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18. September 2025

«GEISTER. DEM ÜBERNATÜRLICHEN AUF DER SPUR»

Ausstellung im Kunstmuseum Basel | Neubau, vom 20. September 2025 bis am 8. März 2026 - Kindervernissage: 19. September 2025, 18-20 Uhr - Vernissage: 19. September 2025, 18.30-21 Uhr

Titel: Saul and the Witch of Endor Künstler:in & Beteiligte: Benjamin West Entstehungszeit: 1777 Material / Technik: Öl auf Leinwand Masse: 50.5 x 65.1 cm Objekt-ID: 90835 Creditline: Wadsworth Atheneum Museum of Art, Hartford, CT. Bequest of Clara Hinton Gould

Bild: Benjamin West, Saul and the Witch of Endor, 1777, Öl auf Leinwand, 50.5 x 65.1 cm, Objekt-ID: 90835 – Creditline: Wadsworth Atheneum Museum of Art, Hartford, CT. Bequest of Clara Hinton Gould

Titel: Fantasmino Künstler:in & Beteiligte: Tony Oursler Entstehungszeit: 2017 Material / Technik: Acrylic resin on canvas and digital hardware with moving image Masse: 46.99 x 21.59 x 17.78 cm Objekt-ID: 98182

Bild: © Tony Oursler, Fantasmino, 2017, Acrylic resin on canvas and digital hardware with moving images, 46.99 x 21.59 x 17.78 cm, Objekt-ID: 98182

Geister sind allgegenwärtig. Die visuelle Kultur wimmelt davon, von Hollywood-Blockbustern wie Ghostbusters (1984) bis hin zu Indie-Filmen wie All of Us Strangers (2023). Sie spuken auf Bildschirmen, Theaterbühnen und in Büchern: Literatur, Brauchtum und Mythen sind durchdrungen von Geistern, die sich weigern, uns in Ruhe zu lassen.

Auch die Kunst haben sie immer schon heimgesucht. Als Wesen des Dazwischen sind Geister Vermittler zwischen den Welten, zwischen oben und unten, Leben und Tod, Schrecken und Humor, Gut und Böse, sichtbar und unsichtbar. Jeder Versuch, sie abzubilden, aufzuzeichnen oder mit ihnen zu kommunizieren, ist daher eine kognitive Herausforderung und ein emotionaler Nervenkitzel.

Diesen Herbst und Winter widmet das Kunstmuseum Basel den unergründlichen Wesen eine umfangreiche Sonderausstellung. Mit über 160 Werken und Objekten aus den letzten 250 Jahren erkundet «Geister. Dem Übernatürlichen auf der Spur» die reiche visuelle Kultur, die sich im 19. Jahrhundert in der westlichen Welt rund um das Thema Geister entwickelte – vorangetrieben von einer Verschmelzung von Wissenschaft, Spiritualismus und populären Medien, die seither immer wieder Künstlerinnen und Künstler inspiriert hat.

Titel: The Phantom Hunter Künstler:in & Beteiligte: William Blair Bruce Entstehungszeit: 1888 Material / Technik: Öl auf Leinwand Masse: 151.1 x 192.1 cm Objekt-ID: 90959 Creditline: Art Gallery of Hamilton. Bruce Memorial, 1914 Photo Credit: Art Gallery of Hamilton

Bild: William Blair Bruce, The Phantom Hunter, 1888, Öl auf Leinwand, 151.1 x 192.1 cm, Objekt-ID: 90959 – Creditline: Art Gallery of Hamilton. Bruce Memorial, 1914 – Photo Credit: Art Gallery of Hamilton

Das 19. Jahrhundert wird heute meist als goldenes Zeitalter der Rationalität, der Wissenschaft und der Technologie angesehen, aber es war auch eine Blütezeit für den Glauben an Geister und Erscheinungen. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts wurden Geister zu einem Mittel, um sich der Erforschung der Psyche anzunähern und neue Zugänge ins menschliche Innenleben zu erschliessen. Die Romantik hatte die Lust an Spektakeln und Wundern geweckt, sodass der Glaube an Geister durch technologische Innovationen und Illusionstechniken wie etwa die Theatertechnik Pepper’s Ghost flankiert wurde.

Titel: Eric Dingwall’s ghost-hunting kit Masse: 13 x 25 x 16.5 cm (geschlossen); 23 x 25 x 49.5 cm (geöffnet) Objekt-ID: 99146 Creditline: Courtesy of Senate House Library, University of London Photo Credit: Senate House Library, University of London

Bild: Eric Dingwall’s ghost-hunting kit, 13 x 25 x 16.5 cm (geschlossen); 23 x 25 x 49.5 cm (geöffnet), Objekt-ID: 99146 – Creditline: Courtesy of Senate House Library, University of London – Photo Credit: Senate House Library, University of London

Die Erfindung der Fotografie um 1830 führte zum Aufschwung der Geisterfotografie mit wichtigen Vertretern wie William H. Mumler in den Vereinigten Staaten und später William Hope in England. Ihre Fotografien, die geliebte Menschen wieder erscheinen liessen und ein Leben nach dem Tod zu versprechen schienen, haben bedeutenden Einfluss darauf, wie wir uns Geister noch heute vorstellen.

Der Münchner «Geisterbaron» Albert Freiherr von Schrenck-Notzing – der wohl berühmteste Parapsychologe – verband die neuartigen technischen Mittel der Fotografie mit einem quasi-wissenschaftlichen Ansatz: Er wollte die übernatürlichen Erscheinungen dokumentieren, die in seinen Séancen auftraten (von denen kein Geringerer als der Schriftsteller Thomas Mann Bericht erstattete).

Die Geisterfotografie ist entsprechend ein wichtiges Kapitel der Ausstellung. Einen weiteren Zugang bieten die Aufzeichnungen und Bilder, die von spiritistischen Medien geschaffen wurden, um ihren direkten Kontakt mit der Geisterwelt festzuhalten.

Angesichts der Nähe von Geistern zu psychischen Ausnahmesituationen beschäftigt sich die Ausstellung zudem intensiv mit dem Phänomen des Spuks – mit Geistern in Räumen. Sie folgt dazu den vielfältigen visuellen Spuren und Geistererzählungen, die in der westlichen Kultur des 19. Jahrhunderts zu finden sind und später von Künstlerinnen und Künstlern aufgegriffen wurden. Dabei bezieht sie voller Neugierde Bildwelten jenseits der bildenden Kunst ein, die für die Kunst des 20. Jahrhunderts zu besonderen Inspirationsquellen wurden.

Staveley Bulford, Spirit photograph, 1921, Collection of The College of Psychic Studies, London, Foto: The College of Psychic Studies, London

Bild: Staveley Bulford, Spirit photograph, 1921, Collection of The College of Psychic Studies, London – Foto: The College of Psychic Studies, London

Die Ausstellung «Geister. Dem Übernatürlichen auf der Spur und die begleitende Publikation im Magazin-Look wurden in enger Zusammenarbeit mit Andreas Fischer und Susan Owens entwickelt. Fischer arbeitet am Freiburger IGPP (Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene) und gilt als einer der wichtigsten Kenner auf dem Gebiet der Geisterfotografie und Materialisierungsphänomene. Die britische Kunsthistorikerin Susan Owens schrieb 2017 das Buch «The Ghost: A Cultural History», in dem sie Geister treffend als «Schatten der Menschheit» bezeichnete. Das Projekt spürt diesem menschlichen Element nach und schliesst damit Engel, Naturgeister, Dämonen und dergleichen aus. Stattdessen werden das poetische Potenzial des Themas, seine Inspirationskraft und die Funktion von Geistern als Metaphern in den Fokus gerückt, die kritische Reaktionen auf die zeitgenössische Welt ermöglichen und Verdrängtes an die Oberfläche bringt.

Poltergeist Künstler:in & Beteiligte: Rachel Whiteread Entstehungszeit: 2020 Material / Technik: Wellblech, Buche, Kiefer, Eiche, Haushaltsfarbe und Mischtechnik Masse: 305 x 280 x 380 cm Objekt-ID: 98216 Creditline: Fondation Beyeler, Riehen/Basel Photo Credit: Robert Bayer, Basel

Bild: © Rachel Whiteread, Poltergeist, 2020, Wellblech, Buche, Kiefer, Eiche, Haushaltsfarbe und Mischtechnik, 305 x 280 x 380 cm, Objekt-ID: 98216 – Creditline: Fondation Beyeler, Riehen/Basel – Photo Credit: Robert Bayer, Basel

Die Tatsache, dass die Erscheinungen, um die es hier geht, ständig mit unserer kollektiven Vorstellungskraft, ja sogar mit unserem kulturellen Unbewussten interagieren, macht Geister und Gespenster zu so anhaltend wirkmächtigen Wesen – und die Ausstellung zu einem überraschenden, anregenden und eindrücklichen Erlebnis. Die Szenografie, die dazu beitragen soll, die Sinne für atmosphärische Veränderungen und Grenzerfahrungen zu öffnen, wurde von Alicja Jelen und Clemens Müller von please don’t touch (Dortmund) konzipiert.

Kuratorin: Eva Reifert

Die Publikation

Das begleitende Magazin enthält Texte von externen Autorinnen und Autoren, darunter Andreas Fischer und Susan Owens. Weitere Beiträge stammen vom britischen Assyriologen Irving Finkel, Autor von The First Ghosts: Most Ancient of Legacies (2019), der amerikanischen Dichterin Emily Dickinson, dem deutschen Schriftsteller Thomas Mann mit seiner anschaulichen Beschreibung einer Séance, der zeitgenössischen Schweizer Autorin Ariane Koch, deren «Geisterlied» aus einer Ghostwriting-Session hervorgegangen ist, Statements beteiligter Künstlerinnen und Künstler wie Corinne May Botz, Claudia Casarino, Adam Fuss, Tony Oursler und Cornelia Parker, und von Instagram-Star Timur, der einen Faktencheck rund um Geister beisteurt. Die Illustrationen stammen vom Duo War and Peas, Elizabeth Pich und Jonathan Kunz, die in ihren Webcomics seit Langem ein Interesse an allem zeigen, was mit Geistern zu tun hat.

Herausgegeben von Eva Reifert. Erschienen im Christoph Merian Verlag, 2025

kmb

Kontakt:

https://kunstmuseumbasel.ch/de/ausstellungen/aktuell

Bild: Frederick Hudson, Georgiana Houghton with a Spirit, um 1874, Albuminpapier mont. auf Karton, 10.4 x 6.3 cm, Objekt-ID: 99523 – Creditline: Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene, Freiburg i. Br. – Photo Credit: Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene, Freiburg i. Br.

Bild: Frederick Hudson, Georgiana Houghton with a Spirit, um 1874, Albuminpapier mont. auf Karton, 10.4 x 6.3 cm, Objekt-ID: 99523 – Creditline: Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene, Freiburg i. Br. – Photo Credit: Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene, Freiburg i. Br.

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  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 18. September 2025
  • Bildende Kunst, Fotografie, Grafik, Architektur, Design, Für Körper, Geist und Seele, Kulturförderung, Kulturvermittlung, Kultur- und Medienpolitik, Museum, Ausstellung, Galerie

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