20. Dezember 2012
Asita Hamidi ist gestorben
Asita Hamidi, 1961 als Tochter eines iranischen Medizinstudenten und einer iranischen Medizinstudentin in Wien geboren, später in Iran, Österreich und der Schweiz aufgewachsen, lebte als Wahlschweizerin in Bern. Aufgewachsen zwischen Orient und Okzident haben diese Kulturen ihr Leben und ihre Musik stark geprägt. Dies spiegelte sich auch in ihrer intensiven Zusammenarbeit mit Musikern aus dem skandinavischen wie dem arabischen Raum wider.

Photos: Bazaar

Asita Hamidis Spielweise, Gesang und Kompositionen waren eine Spurensuche in eigener Sache. Eine Musik für eine gemeinsame Welt, BazaarMusic genannt, eine Brücke zwischen Nordlicht und Morgenland.
Gemeinsam mit ihrem Mann Björn Meyer (Bass & Vocal) aus Schweden gründete sie vor einigen Jahren das weltweite Musikernetzwerk und Record-Label «Bazaarpool». Seit 1996 war ihre Band Bazaar – und der gesamte «Bazaarpool» – das Zentrum ihres Schaffens. 2005 erhielt sie in der Schweiz den Anerkennungspreis für Musik. Im Iran wurden die beiden mit ihrer Musik für den BBC Worldmusic Award 2006 nominiert und waren seither mit verschiedensten Formationen des Bazaarpools immer wieder in aller Welt unterwegs.
Asita Hamidi spielte Harfe, Daendji und Gu-Cheng, zudem war sie eine Sängerin mit grosser Einfühlsamkeit und Ausdruckskraft.
«Wider das Seichte»
Ane Hebeisen schreibt heute in «Der Bund»:
«Mit der Bernerin verliert die Welt eine Künstlerin, die einen ureigenen musikalischen Dialekt etabliert hat.
(…)
Vermutlich sind nur entwurzelte Musiker, die in verschieden Welten zu Hause sind, fähig, zum Horizont aufzubrechen. Die Harfenistin Asita Hamidi war eine solche Musikerin. So schien sie sich stets auf der musikalischen Suche nach Wurzeln und Spuren zu befinden, nach einem Ausdruck zwischen Historie und Zukunft, Himmel und Erde, Orient und Okzident. Reisen zum Horizont sind so geartet, dass sie kein Ankommen vorsehen, dass allein das Unterwegssein zum Sinn aller Anstrengungen gereicht. Die Musik von Asita Hamidi ist der klingende Bericht einer solchen Reise. Ihre Lieder brauchten oft keinen Anfang und kein Ende – nicht einmal einen eindeutigen Aggregatszustand. Sie bewegen sich an den Rändern der Stile, sind weder Jazz, noch Rock, Folklore oder Ethno. Sie sind ein eigenes Universum – unbeschwert und schwermütig, erdig und schwebend, mystisch und rational, modern und archaisch und stets von schleierhafter Schönheit. Als Entwurzelte sah sich Asita Hamidi selber nicht: ‚Egal wo du hinkommst, dich selber nimmst du überall hin mit‘, sagte sie einst in einem Gespräch. ‚Entweder ist der Boden für dich fruchtbar – oder dann wird es eben ein bisschen komplizierter.’»
http://www.derbund.ch/kultur/pop-und-jazz/Wider-das-Seichte/story/20584200
«Ein Kulturpreis habe ihr 1981 den Kauf einer ersten Harfe ermöglicht, heisst es auf der Homepage ihrer 1996 gegründeten Band Bazaar. Wie ‚Der Bund‘ berichtete, erhielt Hamidi ihre erste grosse Pedalharfe vom Kollegen Andreas Vollenweider geschenkt. Mit Atropa Belladonna habe Hamidi eine der ersten schweizerischen Frauenbands gegründet.»
http://diepresse.com/home/kultur/popco/1326137/Musikerin-Asita-Hamidi-51jaehrig-gestorben
Erste breitere Aufmerksamkeit als Musikerin erfuhr Asita Hamidi, damals noch vor allem als Gitarristin, als Mitglied von Baschis Scharotl.
https://www.ch-cultura.ch/musik-und-tanz/alfred-baschi-bangerter-ist-gestorben
Asita Hamidi: zwischen Orient und Okzident
Radio DRS 2, Freitag, 25. Mai 2012, 21:00 Uhr
Asita Hamidi war eine Weltmusikerin im besten Sinne des Wortes. Ihre Musik nannte sie eine «Spurensuche in eigener Sache». Eine Suche, die sie Anfang 2012 mit ihrem Projekt «Garden of Silence» auch an ein Festival in Teheran geführt hat.
Asita Hamidis Instrumente waren die Stimme, die Harfe und die chinesische Zitter Gu-Cheng.
Audio «Asita Hamidi: zwischen Orient und Okzident» in externem Player öffnen.
http://www.srf.ch/sendungen/musik-der-welt/asita-hamidi-zwischen-orient-und-okzident
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Mehr:
http://www.myspace.com/asitahamidisbazaar
Video:
Asita Hamidis Bazaar – EPK
http://www.youtube.com/watch?v=esc9coEqEzk
Nachtrag vom 22.12.12:
Thomas Burkhalter auf nzz.ch:
Zum Tod der Harfenistin Asita Hamidi
Poesie mit Zwischentönen
«Die Berner Harfenistin Asita Hamidi ist am 17. Dezember 2012 im Alter von 51 Jahren einer schweren Krankheit erlegen. Die Schweizer Musikszene verliert mit ihr eine offene und produktive Musikerin.»
http://www.nzz.ch/aktuell/feuilleton/buehne_konzert/poesie-mit-zwischentoenen-1.17905019
Kommentare von Daniel Leutenegger