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14. November 2010

Das Medienhaus der Alpen – eine Gratwanderung zwischen Chance, Mehrwert und Skepsis

Über 100 Teilnehmerinnen aus dem Alpenraum haben am Freitag und Samstag im Grossratsgebäude in Chur über die Wünschbarkeit eines Medienhauses der Alpen diskutiert. Das Ziel sei hochgesteckt, nun müsse man dafür sorgen, dass diese Vision von genügend Realität untermauert werde, lautet das Fazit. Der nächste Schritt ist nun, eine Arbeitsgruppe einzusetzen, welche sich konkret mit dem Aufbau eines Projektmanagements befasst.

Das Medienhaus der Alpen – eine Gratwanderung zwischen  Chance, Mehrwert und Skepsis

Bild: Werner Baetzing, Claudio Lardi und Mariano Tschuor (von links) posieren anlässlich der Tagung Las Alps Infoteca im Grossratsgebäude in Chur am Freitag, 12. November 2010.  Foto: zVg

Aus Klagenfurt, Gröden, Bregenz, dem Veltlin, Piemont, Lyon aber auch aus der ganzen Schweiz und zahlreichen anderen Orten der Alpen stammten die Teilnehmer und Teilnehmerinnen der Tagung Las-Alps-infoteca in Chur.  Sie vertraten grosse Medienhäuser wie das ZDF, ORF, den Bayerischen Rundfunk, RAI, Euronews, die Südostschweiz Medien, es waren Leute der CIPRA da, des schweizerischen oder italienischen Alpenclubs, des Gemeindenetzwerks in den Alpen, anwesend waren Beamte aus Graubünden, Südtirol, Vorarlberg oder der schweizerischen Eidgenossenschaft und auch Vertreter von kulturellen Organisationen und Hochschulen verschiedener Alpenländer. Kurz: In Chur versammelten sich auf Einladung von Radiotelevisiun Svizra Rumantscha RTR Leute, welche die Möglichkeiten eines Medienhauses für die Alpen diskutieren und prüfen wollten.

Alpen brauchen gemeinsames Sprachrohr

Der Erlanger Universitäts-Professor Werner Bätzing sieht für Las-Alps-infoteca eine wichtige Aufgabe «der Vermittlung eines realitätsnahen Alpenbildes für eine breite europäische Öffentlichkeit bis hin zur politischen Ebene, weil in Europa zentrale Entscheidungen für die Alpen gefällt werden», vor. Ein solches Medienhaus stelle eine klare «Stärkung der spezifischen Interessen des Alpenraums» dar, was auch in verschiedenen Voten aus dem Plenum mehrmals hervorgehoben wurde.

Für Bätzing ist es eine «Stärkung der Einheit in der Vielfalt» und die Schaffung eines solchen Netzwerks könne «eine systematische Verknüpfung der Diskussion der Alpen über die Staats-, Sprach- und Mentalitätsgrenzen hinaus fördern.»

Werner Bätzing stellte sich auch die  Frage, ob Chur als Alpenstadt in einem Nicht-EU-Land ein geeigneter Standort wäre. Der Hauptreferent vom Freitag kam dabei zum Schluss, dass die positiven Aspekte wie die der traditionellen Mehrsprachigkeit der Schweiz überwiegen würden, auch wenn die negativen Aspekte der politischen Abseitsposition in Alpenfragen eine grosse Herausforderung darstellen.

Austausch bereichert

Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf möchte wissen, was sich hinter dem nächsten Berggipfel befindet. Für die Bündnerin bedeutet der Kontakt über Täler und Grenzen hinaus mehr als nur neugierig sein. Dieser Austausch bereichere das Leben von uns allen.

Um diese grenzüberschreitende Erfahrung im inneralpinen Raum zu ermöglichen, stelle die Informationsplattform «Las-Alps-infoteca» ein spannendes Projekt dar, welches sie mit Interesse verfolgen werde. 

Ähnlich argumentierte auch der Bündner Regierungspräsident Claudio Lardi, der in «Las-Alps-infoteca» einen «willkommenen und wichtigen Wegweiser für das Sammeln, Filtern, Bearbeiten und Vermitteln von Informationen aus den Alpen» sieht. 

Für die CIPRA international und deren Präsident Dominik Siegrist ist «Las-Alps-infoteca» eine «grosse Chance für die alpenweite Zusammenarbeit», für die man sich «partnerschaftlich zur Verfügung stellen» wolle.

In ähnlicher Weise äusserten sich auch Regula Imhof, die Vizegeneralsekretärin der Alpenkonvention und Hans Lozza, Kommunikationsleiter des Schweizerischen Nationalparks. Beide sprachen von einem Mehrwert, einem gemeinsamen Sprachrohr und einem Instrument zur Stärkung der alpenländischen Identität.

Lozza verglich die Geburtswehen der Infoteca auch mit jenen des Nationalparks, es brauche überall Pioniere, die eine gewisse Standhaftigkeit besitzen.

Andrea Masüger, CEO der Südostschweiz Medien wollte die Visionsfreude nicht schmälern, doch fragte er sich, ob diese von genügend Realität untermauert wäre oder ob nicht ein «Medienhaus» geplant würde, in dem schliesslich niemand wohnen wolle.

Mehr Hoffnung erweckte schliesslich Michael Peters, CEO von Euronews. Sein Medienunternehmen wäre für eine Zusammenarbeit durchaus zu gewinnen, – ein Betrieb, der schon heute mit Leuten aus über 40 Nationalitäten arbeitet.

Marco Solari machte den Initianten mit seiner Aussage Mut, dass die Utopien von heute die Realitäten von morgen wären. Leider würden solche Initiativen aber oft erdrückt, bevor sie sich richtig entwickeln können; «sie werden als Störung des Gleichgewichts» empfunden, meinte Solari auch in Anspielung auf sein Projekt einer Landesausstellung in den Gotthard-Kantonen.

Zufriedene Initianten

Alt-Nationalrat und Präsident der SRG.R Duri Bezzola und RTR-Direktor Mariano Tschuor zeigten sich beide zufrieden mit der Tagung. Die Idee von «Las-Alps-infoteca», den gemeinsamen Lebens- und Arbeitsraum mit der Technologie zu vernetzen und die erste Adresse für die Vermittlung von journalistischen Inhalten über die Alpen zu werden, sei eine grosse, aber spannende Herausforderung. Das Ziel sei hochgesteckt, wagemutig, aber man wolle es mit Überzeugung und Ausdauer weiterverfolgen.

Tagungsberichterstatter Andreas Weissen stellte fest, dass der Wille vorhanden ist, etwas zu bewegen. Ihm sei aufgefallen, dass man die Faszination von Las-Alps-infoteca unter die Leute bringen wolle. Aber es brauche Mut, Zeit und Menschen, die daran glauben. Geld sei auch wichtig, und wie in den Arbeitsgruppen festgestellt wurde, werde dieses kommen, wenn der Nutzen sichtbar wird. Daher brauche es Ausdauer und gerade in dieser Phase der Grundsatzdiskussion müsse man auch in verschiedener Hinsicht flexibel bleiben, so auch in der Frage des Standorts.

lai 

 

Kontakt:

Radio e Televisiun Rumantscha RTR
Las-Alps-infoteca
Ruedi Bruderer, manader da project
Via da Masans 2
CH-7002 Cuira

Tel.: 0041 (0)81 255 75 75
Mobile: 0041 (0) 79 254 47 26
Mail: infoteca@LasAlps.org

Internet: http://www.lasalps.org

 

 

 

 

 

 

  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 14. November 2010
  • Politik und Gesellschaft

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