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25. Mai 2025

DIE SCHWEIZER LITERATURVERMITTLERIN RUTH BINDE IST GESTORBEN

Die am 7. März 1932 in Bern geborene Schweizer Literaturvermittlerin Ruth Binde (Bild) ist im Monat Mai 2025 in Zürich gestorben. Binde absolvierte eine Buchhändlerinnenlehre und wirkte in Zürich beim Aufbau des Diogenes Verlages mit. 1972 machte sie sich mit einer Presse- und PR-Agentur für kulturelle Mandate selbständig. 1985 rief sie das «Bernhard-Littéraire» ins Leben (Vorgänger des «Züri Littéraire»). 1998 erhielt Ruth Binde die Goldene Ehrenmedaille des Zürcher Regierungsrates für kulturelle Verdienste. 2017 erfolgte die Ehrung durch den Quartierverein Hottingen mit dem Goldenen Kleeblatt. 2018 erhielt sie den Stadttaler der Stadt Zürich. Ihre Autographensammlung befindet sich seit 2012 im Schweizerischen Literaturarchiv in Bern (*).

Bild: Ruth Binde - Foto: © Béatrice Christen, https://arttv.ch/startseite/suche/?search=ruth+binde

Bild: Ruth Binde – Foto: © Béatrice Christen, https://arttv.ch/startseite/suche/?search=ruth+binde

Ihr Einsatz für Bücher und Autoren hatte etwas Kämpferisches, Leidenschaftliches, und wer sich ihr entgegenstellte, hatte mir scharfzüngigen Repliken und virtuosen Statements zu rechnen.

Wer das Glück hatte, ihr persönlich zu begegnen, konnte sie als höchst lebendige, eine Fülle von Details und Anekdoten bereithaltende Erzählerin kennenlernen, von der man eigentlich gerne Memoiren gelesen hätte.

Charles Linsmayer, 24.05.2025

https://www.facebook.com/photo?fbid=10228485891160934&set=a.1073106596525

Umtriebig. Hartnäckig. Erfolgreich. So hat sich Ruth Binde als Presseagentin für die Literatur eingesetzt, fünfzig Jahre lang.

Den Beruf hat sie für die Schweiz wohl erfunden. Zuerst für den Diogenes-Verlag, dann als selbstständige Presseagentin hat sich Ruth Binde unermüdlich für die Literatur und die von ihr vertretenen AutorInnen eingesetzt. Für die tat sie fast alles, rannte den Feuilletonredaktionen die Türen ein, sprach das Lob der Schreibenden in jedes erreichbare Ohr.

Ihre öffentlich bekannteste Leistung allerdings ist der Bernhard-Littéraire. Zwanzig Jahre lang, von 1985 bis 2004, führte Ruth Binde diese Lese- und Gesprächsabende im Zürcher Bernhard-Theater durch. Sie besorgte die Programmierung, die Einladungen und die Werbung, der Autor Peter Zeindler führte die Gespräche mit den jeweils drei Gästen.

Stefan Howald, 20.03.2014

https://www.woz.ch/1412/ruth-binde/ein-lob-in-jedes-erreichbare-ohr

Wer Ruth Binde einmal begegnet ist, wird sie so schnell nicht wieder vergessen: Die kleine Frau mit den blitzenden Augen und dem sympathischen Lächeln – in Erinnerung habe ich, dass sie meist ein blaues adrettes Kostüm trug mit einem passendem Foulard, das weich und anschmiegsam fiel – war immer im Einsatz, für das Buch, das sie unbedingt unter die Leute bringen wollte. Und ein Buch zum Anpreisen hatte sie dabei, wo immer man ihr auch begegnete. Sie war jeweils gut zu hören, mit ihrem Dialekt, der zwar eine zürichdeutsche Färbung hatte, eindeutig aber nach Berndeutsch tönte, und sie konnte ausführlichst über ein Buch reden, so lange, bis sie wusste, dass eine Rezension geschrieben würde, und zwar eine, die den Absatz förderte.

Man gehörte gerne zum Kreis um Ruth Binde, nicht nur die Journalistinnen und Autoren, auch Politikerinnen und Verleger schätzten die Presseagentin, die von Leidenschaft für das Buch getrieben war. An den Binde-Festen wollten alle mit dabei sein, Roger Schawinski und Urs P. Gasche, Klara Obermüller, Adolf Muschg, Egon Ammann ebenso wie Magi und Josef Estermann oder Emilie Lieberherr. Und ohne sich ins Gästebuch eingetragen zu haben, ging niemand hinaus.

Liliane Studer, 01.11.2013

https://www.viceversaliteratur.ch/book/7756

«Ruth Binde – Ein Leben für die Literatur»

Als junges Mädchen träumte Ruth Binde, 1932 in Bern geboren, von einer Karriere als Schauspielerin. Es kam anders: Nach dem Abbruch des Gymnasiums, einem halben Jahr Bühnenstudio in Zürich und einem Zwischenjahr in London absolvierte die Tochter des Politikers und Publizisten Fritz Schwarz eine Buchhändlerinnenlehre. Im Sommer 1957 meldete sie sich auf das Inserat eines winzigen Zürcher Verlags, der eine «gute Sekretärin» suchte, bekam die Stelle und unterstützte den Verleger Daniel Keel während fünfzehn Jahren beim Aufbau seines Diogenes Verlags. Die ersten drei Jahre war sie die einzige Mitarbeiterin und als solche «Mädchen für alles». 1972 machte sich die alleinerziehende Mutter eines elfjährigen Sohnes mit einer Presse- und PR-Agentur für kulturelle Mandate selbständig, damals ein Novum, und sie setzte sich während Jahrzehnten beharrlich und unbeirrt für Bücher und Kulturereignisse ein. Sie rückte Siegfried Lenz und Luise Rinser ebenso ins rechte Licht wie den Kabarettisten Emil Steinberger oder die Inszenierung von Paul Burkhards «Die kleine Niederdorfoper» mit Ruedi Walter. 1985 rief sie das legendäre Bernhard-Littéraire ins Leben, eine Gesprächsreihe mit Autorinnen und Autoren, die noch heute unter dem Namen Züri Littéraire weitergeführt wird.

Buchpräsentation Wörterseh Verlag, 2013
Alexander Sury
«Ruth Binde – Ein Leben für die Literatur»

ISBN: 978-3-03763-031-0

Eine Kämpferin aus Leidenschaft

Nein, ihr Talent hat sie nicht wie im biblischen Gleichnis vergraben, vielmehr es so gut verwaltet, dass es sich wunderbar vermehrte. Man kennt sie, die Presseagentin Ruth Binde, die ihre Auftraggeber mit Verve und Hartnäckigkeit gegenüber den Medien vertreten und sich dafür eingesetzt hat, dass deren Produktionen so oft, so ausführlich und so positiv wie möglich vorgestellt wurden. Die Grundmaximen ihrer erfolgreichen Aktivität lauten: gezielt anbieten, informiert sein, exakt arbeiten und Einfühlungsvermögen zeigen.

Beatrice Eichmann-Leutenegger, 06.11.2013

https://www.nzz.ch/kaempferin-aus-leidenschaft-ld.834615

Audios / Videos:

Radio SRF2 Kultutur, «Musik für einen Gast», 18.03.2012

https://www.srf.ch/audio/musik-fuer-einen-gast/ruth-binde-kulturvermittlerin?id=5b7bcbda-bc0c-44fe-afe3-920869dfc58b

Radio SRF 1, «Persönlich», 13.04.2014

Gastgeber Christian Zeugin begrüsst Ruth Binde, die ihr Leben als Kulturvermitterlin ganz der Literatur gewidmet hat und Marcus Signer, der als Goalie in der Verfilmung des Mundartromans «Der Goalie bin ig» einen Riesenerfolg gelandet hat.

https://www.srf.ch/audio/persoenlich/persoenlich-aus-bern?id=b94bd119-7f98-42fb-9159-8a58458396fb

arttv.ch: Kulturagentin Ruth Binde, 02.03.2012

https://arttv.ch/literatur/kulturagentin-ruth-binde/

arttv.ch: Züri Littéraire | Biografien: Ruth Binde und Eveline Hasler, 06.11.2013

https://arttv.ch/literatur/zueri-litteraire-biografien-ruth-binde-und-eveline-hasler/

Mehr:

https://www.helveticarchives.ch/detail.aspx?id=537347

https://portal.dnb.de/opac.htm?method=simpleSearch&query=116183098

https://www.derbund.ch/fuer-sie-hat-eben-alles-einen-sinn-522173433737

https://www.nzz.ch/kaempferin-aus-leidenschaft-ld.834615

https://arttv.ch/startseite/suche/?search=ruth+binde

https://www.tagesanzeiger.ch/ich-habe-dann-auf-lsd-verzichtet-441517069675

https://www.finebooks.ch/media/dateien/FineBook5_RuthBinde.pdf

https://www.yumpu.com/de/document/view/8013545/archiv-ruth-binde-vii-298

(*) https://de.wikipedia.org/wiki/Ruth_Binde

Auf ch-cultura.ch u.a. erschienen:

Ruth Binde und der Diogenes-Verlag
Neu online: Inventare Peter Lotar und Ruth Binde
Autographensammlung Ruth Binde im Schweizerischen Literaturarchiv
Ein Geburtstagsgruss: «Für sie hat eben ‹alles einen Sinn’»

Nachtrag vom 26.05.2025:

Diese Literatur-«Kupplerin» erfand den Beruf der Presseagentin

Beharrlich und keck setzte sich Ruth Binde während Jahrzehnten für Bücher und Kulturereignisse ein. Jetzt ist sie im Alter von 93 Jahren gestorben.

Alexander Sury

https://www.derbund.ch/ruth-binde-berner-presseagentin-ist-gestorben-871290239742

#RuthBinde #CHcultura @CHculturaCH ∆cultura cultura+

  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 25. Mai 2025
  • Kulturförderung, Kulturvermittlung, Kultur- und Medienpolitik, Theater, Kabarett, Literatur

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