonmuseum Basel den Nachlass seines Vaters mit über 8’000 Zeichnungen und Bildern sowie Tagebüchern und Fotografien. Inzwischen hat das Cartoonmuseum Basel diesen Nachlass aufgearbeitet und ermöglicht mit der Ausstellung «Weltansichten» einen vertieften Einblick in das Schaffen des bekanntesten Basler Karikaturisten.

«Weltansichten» wurde kuratiert vom Journalisten Willi Herzig, der 20 Jahre lang das Ressort International der «Basler Zeitung» leitete und Hans Geisen persönlich kannte.

Bibliografie

Geisen, Hans: Heitere Striche. Karikaturensammlung von 1957-1965 (Westfälische Rundschau)

Geisen, Hans: Politische Karikaturen. Karikaturensammlung von 1958-1967 (Verlag Wulff & Co. Dortmund)

Geisen, Hans: Politische Karikaturen. 16 Jahresbände, 1969-1984, (Band 1-11 Tor-Verlag zu Basel, Band 12-16 Basler Zeitung)

Geisen, Hans: Frühling in Kischinen, (Nova Press AG), Zürich 1977

Geisen, Hans und Lembke, Robert: Bellen und Beissen, (F. A. Herbig Verlagsbuchhandlung), München und Berlin, 1978

Geisen, Hans: 25 Jahre Politische Karikaturen 1958-1983, (Basler Zeitung)

Geisen, Hans: 30 Jahre Politische Karikaturen 1958-1988, (Basler Zeitung)

Geisen, Hans: Ein Rabe in Basel. Basler Karikaturen von Hans Geisen. Mit einem Vor- wort von -minu, (Spalentor Verlag)

andreas gefe

© Andreas Gefe, 2009, «Das Glück liegt auf der Strasse» 

«Andreas Gefe. Da sind wir»

Ausdrucksstarke, vielsagende Gesichter, aus denen sich die Gefühle und Wesen der dargestellten Person lesen lassen, kennzeichnen die Arbeiten des 1966 in Küssnacht im Kanton Schwyz geborenen und heute in Zürich lebenden und arbeitenden Illustrators, Comiczeichners und Malers Andreas Gefe. Sein eigenwilliges, persönliches und international beachtetes Werk reicht von vorsichtigen, feinen Zeichnungen bis zu körperhaften, farben- und nuancenreichen Malereien.

Andreas Gefe studierte Illustration an der Hochschule Luzern – Design & Kunst und lebt und arbeitet seit 1993 als selbstständiger Illustrator und Comiczeichner in Zürich. Er hat das Luzerner Comicfestival Fumetto mitaufgebaut, war langjähriges Mitglied des Strapazin-Ateliers und zeichnet auch heute noch regelmässig für das Magazin «Strapazin».

Es sind vor allem seine Zeichnungen und Illustrationen für Magazine und Zeitungen wie «NZZ Folio», «Facts», «Das Magazin», «SonntagsZeitung», «Tages-Anzeiger», «Beobachter», «Bilanz», «Sonntagsblick», «Le Temps» und viele weitere, die einem breiten Publikum bekannt sind. Insbesondere die von Gefe 1997 bis 2002 illustrierten «Geri Weibel»-Geschichten von Martin Suter im «NZZ Folio» geniessen Kultstatus. Gefes vielseitiges Wirken umfasst aber auch Comics und Malerei.

Mit seinem ersten Comicalbum «Madame Lambert», das in Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Krimiautor Jerome Charyn entsteht und in Frankreich erstmals erscheint, wird Gefe international bekannt. In der Folge veröffentlicht er mit verschiedenen Autoren und grossem Echo immer aufwändiger gezeichnete, vielschichtige Comics. 2002 erscheint, ebenfalls in Frankreich, der Comicroman «Mein Bruder Flo» nach einer Geschichte von José-Luis Bocquet über zwei andersfarbige Jugendliche, die als kleine Kinder von einem Paar adoptiert wurden. Auf diesen folgt 2006 der Politthriller «Der Gesang der Generäle», der von den Auswirkungen der bleiernen Zeit der Obristen-Diktatur im Griechenland der frühen 1970er-Jahre erzählt, ebenfalls eine Zusammenarbeit mit Bocquet.

Für den «züritipp» zeichnet er in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Autor Charles Lewinsky «Zwei mal zwei», eine in skizzenhaften Outlines und flächigen Farben gehaltene, sehr humorvolle Geschichte über zwei gleichzeitige Schwangerschaften – eine gewollte und eine überraschende -, die 2011 als Graphic Novel bei der Edition Moderne erscheint. Zu seinen Arbeiten gehören auch Sachcomics für Institutionen wie etwa die Umweltorganisation Greenpeace.

Als freier Maler portraitiert Gefe seine Generation städtischer Individualisten gleichzeitig liebevoll und kritisch und packt ganze Erzählungen in dichte, atmosphärische und meist abgründige Acrylbilder voller Rätsel.

Zahlreiche Preise, Stipendien und Ausstellungen begleiten sein unverwechselbares Schaffen. Seine Arbeiten werden regelmässig in Ausstellungen präsentiert und der Künstler erhielt mehrere Preise für Stipendien und Auszeichnungen.

Mit Andreas Gefe portraitiert das Cartoonmuseum Basel einen für die junge Schweizer Zeichnerszene prägenden narrativen Künstler in einer umfassenden Werkschau.

Bibliografie (Auswahl)

Alice im Wunderland (Sammelband ), Edition Moderne, Zürich 1992

Madame Lambert (Mit Jérome Charyn), Arrache Cœur, Zürich 1997

Aufgekratzt (Sammelband), Edition Moderne, Zürich 1997

La BD du 3ème (Sammelband), Lausanne 1999

Bizeps und flambierte Autos, Luzern 2000

Mein Bruder Flo (mit José-Luis Bocquet), Arrache Cœur, Zürich 2002

Der Gesang der Generäle (mit José-Luis Bocquet), Edition Moderne Zürich 2006

Zwei mal zwei (mit Charles Lewinsky), Edition Moderne, Zürich 2011

—

Kontakt:

http://www.cartoonmuseum.ch/

http://www.gefe.ch/ 

 

  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 22. März 2018
  • Museum, Ausstellung, Galerie

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