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27. Februar 2025

«LESEN MACHT ATTRAKTIV»

Bücher sind für viele Menschen in der Schweiz weit mehr als ein Zeitvertreib – sie sind Lebensbegleiter, Inspirationsquelle und ein Anker in der digitalen schnelllebigen Welt. Das «Ex Libris Lesebarometer 2025», eine repräsentative Umfrage der Forschungsstelle Sotomo, zeigt, wie die Schweiz heute liest. Die Umfrage beleuchtet dabei nicht nur die Lesegewohnheiten und -vorlieben, sie zeigt auch grosse Unterschiede im Medienkonsum.

Lovis Corinth, Reading Woman, 1911 - Public domain - Datei: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Lovis_Corinth_Die_Lesende_1911.jpg

Bild: Lovis Corinth, Reading Woman, 1911 – Public domain – Datei:
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Lovis_Corinth_Die_Lesende_1911.jpg

Gemeinsam mit dem Forschungsinstitut Sotomo geht Ex Libris dem Leseverhalten der Bevölkerung in der Schweiz auf den Grund. Michael Hermann, Geschäftsführer von Sotomo, ordnet die Ergebnisse ein: «Die Umfrageergebnisse machen deutlich, wie sehr das Lesen die emotionale und kognitive Welt der Schweizer Bevölkerung bereichert.»

Ex Libris wurde 1947 als Buchclub gegründet und verfolgt seit Anbeginn dasselbe Ziel: Kultur zu einem erschwinglichen Preis anzubieten und für alle zugänglich zu machen. Daniel Röthlin, Unternehmensleiter von Ex Libris, freut sich über die Studienergebnisse: «Es ist der historische Kern von Ex Libris, die Freude am Lesen zu fördern. Mit dem ‹Lesebarometer›
gelingt es uns, den Mehrwert des Lesens aufzuzeigen.»

«Lesen macht attraktiv»

In einer Zeit, in der soziale Medien immer mehr Zeit im Alltag einnehmen, zeigt sich in der Schweiz ein deutliches Spannungsfeld zwischen digitalen und traditionellen Freizeitaktivitäten. Während das Lesen als Quelle der Ruhe, Inspiration und Bildung wahrgenommen wird, werden soziale Medien von den Befragten eher kritisch betrachtet. So empfinden nur 12 Prozent der Befragten soziale Medien als energiefördernd, während 64 Prozent die sozialen Medien diesbezüglich negativ beurteilen. Auch werden Leserinnen und Leser insgesamt positiv wahrgenommen und mit Eigenschaften wie Wissbegierde und Intellektualität assoziiert, während Nutzerinnen und Nutzer sozialer Medien häufiger als oberflächlich gesehen werden. «Darüber hinaus macht Lesen attraktiv»: 84 Prozent der Befragten finden Personen, die viel lesen, attraktiv.

«Lesen entspannt die Schweizerinnen und Schweizer»

Ganze 68 Prozent der Befragten fühlen sich nach dem Lesen entspannt und 65 Prozent empfinden es als beruhigend. Auch bei langem Lesen bleibt die Wirkung positiv: 87 Prozent der Befragten berichten, dass sie sich danach gut fühlen, kaum jemand hat bei langem Lesen negative Gefühle. Im Vergleich dazu gibt ein Viertel der Befragten an, dass sie bei längerer Nutzung sozialer Medien negative Gefühle erleben.

Für die Mehrheit ist Lesen vor allem ein Mittel zur Unterhaltung (77 %), zur Entspannung und zum Wissenserwerb (jeweils 74 %). Gleichzeitig zeigt sich, dass Bücher auch soziale Verbindungen fördern: 57 Prozent der Befragten sprechen regelmässig mit anderen über die Bücher, die sie gelesen haben.

In den Ferien oder vor dem Einschlafen

Besonders beliebt ist das Lesen in den Ferien – 64 Prozent der Befragten greifen im Urlaub vermehrt zu Büchern, eine Zeit, in der Ruhe oft besonders geschätzt wird. Nahezu ebenso viele, 61 Prozent, lesen vor dem Einschlafen, als eine entspannende Gewohnheit, um den Tag ausklingen zu lassen. Auch am Wochenende finden 60 Prozent der Befragten Zeit, sich in Geschichten zu vertiefen.

Das Lesen ist jedoch nicht nur an ruhige Momente gebunden. So nutzen 34 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer ihre Pendelzeiten zum Lesen. Öffentliche Orte wie Cafés und Parks bieten für 20 Prozent der Befragten eine geeignete Umgebung.

Romane und Krimis am beliebtesten

Die Lieblingsgenres sind kunterbunt und zeugen von einer lebendigen Lesekultur, die Wissen, Spannung und tiefere Einsichten umfasst. Romane sind mit 68 Prozent das beliebteste Genre, gefolgt von Krimis und Thrillern (57 %). Frauen lesen besonders häufig Romane (84 %), während Männer mit 62 Prozent eine stärkere Vorliebe für Krimis und Thriller haben. Doch es geht nicht nur um Spannung: Auch das Interesse an Fakten und Wissen bleibt stark. Sachbücher erfreuen sich bei beiden Geschlechtern grosser Beliebtheit.

Das «Lesebarometer» zeigt, dass für viele Schweizerinnen und Schweizer Literatur ein Weg ist, Empathie zu entwickeln und sich in neue Perspektiven zu versetzen. «Die Wirkung von Literatur ist vielfältig: Romane fördern das Einfühlungsvermögen und regen die Fantasie an, Sachbücher erweitern den Horizont und geben Sicherheit im Gespräch», führt Daniel Röthlin aus.

Albert Anker, Lesendes Mädchen (Cécile Anker), 1886 - Public domain - Datei: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Datei:C%C3%A9cile_Anker_1886.jpg

Bild: Albert Anker, Lesendes Mädchen (Cécile Anker), 1886 – Public domain – Datei: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Datei:C%C3%A9cile_Anker_1886.jpg

Lange Texte bereiten drei von vier Befragten Mühe

Die Umfrage verdeutlicht, wie hoch die Schweizer Bevölkerung ihre Lesefähigkeit einschätzt: 99 Prozent der Befragten erachten die eigene Lesefähigkeit als wichtig. Diese einhellige Zustimmung zeigt sich über verschiedene Alters- und Geschlechtergruppen hinweg. Angesichts der allgegenwärtigen sozialen Medien und der kurzlebigen Inhalte, die unsere Aufmerksamkeit in kleinen Dosen fordern, stellt sich die Frage, ob die Fähigkeit zur Konzentration auf längere Texte leidet. Die Umfrageergebnisse geben Aufschluss: Zwar berichten insgesamt 75 Prozent der Befragten, dass sie eher keine Schwierigkeiten haben, sich auf längere Texte zu konzentrieren. Doch zeigt sich bei genauerem Hinsehen ein interessanter Trend: Der Einfluss der Altersgruppen fällt hier besonders ins Auge. Junge Erwachsene zwischen 18 und 35 Jahren geben mit 40 Prozent am häufigsten an, dass sie beim Lesen längerer Texte Konzentrationsprobleme haben – möglicherweise ein Hinweis auf die Auswirkungen der digitalen Schnelllebigkeit. Im Gegensatz dazu scheinen die mittlere Altersgruppe von 36 bis 55 Jahren sowie die über 55-Jährigen deutlich weniger betroffen zu sein.

Bücherregal als Spiegel der Persönlichkeit

Gedruckte Bücher sind mehr als blosse Wissensquelle. Sie sind treue Begleiter, Erinnerungsstücke und Ausdruck persönlicher Werte und Geschichten. Ein Blick auf die Anzahl Bücher, die man besitzt, offenbart eine faszinierende Schweizer Kultur: Für 41 Prozent der Befragten gehören mehr als 100 gedruckte Bücher zu ihrem Haushalt. Vor allem die ältere Generation bewahrt umfangreiche Sammlungen auf. Die Leidenschaft für Bücher zeigt sich auch in der Zahl der Bücher, die tatsächlich gelesen werden: Die Mehrheit liest ihre Bücher vollständig. Zwei Drittel geben an,(fast) alle ihre Bücher zu Ende zu lesen. Nach dem Lesen behalten 86 Prozent ihre Bücher, die häufig als bleibende Schätze und Erinnerungsstücke dienen. Nur 12 Prozent geben an, ihre Bücher nach dem Lesen wegzuwerfen. Während 22 Prozent der Befragten darauf bestehen, dass Bücher makellos bleiben sollten, zeigen sich 52 Prozent neutral gegenüber Markierungen oder Eselsohren. 27 Prozent empfinden persönliche Notizen sogar als Teil eines aktiven Leseprozesses. 78 Prozent der Befragten lesen jedes Buch zu Ende, dass sie angefangen haben und drei Viertel liest Bücher geduldig bis zum Ende, ohne vorher das letzte Kapitel zu überfliegen.

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Für die Umfrage wurden zwischen dem 1. und dem 8. Oktober 2024 1’044 Personen befragt. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die sprachintegrierte Bevölkerung der Deutschschweiz ab 18 Jahren. Die Befragung erfolgte online über das Online-Panel von Sotomo. Für die
vorliegende Gesamtstichprobe beträgt das 95-Prozent Konfidenzintervall (für 50 Prozent Anteil) +/- 3 Prozentpunkte.

Zur Studie:

https://exlibris.azureedge.net/cms/11915/Ex_Libris_Lesebarometer_2025.pdf

Quelle:

https://exlibris.azureedge.net/cms/11908/20250227_Medienmitteilung_Lesebarometer.pdf

ex libris LESEBAROMETER

#Lesebarometer #exlibrisLesebarometer #LesenSchweiz #DanielRöthlin #Sotomo #MichaelHermann #CHcultura @CHculturaCH ∆cultura cultura+

  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 27. Februar 2025
  • Bildung und Arbeit, Druck, Verlag, Printprodukte, Medienhäuser, Freizeit und Sport, Kulturförderung, Kulturvermittlung, Kultur- und Medienpolitik, Theater, Kabarett, Literatur

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