15. Februar 2021
ZUM TOD DES SCHWEIZER SOZIOLOGEN, SCHRIFTSTELLERS UND KÜNSTLERS URS JAEGGI
Der am 23. Juni 1931 in Solothurn geborene Schweizer Soziologe, Schriftsteller und bildende Künstler Urs Jaeggi (Bild) ist am 13. Februar 2021 in Berlin gestorben. Urs Jaeggi lebte in Berlin und Mexiko-Stadt. 1964 erhielt Jaeggi den Literaturpreis der Stadt Berlin und 1978 jenen des Kantons Bern. 1981 wurde er mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet und 1988 mit dem Kunstpreis des Kantons Solothurn.

Foto: Haemmerli, https://commons.wikimedia.org/wiki/User:Haemmerli, 2011 – Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en – Datei: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Urs_Jaeggi_Mexico_D.F..jpg
Radikal souverän, radikal offen
Aus Fundstücken machte er Kunst, aus Kunst ein allumfassendes Lebenskonzept: Urs Jaeggi verfolgte drei Karrieren.
Nicola Kuhn
Zu seinem 85. Geburtstag hatte Jaeggi, der auch als Künstler und Schriftsteller bekannt wurde, der Deutschen Presse-Agentur gesagt: «Manchmal war es ein etwas krummer Weg, aber ich habe mir alle meine Wunschträume erfüllt«. Und weiter: »Mir war es wurscht, wenn die Leute gesagt haben: Muss er denn das jetzt auch noch machen?»
Gesellschaftskritik und Macht: Der Soziologe, Autor und Künstler Urs Jaeggi ist tot
Mit seinem Buch «Macht und Herrschaft in der BRD» galt er als einer der wichtigsten Ideengeber der Studentenbewegung der 1960er-Jahre. Mit seinem Werk habe er die 68-er Generation entscheidend mit beeinflusst, so der Hamburger Soziologe Sighard Neckel gegenüber SWR2.
Er forschte über «Macht und Herrschaft in der Bundesrepublik», beschrieb die Studentenbewegung im Roman «Brandeis» und schuf Installationen
Der Berliner Wissenschaftler und Universalkünstler Urs Jaeggi ist tot
Zu Beginn der 1980er-Jahre war das akademische Leben an der Berliner Freien Universität (FU) in vielfacher Hinsicht von theoretischen Lockerungsübungen geprägt. In den Literatur- und Sozialwissenschaften kursierten – sehr zum Ärger gestandener Professoren – fröhlich poststrukturalistische Theoreme, und in Seminaren prallten die Ideen der sogenannten Neuen Philosophen ganz unmittelbar auf die Vertreter einer gediegen-marxistischen Theoriebildung.
Einer, der diese Spannung sehr früh fruchtbar zu machen verstand, war der Schweizer Soziologe Urs Jaeggi.
Harry Nutt
https://www.berliner-zeitung.de/kultur-vergnuegen/kunst-urs-jaeggi-berlin-li.140056?pid=true
Linkshändig und rechtshändig
Drei Leben hat Urs Jaeggi geführt, nicht gleichzeitig, sondern annähernd nacheinander: Erst war er Soziologe und Sozialtheoretiker, dann Schriftsteller, vor allem Erzähler, und danach bildender Künstler. Wunderbarerweise hat er es in allen drei Disziplinen zu hoher Anerkennung gebracht.
Gustav Seibt
https://www.sueddeutsche.de/kultur/urs-jaeggi-nachruf-soziologie-literatur-kunst-1.5207275
https://www.tagesanzeiger.ch/der-soziologe-mit-der-banklehre-228552075894
Urs Jaeggi – Sohn eines Notars – absolvierte eine Ausbildung zum Bankkaufmann und arbeitete fünf Jahre lang in diesem Beruf. Gleichzeitig holte er auf dem Zweiten Bildungsweg seine Reifeprüfung nach und studierte anschliessend Nationalökonomie und Soziologie in Genf, Bern und Berlin. 1959 wurde er an der Universität Bern zum Dr. rer. pol. promoviert. Dort war er Assistent des Entwicklungssoziologen Richard Fritz Behrendt. Danach war er von 1959 bis 1961 wissenschaftlicher Assistent an der Universität Münster und an der Sozialforschungsstelle in Dortmund. Ab 1961 lehrte er am Soziologischen Institut der Universität Bern, an dem er 1964 habilitiert wurde. 1965 wurde er dort Ausserordentlicher Professor für Soziologie. (…)
1966 erhielt er einen Ruf an die neugegründete Ruhr-Universität Bochum, wo er Inhaber eines Lehrstuhls für Soziologie war. Teile der Studentenbewegung bezogen sich auf sein Werk, insbesondere auf die Analysen in «Macht und Herrschaft in der Bundesrepublik» (1969). Anders als Leo Kofler, sein Nachfolger auf dem Bochumer Lehrstuhl, verband Jaeggi seine Arbeit auf dem Gebiet der soziologischen Theorie mit Ansätzen empirischer Sozialforschung und veröffentlichte damals u. a. bedeutende Arbeiten zur Politischen Soziologie. 1970/71 lehrte er als Gastprofessor an der New School for Social Research in New York. Von 1972 bis 1992 war Jaeggi Ordinarius am Institut für Soziologie der Freien Universität Berlin.
Urs Jaeggi trat nicht nur als Verfasser zahlreicher soziologischer Arbeiten hervor, sondern auch als Autor belletristischer Werke. Sein Archiv befindet sich im Schweizerischen Literaturarchiv in Bern. Ab 1985 war Jaeggi zudem als Maler, Bildhauer und auf dem Gebiet der Aktionskunst tätig.
https://de.wikipedia.org/wiki/Urs_Jaeggi
«Creative Commons Attribution/Share Alike»
Videos:
Gespräch mit Schriftsteller Urs Jaeggi und Lesung aus seinem neuen Buch «Rimpler»
Play SRF, Karussell, 4.9.1987
Urs Jäggi: Soulthorn
Play SRF, Das Literatur Magazin, 20.5.1990
Ausstellung des Bildhauers Urs Jaeggi im Kunstmuseum Olten
Play SRF, Tagesschau, 9.2.1992
Fragen zur Zeit mit Urs Jaeggi
https://www.youtube.com/watch?v=NmLki4EYtDU
Urs Jaeggi «Ich höre Musik und male» – «TAG TRAUM» im Prima Center Berlin
https://www.youtube.com/watch?v=ELiIzI2rcLA
Urs Jaeggi – Sind wir und wo? – Kulturpumpe Birkenwerder
Der Multi-Künstler und Soziologe Urs Jaeggi verwandelt in Birkenwerder das alte Wasserwerk in einen fantastischen Ausstellungsort
https://www.facebook.com/KulturparkBirkenwerder/videos/327005531954793
Urs Jaeggi: Als den Füssen Ohren wuchsen / Version II
Gertrud Pinkus
Mehr:
http://www.universes-in-universe.de/jaeggi/
https://www.helveticarchives.ch/detail.aspx?ID=165078
https://portal.dnb.de/opac.htm?method=simpleSearch&query=119011905
https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/028225/2007-02-08/
https://lexikon.a-d-s.ch/Person/861
https://www.literapedia-bern.ch/Jaeggi,_Urs
https://www.viceversaliteratur.ch/author/2740
https://sokultur.ch/html/kulturschaffende/detail.html?q=&qs=1&qs2=1&artist_id=1375
https://www.kultur-punkt.ch/unsere-philosophie/wir-wuerdigen/urs-jaeggi-zum-80-geburtstag.html
https://taz.de/Ein-Leben-zwischen-Sein-und-Nichts/!5529980/
https://www.tagesspiegel.de/kultur/retrospektive-urs-jaeggi-keimzellen-der-kunst/13892646.html
https://www.zitty.de/urs-jaeggi/
https://www.infosperber.ch/politik/schweiz/sicher-ist-die-unsicherheit-sie-bleibt/
https://de.wikipedia.org/wiki/Urs_Jaeggi
https://en.wikipedia.org/wiki/Urs_Jaeggi
#UrsJaeggi #CHcultura @CHculturaCH ∆cultura cultura+
Kommentare von Daniel Leutenegger