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13. Oktober 2026

AUSZEICHNUNGEN 2026 DER STADT BERN FÜR LITERATUR UND KUNST

Jessica Jurassica, Noemi Somalvico, Stef Stauffer und Saskia Winkelmann erhalten das Stipendium Weiterschreiben. Der Welti-Preis für das Drama geht an Kim de l'Horizon. Für die städtische Kunstsammlung werden Werke von Brigitte Lustenberger, Alizé Rose-May und Clemens Wild angekauft. Alle Ausgezeichneten wurden im Rahmen einer öffentlichen Ausschreibung nominiert. In der Bildenden Kunst wurde dieses Verfahren erstmals angewendet. Die öffentliche Verleihung der städtischen Auszeichnungen für Literatur und Kunst findet am Mittwoch, 18. November 2026, im Sous Soul statt.

Kim de l'Horizon (Bild: Valerie Reding)

Bild: Kim de l’Horizon erhält den letztmals vergebenen Welti-Preis für das Drama – Foto: © Valerie Reding

Die Stadt Bern vergibt 2026 folgende Auszeichnungen in den Bereichen Literatur und Kunst:

Fünf literarische Auszeichnungen

Jessica Jurassica, (*1993), ist Musikerin, Künstlerin, Autorin und Bloggerin. Ihr Debütroman «Das Ideal des Kaputten» erschien 2021 bei lectorbooks, 2025 folgte ihr zweiter Roman «Gaslicht». Auf «Jessica Jurassicas Lifestyle Blog» schreibt sie über gesellschaftspolitische Themen und Popkultur.

Jessica Jurassica 2 (Bild: Mia Nägeli)

Bild: Jessica Jurassica – Foto: © Mia Nägeli

Noemi Somalvico (1994) studierte Literarisches Schreiben und hat einen Master in Contemporary Arts Practice der Hochschule der Künste Bern HKB. Die Berner Autorin schreibt Prosa, Lyrik und Liedtexte und interessiert sich für die sprachlichen, sinnlichen und komischen Beschaffenheiten der Gegenwart. 2022 erschien bei Voland & Quist ihr Debütroman «Ist hier das Jenseits, fragt Schwein», 2024 folgte der ebenfalls mehrfach ausgezeichnete Erzählband «Das Herz wirft in der Brust keinen Schatten». Somalvico unterrichtet Literarisches Schreiben und gründete das Kollektiv RAUF Bern, einen feministischen Autor:innen-Stammtisch. Im kommenden Jahr erscheinen der Roman «Wir sind hinter einer Tanne» bei Voland & Quist und eine Sammlung «geschlafener Texte» bei etkbooks.

Noemi Somalvico (Bild: Tim Rod)

Bild: Noemi Somalvico – Foto: © Tim Rod

Stef Stauffer (*1965 in Bern) ist ausgebildete Pädagogin, arbeitete als Redaktorin für die «Tessiner Zeitung» und souffliert heute bei Bühnen Bern. Ihr aktuelles Buch «Gisch was hesch», eine fünfstimmig erzählte Gaunerkomödie, ist ihr neunter Roman, erschienen im Cosmos Verlag. Zuvor erschienen im Zytglogge Verlag die Mundartromane «Hingerhang», «Bluescht», «Chräiefüess» und «Affezang», welche in untypisch temporeichem Berndeutsch die Biografie einer Frau nachzeichnen.

Stef Stauffer (Bild: Manuel Castellote)

Bild: Stef Stauffer – Foto: © Manuel Castellote

Saskia Winkelmann (*1990) studierte Literarisches Schreiben in Biel und Bern sowie Sprachkunst an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Ihr Debütroman «Höhenangst» erschien 2023 im Verlag die Brotsuppe und wurde mit einem Literaturpreis des Kantons Bern ausgezeichnet. 2024 kreierte Saskia Winkelmann mit der Performerin Marie Popall das Stück «Hundsköpfige», das im Fabriktheater Zürich Premiere feierte. 2025 war sie Stipendiatin am Literarischen Colloquium Berlin. Sie lebt und arbeitet in Berlin und Bern.

Saskia Winkelmann (Bild: Elia Meier)

Bild: Saskia Winkelmann – Foto: © Elia Meier

Kim de l’Horizon, geboren 2666 auf Gethen, hat Germanistik im Elfenbeinturm, Literarisches Weinen in Biel und Hexerei bei Starhawk studiert. Mit dem Debut «Blutbuch», das in 17 Sprachen übersetzt wurde, gewann Kim de l’Horizon u.a. den Deutschen und den Schweizer Buchpreis. Kim de l’Horizons Theatertexte wurden an den Heidelberger Stückemarkt und das Berliner Theatertreffen eingeladen und gewannen u.a. beim Mülheimer Dramatikerpreis 2026 den Jury- wie auch den Publikumspreis. Kim de l’Horizon macht Rituale und performt, im Theater und Fine Arts Kontext. Für die Performance in «Blutstück» wurde Kim für den «Nestroy ORF Publikumspreis 2024» nominiert. Kim de l’Horizon wackelt gerne an den Bildern, die wir von Körpern haben, die wir von Menschen und Nichtmenschen haben, die wir von «Natürlichkeit» haben, die wir vom «Wir» haben. 

Jessica Jurassica, Noemi Somalvico, Stef Stauffer und Saskia Winkelmann erhalten das Stipendium Weiterschreiben; Kim de l’Horizon erhält den Welti-Preis für das Drama.

Drei Ankäufe für die städtische Kunstsammlung

Im Bereich Kunst hat die zuständige Jury darüber entschieden, welche Werke die städtische Kunstsammlung erwerben wird. Ausgewählt wurden die nachfolgenden Kunstschaffenden:

Brigitte Lustenberger (Bild: Corinne Futterlieb)

Bild: Brigitte Lustenberger – Foto: © Corinne Futterlieb

Brigitte Lustenberger studierte Sozial- und Fotogeschichte an der Universität Zürich und schloss 2006 einen Master in Fine Art Photography and Related Media an der Parsons School of Design in New York ab. Ihre Arbeiten werden national und international ausgestellt und mehrfach ausgezeichnet, darunter mit dem Merck-Preis der Darmstädter Tage der Fotografie (2018), dem Fotopreis des Kantons Bern (2002, 2013) und dem Jungck Künstlerinnenpreis (2025). Sie beschäftigt sich damit, wie Fotografien Erinnerungen bewahren und zugleich die Vergänglichkeit von Momenten sichtbar machen. Auch die Darstellung des weiblichen Körpers und die Frage, wie wir Menschen betrachten, spielen in ihren Werken eine wichtige Rolle. Lustenberger lebt und arbeitet in Bern.

Alizé Rose May (Bild: Karin Etienne Scheidegger)

Bild: Alizé Rose May – Foto: © Karin Etienne Scheidegger

Alizé Rose-May (*1990) erforscht Beziehungen, Konzepte von Kinship und Familie, Tradition, Verbundenheit, Kollektivität und fabulative Räume des Zusammenseins. Alizé Rose-May arbeitet mit dem Archiv als Material, Materialität und Methodologie, thematisiert queere Alltagsaspekte und rückt übersehene Geschichten in den Vordergrund, indem Alizé Rose-May sich queerer Semiotik und eines Vokabulars der Intimität bedient. Alizé Rose-May schloss 2017 den Master in Contemporary Arts Practice an der Hochschule der Künste Bern HKB ab und lebt und arbeitet seither in Bern.

Clemens Wild (Bild: Yacine Benseddik)

Bild: Clemens Wild – Foto: © Yacine Benseddik

Clemens Wild (*1964 in Bern) hält in seinen Zeichnungen und Malereien Beobachtungen aus dem Alltag und dem Weltgeschehen fest. Er arbeitet mit Bleistift, Tusche, Acryl und Collagen, oft auch auf Alltagsgegenständen wie Schranktüren oder Lampenschirmen. Besonders häufig porträtiert er Frauen aus Dienstleistungsberufen und macht ihre oft wenig beachtete Arbeit sichtbar. 2018 erhielt Wild den Euward-Kunstpreis für Malerei und Grafik, 2022 wurde er als erster Künstler mit besonderen Bedürfnissen in den Berufsverband Visarte aufgenommen. Seine Werke befinden sich unter anderem in der Kunstsammlung des Kantons Bern und in der Collection de l’Art Brut in Lausanne.

Eine öffentliche Feier

Die Stadt Bern würdigt die Literatur-Stipendien 2026 sowie die diesjährigen Ankäufe für ihre Kunstsammlung im Rahmen einer öffentlichen Feier. Der Anlass findet am Mittwoch, 18. November 2026, um 19.30 Uhr im Sous Soul im Beisein von Stadtpräsidentin Marieke Kruit statt. Die Veranstaltung wird simultan in Gebärdensprache übersetzt und ist barrierefrei zugänglich.

Quelle / Mehr / Kontakt:

https://www.bern.ch/mediencenter/medienmitteilungen/aktuell_ptk/literatur-und-kunst-die-stadt-bern-zeichnet-aus

Zu den Auszeichnungen, Nominationsverfahren und Jurys

Die jährlich vergebenen Weiterschreiben-Stipendien würdigen die Arbeit von Autor:innen und Literaturvermittelnden. Gleichzeitig ermöglichen sie den Ausgezeichneten, ihre literarische Tätigkeit weiterzuführen. Die Stipendien sind mit je 10’000 Franken dotiert. Ebenfalls 10’000 Franken erhält die mit dem Welti-Preis für Dramatik ausgezeichnete Person. Der Preis wird aus dem Welti-Fonds finanziert und so lange vergeben, bis dessen Mittel ausgeschöpft sind. 2026 wird der Welti-Preis zum letzten Mal verliehen. Die Nominationen für die Literaturauszeichnungen erfolgen im Rahmen einer öffentlichen Ausschreibung. 2026 haben 66 Personen 31 Autor:innen nominiert.

Erstmals kam ein öffentliches Ausschreibungsverfahren auch im Bereich der Bildenden Kunst zur Anwendung, wofür 138 Personen insgesamt 59 Künstler:innen nominiert haben. Für die Ankäufe in die Kunstsammlung der Stadt Bern, die wie auch die Literatur-Stipendien sowohl Auszeichnung als auch Förderung sind, stehen jährlich insgesamt 30’000 Franken zur Verfügung.

Voraussetzung für eine Nomination ist in beiden Sparten ein Bezug zur Stadt Bern und ein ausgewiesener Leistungsausweis – etwa durch Publikationen oder Ausstellungen. Die Stadt Bern muss Wohnort oder zentraler Wirkungsort sein oder eine zentrale Rolle im künstlerischen Werk spielen.

Aus den eingegangenen Nominierungen bestimmten zwei Jurys der spartenübergreifenden städtischen Kulturkommission die Preisträger:innen. Zur Jury für die Ankäufe 2026 gehörten Antonia Brix, Ernestyna Orlowska, Katrin Sperry, Basil Studer, Miriam Sturzenegger, Benjamin Sunarjo und Inka ter Haar. Zur Jury Weiterschreiben 2026 gehörten Jonas Junker, Meret Matter, Ernestyna Orlowska, Estelle Plüss, Katrin Sperry, Christof Steinmann und Céline Tapis.

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  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 13. Oktober 2026
  • Bildende Kunst, Fotografie, Grafik, Architektur, Design, Kulturförderung, Kulturvermittlung, Kultur- und Medienpolitik, Theater, Kabarett, Literatur

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