13. Juni 2025
«VOLKSMUSIK» – STUBETE IM MUSEUM
Wie klingt eigentlich die Schweiz? Die Wechselausstellung «Volksmusik» im Forum Schweizer Geschichte Schwyz widmet sich ab dem 14. Juni 2025 den vielen Facetten der populären Schweizer Musikkultur – von traditionellen Instrumenten über die Stimmen und Gesichter der Volksmusik bis hin zu modernen Interpretationen. Und Mitmachen ist erwünscht – auf der «Stubete-Bühne» darf geörgelet, gejodelt und getanzt werden.

Bild: Key visual der Ausstellung «Volksmusik», Grafik Büro Nord GmbH © Schweizerisches Nationalmuseum

Bild: Die «Fränzlis» auf Reisen – Foto: Camill Hoffmann, Sils-Maria, um 1900, Repro, © Kulturarchiv Oberengadin, Zuoz
Es gibt nicht die eine Schweizer Volksmusik – vielmehr ist sie geprägt von regionalen Eigenheiten, unterschiedlichen Instrumenten und wandelnden Melodien. Die Ausstellung nimmt die Besucherinnen und Besucher mit auf eine kulturhistorische Klangreise durch die Schweiz. Sie zeigt, wie der «Mythos Volksmusik» entstanden ist und immer wieder neu interpretiert wird.
Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen vier prägende Elemente der populären Schweizer Musikkultur: Das Schwyzerörgeli, das um 1886 die Volksmusik revolutionierte und vielerorts traditionelle Streich- und Blasinstrumente verdrängte; das Alphorn, das seit dem Unspunnenfest 1805 gezielt als Nationalsymbol gefördert wurde; das Hackbrett, das seinen Weg von Persien in die Säntisregion fand; und der Jodel, der vom textlosen Naturjodel bis zum vereinsorganisierten Gesangswettbewerb reicht.

Bild: Kasi Geisser (links) und weitere Musiker posieren mit ihren Instrumenten und alkoholischen Getränken vor ihrem Konzertplakat. Die Innerschweizer vermitteln damit eine Garantie für feucht-fröhliche Tanznächte im Zürcher Niederdorf. Kasi Geisser (Klarinette); unbekannt (Alphorn); Emil Christen (Geige) und Roman Stadelmann (Handorgel) vor Konzertplakat «Urchigä», Zürich, um 1925, Repro, © Staatsarchiv Uri, Altdorf
Ländler-Legenden, ein zerlegtes Örgeli und «Sepplis»
Historische Exponate, authentische Klangbeispiele und Porträts von Musikerinnen und Musikern machen die Entstehung und Entwicklung der Schweizer Volksmusik greifbar. Zu bestaunen gibt es etwa die Auslegeordnung eines 2500-teiligen «Nussbaumer»-Schwyzerörgelis oder die aufwändig dekorierte Haube eines Silvesterchlauses aus dem Appenzellerland – samt holzgeschnitzter Szenerien mit Figürchen und Perlen. Aber auch Generationen von Volksmusiklegenden werden porträtiert: von Klarinettist Kasimir Geisser, über TV-Ländlerpapst Wysel Gyr, bis zur jungen Alphornsolistin Lisa Stoll.

Bild: Rees Gwerder (1911–1998) und Josef Inderbitzin üben gemeinsam mit Gwerders Enkelin Rita Schwyzerörgeli. Der Autodidakt und talentierte Schwyzerörgeler bewegte mit seinen Kompositionen eine Menge Tanzbegeisterte – Foto: © Bibliothèque de Genève, Dany Gignoux
Die Ausstellung beleuchtet, wie Volksmusik in allen Regionen der Schweiz unterschiedlich klingt: In der Innerschweiz entwickelte sich die Ländler-Hochburg, im Appenzell blieb die Streichmusik erhalten, in Graubünden prägten die «Fränzlis» und «Sepplis» die Klanglandschaft, im Tessin spielten die «Bandellas» auf; in der Romandie hingegen ging durch die Reformation vieles verloren.
Von der Unterschichtsmusik zum Nationalstolz
«Was viele nicht wissen: Ländlermusik war ursprünglich eine Tanzmusik für die Unterschichten», erklärt Kuratorin Sibylle Gerber. Erst während des Zweiten Weltkriegs verbreitete das Radio zur Stärkung des nationalen Zusammenhalts Ländlermusik in der ganzen Schweiz. Ab den 1960er-Jahren folgten Gegenbewegungen, die mit Traditionellem und Neuem experimentierten, was zur «Neuen Volksmusik» führte – ein Spannungsfeld zwischen Bewahren und Innovation, das bis heute besteht.

Bild: Die Ausstellung thematisiert unter anderem auch die regionale Vielfalt der Volksmusik anhand von Innerschweiz, Appenzell, Graubünden, Tessin und Romandie – Foto: © Schweizerisches Nationalmuseum
Mitmachen ist erwünscht
Die interaktive Ausstellung lädt alle ein, selbst musikalisch aktiv zu werden. Auf der «Stubete-Bühne» darf gejodelt, gespielt und getanzt werden: Volksmusikinstrumente stehen bereit, begleitet von Schritt-für-Schritt-Anleitungen – für erste Versuche auf dem Schwyzerörgeli ebenso wie für das traditionelle Einstiegslied «Schuelerbuebe-Jodel». So lassen sich neue Klänge und vielleicht auch ungeahnte Talente entdecken.
Wer Teil der Ausstellung werden möchte, ist herzlich eingeladen, eigene Volksmusik-Erinnerungen beizusteuern – sei es in Form von Schnappschüssen, Tonaufnahmen oder Videos. Daraus entsteht die digitale Sammlung «Meine Volksmusik»: Ein klingendes Mosaik der Schweizer Volksmusik – von allen, für alle.
Umfangreiches Begleitprogramm
Neben Vermittlungsangeboten für Schulen bietet die Ausstellung ein vielfältiges Rahmenprogramm mit Konzerten, Workshops und Dialogführungen mit Expertinnen und Experten. Kinder können die Ausstellung zudem mit einem eigens konzipierten Audioguide erkunden, der sie spielerisch durch die Klangwelten der Schweizer Volksmusik führt.
Kontakt:
https://www.forumschwyz.ch/volksmusik

Bild: Auf der «Stubete-Bühne» darf gejodelt, gespielt und getanzt werden: Volksmusikinstrumente stehen bereit, begleitet von Schritt-für-Schritt-Anleitungen – Foto: © Schweizerisches Nationalmuseum
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Kommentare von Daniel Leutenegger