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6. Dezember 2017

«SCHÄTZE HEBEN» 2017 – LITERARISCHE HERAUSGEBERFÖRDERUNG: 40’000 FRANKEN FÜR TEXTE VON HANS MORGENTHALER UND AGLAJA VETERANYI

Die Literaturförderung des Migros-Kulturprozent vergibt im Rahmen ihrer 2015 lancierten Herausgeberförderung «Schätze heben» bereits zum dritten Mal Beiträge in der Höhe von 40'000 Franken. 20'000 Franken kommen einerseits der Originalfassung des historischen Romans «Gadscha Puti» von Hans Morgenthaler (1890-1928) zugute - eines einzigartigen literarischen Zeugnisses der kolonialen Verstrickungen der Schweiz. Andererseits soll mit 20'000 Franken der umfassende literarische Nachlass der 2002 verstorbenen Schauspielerin, Artistin und Schriftstellerin Aglaja Veteranyi zugänglich gemacht werden.

Bild: Hans Morgenthaler – Foto: Nachlass Hans Morgenthaler, Schweizerisches Literaturarchiv SLA Bern, https://www.helveticarchives.ch/detail.aspx?ID=165109

Mit je 20’000 Franken werden unterstützt:

Lucas Marco Gisi (Bern) für die Herausgabe der Originalfassung des Textes «Gadscha Puti» des Berner Schriftstellers Hans Morgenthaler (Erscheinungsdatum noch nicht bekannt):

Zweieinhalb Jahre verbrachte der Berner Schriftsteller Hans Morgenthaler (1890-1928) im Auftrag einer Bergbaufirma als Geologe in Südostasien. Diese «Tropenerfahrung» hat er in verschiedenen Texten verarbeitet, so auch in seinem grossen Kolonialroman «Gadscha Puti». Obwohl er seit 1922 intensiv an dem Roman gearbeitet hatte, konnte dieser erst 1929 posthum in einer durch einen Herausgeber stark veränderten Fassung erscheinen. Durch das von «Schätze heben» geförderte Projekt kann der Roman endlich in der Originalfassung des Autors veröffentlicht werden. Morgenthalers Schilderung bildet ein einzigartiges literarisches Zeugnis der kolonialen Verstrickungen einer Schweiz ohne Kolonien, deren Aufarbeitung bis heute aktuell geblieben ist.

Lucas Marco Gisi (1975) ist Literaturwissenschaftler; er leitet seit 2009 das Robert Walser-Archiv in Bern und ist als Lehrbeauftragter an den Universitäten Basel und Neuenburg tätig. Er hat ein «Robert Walser-Handbuch» (Metzler Verlag, 2015) herausgegeben und zahlreiche Beiträge zur Literatur der Moderne publiziert.

Die Herausgebergruppe Jens Nielsen (Zürich), Daniel Rothenbühler (Lausanne) und Ursina Greuel (Basel) für die Bearbeitung und Herausgabe des literarischen Nachlasses der rumänischstämmigen, 2002 verstorbenen Schauspielerin, Artistin und Schriftstellerin Aglaja Veteranyi:

Im Hinblick auf ein Theaterprojekt haben Ursina Greuel und Jens Nielsen bereits 2014 begonnen, die nachgelassenen Texte zu sichten, die Letzterem als rechtmässigem Erben in digitaler Form zur Verfügung standen. Angesichts der Fülle noch unveröffentlichter Schriften hat sich aus dieser Sichtung ein Herausgeberprojekt ergeben. In Zusammenarbeit mit Jens Nielsen haben Daniel Rothenbühler und Ursina Greuel 2017 damit begonnen, neben den digital erfassten auch die auf Papier hinterlassenen Schriften zu sichten.

Aglaja Veteranyi war eine impulsive Schreiberin, die fortlaufend schrieb, hauptsächlich im Hinblick auf ihre Auftritte als Schauspielerin, allein oder im Team.

Jens Nielsen (1966) studierte Schauspiel in Zürich und gründete mit Aglaja Veteranyi die Theatergruppe «Die Engelmaschine». Verschiedene Theater und Performance-Arbeiten entstanden zwischen 1996 und 2001. Jens Nielsen schreibt Theaterstücke, Hörspiele und eigene Bühnenprogramme. Im Februar 2018 erscheint sein neues Buch «Ich und mein Plural. Bekenntnisse» beim Verlag «Der gesunde Menschenversand» in Luzern. Er lebt in Zürich und Berlin.

Daniel Rothenbühler (1951) ist Literaturwissenschaftler und in der Literaturvermittlung und -förderung der deutsch- und französischsprachigen Schweiz aktiv. Er ist unter anderem Dozent am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel und Mitherausgeber der Reihe «edition spoken script».

Ursina Greuel (1971) studierte Theaterwissenschaft und Hispanistik an der Humboldt-Universität in Berlin und absolvierte in Zürich die Schauspielakademie. Nach einem Anfängerengagement als Regieassistentin und später als Regisseurin am Thalia Theater Hamburg entschied sie sich für das Arbeiten in der freien Szene. Seither zeichnen die enge Zusammenarbeit mit Autorinnen und Autoren sowie eine musikalische Herangehensweise an literarisches Material ihre Theaterarbeit aus. Sie ist Mitherausgeberin der Reihe «edition spoken script».

Zur Literaturförderung des Migros-Kulturprozent

Die 2015 neu konzipierte Literaturförderung des Migros-Kulturprozent umfasst vier Projekte, die das aktuelle literarische Schaffen der viersprachigen Schweiz auf zeitgemässe Weise fördern sollen:

– «double – die Literaturplattform des Migros-Kulturprozent»: Die dreisprachige Web-Plattform beinhaltet ein in der Schweiz einzigartiges Mentoratssystem zur Zusammenarbeit zwischen renommierten Autorinnen und Autoren und jüngeren Schreibenden für alle Textgattungen.

– Die Herausgeberförderung «Schätze heben» unterstützt die Veröffentlichung wertvoller Textsammlungen, Korrespondenzen, Nachlässe usw. im Neudruck oder im Reprint.

– Das Projekt «Literaturzeitschriften fördern» fördert die Entstehung und den Fortbestand von Schweizer Literaturzeitschriften.

– «Lyrik und Spoken!» unterstützt das Zustandekommen von       Lyrikveranstaltungen und die Herausgabe von Lyrikbänden oder Lyrikprojekten.

 

Das Migros-Kulturprozent ist ein freiwilliges, in den Statuten verankertes Engagement der Migros für Kultur, Gesellschaft, Bildung, Freizeit und Wirtschaft.

mkp

Kontakt:

www.migros-kulturprozent.ch

 

 

  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 6. Dezember 2017
  • Theater, Kabarett, Literatur

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