27. Mai 2026
«THE SIGH OF THE MOUNTAIN»
«On Echoes and Traces in Our Landscapes / Über Echos und Spuren in unseren Landschaften» - Ein kollaboratives Ausstellungsprojekt über den Klausenpass hinweg im Haus für Kunst Uri und im Kunsthaus Glarus. Kuratiert von Annette Amberg und Gioia Dal Molin. - Vernissage Haus für Kunst Uri: Samstag, 30. Mai 2026, 18 Uhr (geöffnet ab 11 Uhr), Vernissage Kunsthaus Glarus: Samstag, 6. Juni 2026, 18 Uhr (geöffnet ab 11 Uhr). Die Ausstellung dauert in beiden Institutionen bis zum 30. August 2026. Festival auf dem Klausenpass: 4. Juli 2026

Bild: «The Sigh of the Mountain»
Das Sommerprojekt am Haus für Kunst Uri ist eine Kollaboration mit dem Kunsthaus Glarus: Eine gemeinsam kuratierte Ausstellung, die sich über die beiden Institutionen erstreckt. «The Sigh of the Mountain» («Das Seufzen des Berges») versammelt 18 Künstler:innen aus der Schweiz und aus dem Ausland und steht für die institutionelle Zusammenarbeit, die beiden Häusern ein grosses Anliegen ist: «Im gemeinsamen Denken entstehen die spannenden Dinge.»
Ausgangpunkt für die Entwicklung der Ausstellung bildet das Phänomen des Echos, das auch Widerhall genannt wird. Ein Echo entsteht, wenn die Reflexionen einer Schallwelle so stark verzögert sind, dass wir sie als separates Hörereignis wahrnehmen. Als akustisches Phänomen taucht das Echo nur in bestimmten Landschaften auf: Steile, schroffe Felswände oder tiefe Täler erzeugen klare Widerhalle. Dabei wurde, bevor die wissenschaftliche Untersuchung der Schallwellen möglich war, das Echo auch als das Seufzen der Berge oder das Flüstern der Berggeister imaginiert.
«Umgeben von ebendiesen Bergen, fragen wir im Kunsthaus Glarus und im Haus für Kunst Uri nach aktuellen Widerhallen, die unsere Landschaften gesellschaftlich, kulturell und politisch deuten und mitprägen. Die eingeladenen Künstlerinnen und Künstler arbeiten in verschiedenen künstlerischen Medien und nutzen Malerei, Film, Fotografie, Skulptur, Sound oder Performance als Ausdrucksformen. Sie untersuchen Spuren und Echos in verschiedenen Zeiten und in verschiedenen realen oder imaginierten Topografien, so etwa in den Urner oder Tessiner Bergen, in der kriegsversehrten Ukraine, in der pakistanischen Provinz Sindh oder in einer fantastisch-dystopischen Landschaft mit speienden Vulkanen. Das Echo wird dabei zu einer Begleiterin und zu einer Metapher: Das Echo, das in einer spezifischen Landschaft entsteht und deren Geschichten, Traditionen, Bräuche oder Mythen in sich trägt. Das Echo, das wir als Spuren von kolonialer, ökologischer oder imperialer Ausbeutung in Landschaften wiederfinden. Das Echo als Erinnerung an Landschaften, die durch Zerstörung, Vertreibung oder Migration nicht mehr zugänglich sind und die durch Erzählungen und Klänge weitergetragen oder erhalten werden.», heisst es im Begleittext zur Doppel-Ausstellung.
Im Kontext der Ausstellung wird die zeitgenössische Malerei (von Noemi Pfister, Yann Stéphane Bisso und Kateryna Aliinyk) mit historischen Gemälden aus der Sammlung des Glarner Kunstvereins und aus dem Archiv der Dätwyler Stiftung, das sich im Haus für Kunst Uri befindet, ergänzt. In dieser dialogischen Präsentation wird ersichtlich, wie Künstler:innen sich immer wieder mit Fragen der Darstellbarkeit von Landschaften beschäftigen und mit Farbe und Pinsel versuchen, Spuren und Echos festzuhalten.
Zudem öffnen Vitrinen mit historischem Archivmaterial den Blick auf die ganz unmittelbare Umgebung. Im Haus für Kunst Uri ist dies die Perspektive auf den Kanton Uri als Auswanderungskanton im 19. Jahrhundert – beispielsweise in den amerikanischen Mittleren Westen, den wiederum Sky Hopinka in seinen Fotoarbeiten in der Ausstellung portraitiert – oder den von italienischen Arbeitskräften in den Berg gesprengten Gotthardtunnel als bleibende und prägende Spur der Industrialisierung.
Am 4. Juli 2026 findet zudem ein kleines Festival auf dem Klausenpass statt – der Berg, der die Kantone Glarus und Uri verbindet und der Austragungsort der sagenumrankten Grenzziehung (Teil der Sage ist ein früh krähender Urner Hahn) ist. Rebecca Solari und Stas Shärifulla zeigen ihre eigens für die Passhöhe entwickelten Performances, derweil
Noor Abed in einem Workshop (auf Anmeldung) einen Einblick in ihre Recherchen zu der Bedeutung von landschaftsbezogener kollektiver Erinnerung und politischem Widerstand gibt.
Beteiligte Künstlerinnen und Künstler
Noor Abed (1988 in Jerusalem), lebt und arbeitet in Amsterdam und Ramallah
Talar Aghbashian (1981 in Beirut), lebt und arbeitet in London
Kateryna Aliinyk (1998 in Luhansk), lebt und arbeitet in Kyjiw
Nathalie Bissig (1981 in Schwyz), lebt und arbeitet in Altdorf
Yann-Stéphane Bisso (1998 in Sangmélima), lebt und arbeitet in Genf
Binta Diaw (1995 in Mailand), lebt und arbeitet in Mailand und Dakar
Andro Eradze (1993 in Tiflis), lebt und arbeitet in Tiflis
Sky Hopinka (1984 in Ferndale), lebt und arbeitet in New York
Dominique Koch (1983 in Luzern), lebt und arbeitet in Basel
Angelika Loderer (1984 in Feldbach), lebt und arbeitet in Feldbach und Wien
Zahra Malkani (1986 in Karachi), lebt und arbeitet in Amsterdam und Karachi
Lou Masduraud (1990 in Montpellier), lebt und arbeitet in Genf und Sète
Leila Peacock (1981 in London), lebt und arbeitet in Basel und Zürich
Noemi Pfister (1991 in Locarno), lebt und arbeitet in Basel
Stas Shärifulla (1984 in Sibirien), lebt und arbeitet in Basel
Tiffany Sia (1988 in Hongkong), lebt und arbeitet in New York
Rebecca Solari (1996 in Blenio), lebt und arbeitet in Biel-Bienne
Anouk Tschanz (1994 in Bern), lebt und arbeitet in Zürich
gdm
Kontakt:
https://www.hausfuerkunsturi.ch/ausstellungen/aktuell/
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Kommentare von Daniel Leutenegger