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31. August 2009

Ein Buchverlag für die Rumantschia

Das rätoromanische Literaturschaffen wird künftig wieder professionell betreut - durch die Chasa Editura Rumantscha, ein Gemeinschaftsprojekt von Pro Helvetia, Kanton Graubünden und Lia Rumantscha. Die Gründung erfolgte dieser Tage.

In Zusammenarbeit mit der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia und dem Kanton Graubünden ist dieser Tage unter der Federführung der Lia Rumantscha die Chasa Editura Rumantscha GmbH gegründet worden. Sowohl Pro Helvetia, der Kanton Graubünden als auch die Lia Rumantscha unterstützen dieses Projekt während seiner dreijährigen Aufbauphase mit einem Betrag von je CHF 60’000.- pro Jahr. Die GmbH ist strukturell autonom, damit die inhaltlichen Entscheide unabhängig von Sprach- und Kulturpolitik gefällt werden können.

Der neue Verlag bezweckt die Förderung rätoromanischer Literatur durch die Bereitstellung von professionellen Verlagsdienstleistungen und die Produktion von Belletristik, Sachbüchern und verwandten Medienprodukten wie z.B. Hörbüchern. Er wird den Anschluss an die allgemeinen Vetriebsstrukturen des Buchgewerbes gewährleisten. Die Chasa Editura Rumantscha wird – je nach eingereichten Manuskripten – Publikationen in den Schriftidiomen und in Rumantsch Grischun verlegen. Vorgesehen ist die Herausgabe von qualitativ hochstehenden Titeln, in Form von literarischen Neuerscheinungen, Anthologien und Neuauflagen von nicht mehr greifbaren Klassikern.

Geschäftsführung und Fachbeirat

Die Struktur des neuen Verlages ist schlank. Im Wesentlichen besteht sie aus einer Geschäftsführerin/einem Geschäftsführer. Die 60%-Stelle wird in den nächsten Tagen ausgeschrieben. Die thematische Ausrichtung der Chasa Editura Rumantscha obliegt einem fünfköpfigen Fachbeirat, der sich zu zwei bis drei Sitzungen pro Jahr trifft. Ihre Mitarbeit in diesem Fachbeirat haben zugesagt:

Roman Caviezel, Renata Coray, Esther Krättli, Clà Riatsch und Anita Simeon.

Die Chasa Editura Rumantscha (CER) setzt sich die systematische Suche und Betreuung neuer Talente zum Ziel. Sie vermittelt Lektorate, vernetzt die Verlagstätigkeit mit inner- und ausserkantonalen Institutionen, Verbänden und Anlässen und gewährleistet ihren Partnern (Autoren, Übersetzer, Herausgeber) professionelle und branchenübliche Produktions-, Vertriebs- und Promotionsbedingungen.

Eine Tagung mit Folgen

Im März 2007 lud Pro Helvetia in Chur zu einer Tagung zum Thema «Literarische Produktion unter den Bedingungen der Kleinsprache» ein. Zwei Beobachtungen hatten die Kulturstiftung dazu motiviert. Zum einen waren die Gesuche romanischer Autoren für Werkbeiträge kontinuierlich zurückgegangen. Und zum andern kamen die meisten Gesuche für Druckkosten-Zuschüsse nicht mehr von professionellen Verlagen. Das Verlegen romanischer Literatur war weitgehend zur Nebenbeschäftigung einiger regional engagierter Idealisten geworden. Das Manko an verlegerischem Know-how war offensichtlich. Zum Teil erschienen Titel ohne professionelles Lektorat, ohne ISBN-Nummer und ohne Erfassung im Verzeichnis lieferbarer Bücher. 

An der gut besuchten Churer Tagung brachte Clà Riatsch, Professor für Rätoromanische Sprach- und Literaturwissenschaft an der Universität Zürich, das Problem auf den Punkt: «Literatur braucht ein Talent, einen Bleistift und ein Blatt Papier. Literatur braucht aber auch Anregung, Förderung, Evaluation, Lektorat, Präsentation, Wettbewerbe, Preise, Diskussionen, Kritik.»

Lia Rumantscha, Kanton Graubünden und Pro Helvetia gaben anschliessend eine Konzeptstudie in Auftrag. Nach Gesprächen mit 24 Vertreterinnen und Vertretern aus der ganzen interessierten Szene konstatierte der Autor Thomas Schlachter ein «Malaise Buchproduktion»: «Das beginnt beim Lektorat und endet bei Umschlaggestaltung, Herstellung und Typografie.» Er stellte drei Verlagsmodelle zur Diskussion. Eines davon entspricht in den wesentlichen Punkten dem jetzt gegründeten Verlag.

ph

Kontakt:

Pro Helvetia:

Sabina Schwarzenbach, Leiterin Kommunikation

Tel.: +41 44 267 71 39, Fax: +41 44 267 71 06, E-Mail: sschwarzenbach@prohelvetia.ch

Kanton Graubünden:

Ivo Berther, Beauftragter Sprachenförderung

Tel.: +41 81 254 16 01, Fax: +41 81 254 16 84, E-Mail: ivo.berther@afk.gr.ch

Lia Rumantscha:

Andreas Gabriel, Leiter Kommunikation / Medien

Tel.: +41 81 258 32 22, Mob.: +41 79 650 83 89, E-Mail: andreas.gabriel@rumantsch.ch

  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 31. August 2009
  • Theater, Kabarett, Literatur

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