18. September 2025
RENÉE LEVI: «MIRA»
Kunstmuseum Basel, Hauptbau, EG kleiner Hofumgang, bis am 1. Januar 2029

Bild: Renée Levi in ihrem Atelier in Basel, April 2025 – Foto: © Kostas Maros
Wie ein Windstoss zieht «Mira», das neue Wandgemälde von Renée Levi, rund um den kleinen Hofumgang im Kunstmuseum Basel | Hauptbau. Die Malerei, ein Geschenk der Künstlerin, entstand vor Ort.
«Mit der Spraydose kann ich mit Schnelligkeit zeichnen, in einem Atemzug, ohne Absetzen durchziehen. Da ist keine Zeit zum Denken, nur Bewegung. Und mit freiem Kopf werde ich selbst Teil der Spraydose», so die Basler Künstlerin Levi über ihre Aktion. Begrenzt wird Levis Malerei nur durch einen weissen Rahmen entlang von Bodenleiste und Decke. Er definiert die drei grünlich-grau grundierten Wände zu einem Windkanal, der vom Museumsshop um die Ecken des Innenhofs zur Infotheke führt.
Der Rahmen ist zugleich die einzige Vorbereitung vor Ort. Farbwahl und Linienführung entspringen, «on Spot, im Moment des Machens», so Levi. «Es gibt keinen Test und keine Korrekturen. Was passiert, ist passiert und bleibt so.»
Die Idee für die Wandarbeit kam von der Direktorin des Kunstmuseums Basel, Elena Filipovic: «Der kleine Hofumgang des Museums ist ein Ort der Ruhe und Erholung. Oft sehe ich dort Besuchende, die lesen oder sich zwischen den Ausstellungsbesuchen ausruhen.» Solche Ruhezonen sind wichtig für das Museum, – entsprechend wollte Filipovic der Atmosphäre mehr Aufmerksamkeit schenken. Der Hofumgang sollte aber, neben seiner architektonischen Rolle, auch wieder als Raum für Kunst ausgewiesen werden. So entstand die Idee, ein Werk in Auftrag zu geben, das diesen Ort bis zur Sanierung schmücken wird.» Levi war dafür die naheliegende Wahl: «Sie ist eine in Basel lebende Künstlerin, die sich intensiv mit Malerei und Architektur beschäftigt und eine feministische Perspektive einbringt, die den kleinen Hofumgang auf eine Weise zum Leben erweckt, wie nur sie es kann.»
Levi ist schon länger mit mehreren Werken in der Sammlung des Kupferstichkabinetts vertreten. Im Frühling 2025 wurde dieser Bestand an Werken auf Papier durch den Ankauf der zwei grossformatigen Gemälde Yafa (2004) und Sabine (2010) erweitert und damit die Position von Levi breiter in der Sammlung des Kunstmuseums Basel verankert.
«Der grosszügige Vorschlag von Levi, ihre Wandarbeit im kleinen Hofrundgang dem Museum zu schenken, ist ein Zeichen für die gegenseitige Wertschätzung.», schreibt das Kunstmuseum Basel.
Biografische Angaben
Renée Levi (* 1960 in Istanbul) zählt zu den wichtigsten Schweizer Künstler:innen im Bereich Malerei und Installation. Sie hinterfragt seit den späten 1990er-Jahren das Medium Malerei und belebt die vielfach totgesagte Disziplin lustvoll und kritisch. Mit radikalen, kräftig prägnanten wie präzisen Interventionen überschreitet Levi die Grenzen zwischen Malerei und Architektur. Ihre Gemälde sind Objekte an der Schnittstelle von Malerei, Zeichnung und Schrift. Die Farben und Formen strotzen oft in gewaltigen Dimensionen und behalten trotz sinnlicher Wucht ihre Fragilität. Darin liegt die verblüffend spielerische Leichtigkeit von Levis Schaffen.
Die als Architektin ausgebildete Künstlerin engagierte sich früh für Projekte im öffentlichen Raum, die sie wie ihre Ausstellungen stets gemeinsam mit ihrem Partner Marcel Schmid entwickelt. Zuletzt bespielte Levi das Palais de Tokyo in Paris und die Akaretler Artweeks in Istanbul und gestaltete das Lernschwimmbecken im Hallenbad Rialto in Basel. Ausserdem gewann sie den Wettbewerb anlässlich des 175-jährigen Jubiläums der Schweizer Bundesverfassung und schuf für das Tympanon, das Giebeldreieck über dem Eingang zum Bundeshaus in Bern das Mosaik Tilo – eine Hommage an Tilo Frey (1923–2008), eine der ersten Frauen, die 1971 nach Inkrafttreten des Frauenstimmrechts ins Bundesparlament gewählt wurde.
Seit mehr als zwanzig Jahren wird Levis Arbeit international präsentiert und ist in bedeutenden öffentlichen und privaten Sammlungen im In- und Ausland vertreten. Nach ihrem Architekturstudium in Basel begann sie eine Zusammenarbeit mit Herzog & de Meuron Architekten (Basel) und ein Kunststudium an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK). Im Jahr 2002 erhielt sie den Prix Meret Oppenheim und 2019 den Prix Arts Visuels der Société des arts de Genève.
Projektleiter: Philipp Selzer
kmb
Kontakt:
https://kunstmuseumbasel.ch/de/ausstellungen/2025/renee-levi
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Kommentare von Daniel Leutenegger