19. Mai 2025
BERNER MEDIENPREISE 2025 FÜR THIS WACHTER/SIMON MEYER, CHRISTOF SCHNEIDER, LUCAS THORENS UND ANINA RITSCHER
Die Berner Stiftung für Radio und Fernsehen vergibt zum 32. Mal ihre Medienpreise. Preisträger:innen 2025 sind This Wachter/Simon Meyer (Audiobande), Christof Schneider (SRF Fernsehen), Lucas Thorens (RTS Radio) und Anina Ritscher (Reflekt). Die Preise sind mit je 4’000 Franken dotiert. Die Preisverleihung findet am 11. Juni 2025 im SRF-Studio in Bern statt.

Preise für Audio- und Video-Beiträge gehen an «qualitativ hervorragende Produktionen, die Inhalte oder Themen aus den Kantonen Bern, Freiburg oder Wallis betreffen», wie die Berner Stiftung für Radio und Fernsehen schreibt. Der Prix Passerelle zeichnet eine Sendung oder einen Beitrag aus, der «zum besseren Verständnis zwischen der Deutschschweiz und der Romandie beiträgt». Insgesamt sind 46 Beiträge zur Beurteilung eingegangen, 10 davon in französischer Sprache. Die Preise sind mit je 4’000 Franken dotiert. Die Preisverleihung findet am 11. Juni 2025 im SRF-Studio in Bern statt.
Die Preisgewinnerinnen und Preisgewinner und ihre prämierten Eingaben:
Preis Audio an This Wachter und Simon Meyer für ihre Podcast-Serie «8424 – Züri West»
In einer sechsteiligen Audio-Dokumentation porträtieren der Journalist This Wachter und der Sounddesigner Simon Meyer die 40-jährige Geschichte der berühmten Berner Mundart-Rockband Züri West. Die Podcast-Serie folgt chronologisch dem Werdegang der 1984 gegründeten Formation. Im Mittelpunkt stehen die beiden Gründungsmitglieder Kuno Lauener und Küse Fehlmann, ergänzt durch Interviews mit ehemaligen Bandmitgliedern und Managern.
Die Erzählung wird mit Songs, Konzertaufnahmen und unveröffentlichtem Archivmaterial angereichert. Das Ergebnis ist ein Werk, das weit über Züri West hinausgeht und einen einzigartigen Einblick in die Stadtberner Kultur und Subkultur der vergangenen vierzig Jahre gewährt. Diese Podcast-Serie zeigt exemplarisch, dass sich anspruchsvolle Audio-Produktionen in den aktuellen Schweizer Medienstrukturen kaum finanzieren lassen – oft kommen sie nur dank kreativer Lösungen zustande.
Preis Video an Christof Schneider für seinen «Kassensturz»-Beitrag zur Berner Spesenaffäre
Die Sache mit der Banane sorgte schweizweit für Schlagzeilen und Stirnrunzeln. Grund dafür war eine eingehende und beharrliche Recherche von Christof Schneider. Der «Kassensturz»-Redaktor enthüllte, dass Berner Regierungsräte selbst kleinste Beträge als Spesen abrechneten. Nach neunmonatigem Kampf um Transparenz und einer 15-seitigen Beschwerde erhielt der Journalist Einsicht in 300 Seiten Belege. Diese dokumentierten Abrechnungen für eine einzelne Banane, ein Znüni-Sandwich, Parktickets sowie zahlreiche Apéros und Essen, besonders durch männliche Regierungsmitglieder.
Die Regierung verweigerte Interviews und bezeichnete alles als «üblich und gerechtfertigt». Die Enthüllung sorgte für internationales Medienecho, führte zu weiteren Recherchen und zwang die Kantonsregierung letztlich zur Anpassung ihres Spesenreglements: Kleinstbeträge dürfen nicht mehr abgerechnet werden.
Preis Multimedia an Anina Ritscher und Team Reflekt für «Kein Freund und Helfer»
Mit einer aufwändigen und umfassenden Recherche brachte das Investigativ-Team von Reflekt um Anina Ritscher gravierende Mängel bei der Anzeigenerstattung gegen Hasskommentare im Internet zu Tage. Zahlreiche Testpersonen versuchten schweizweit, identische strafbare Hasskommentare im Internet anzuzeigen. In mehr als der Hälfte der Fälle verweigerten die Polizeistellen die Anzeigenaufnahme mit falschen Begründungen – obwohl es sich um Offizialdelikte handelt, bei denen Behörden tätig werden müssen.
Im Kanton Bern zeigten sich die Extreme: Während ein Polizist in Köniz den Spiess umdrehte und die Anzeigenstellerin anzeigte, rapportierten die Ordnungshüter in Langenthal direkt an die Staatsanwaltschaft. Die Ergebnisse wurden mit Experteneinschätzungen untermauert und in einem Video mit Influencerin Gülsha Adilji auf Social Media veröffentlicht, um auch ein jüngeres Publikum zu erreichen, das in der Regel weniger vertraut ist mit traditionellen journalistischen Formaten.
Prix Passerelle an Lucas Thorens und Team Radio RTS für «Dis, pourquoi?»
Die Sendung «Dis, pourquoi?» von RTS La Première widmet sich in aller Bescheidenheit den grossen Fragen des Lebens, wie sie von sich selber behauptet. So stand im Oktober 2024 während einer Woche der Kanton Bern mit seinen kulturellen und sprachlichen Besonderheiten im Zentrum der Sendung von Moderator Lucas Thorens. Dabei ging es um Klischees, wie die vermeintliche Langsamkeit der Bernerinnen und Berner. Mit harten Fakten, kombiniert mit einer dem Westschweizer Radio eigenen Fabulierkunst, spürt die Sendung solchen Vorurteilen nach. «Dis, pourquoi?» zeigt zudem auf unterhaltsame Weise, wie der Tourismus und die Uhrenindustrie die Entwicklung des Kantons geprägt haben.
cp
Alle ausgezeichneten Sendungen sind auf der Webseite der Stiftung nachzusehen und nachzuhören:
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Kommentare von Daniel Leutenegger