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1. November 2025

«ADELHEID DUVANEL»

Ausstellung im Open Art Museum, Zentrum für Outsider-Kunst, St.Gallen, vom 9. November 2025 bis am 18. Oktober 2026

Adelheid Duvanel (1936–1996) Ohne Titel (Schwebende / fallende Frau) 1984, Filzstift auf Papier, 29.6 x 21 cm © open art museum, Stiftung für Schweizerische Naive Kunst und Art Brut, St. Gallen

Bild: Adelheid Duvanel (1936–1996), Ohne Titel (Schwebende / fallende Frau), 1984, Filzstift auf Papier, 29.6 x 21 cm – © open art museum, Stiftung für Schweizerische Naive Kunst und Art Brut, St.Gallen

Das Open Art Museum widmet der Basler Schriftstellerin und Künstlerin Adelheid Duvanel (1936–1996) eine umfassende Ausstellung mit Zeichnungen und Gemälden. Während ihre feinen, lakonischen Textminiaturen längst zu den eigenständigsten Stimmen der Schweizer Literatur zählen, ist ihr bildkünstlerisches Werk bis heute nur wenig gewürdigt.
 
Bereits 2009 präsentierte das Open Art Museum eine erste Retrospektive mit Leihgaben aus dem Schweizerischen Literaturarchiv, den UPK Basel und der Sammlung Dammann. Mit dieser Ausstellung gelangte eine bedeutende Werkgruppe aus der Sammlung ihres Bruders Felix Feigenwinter ans Museum. 2021 kamen weitere 40 Zeichnungen hinzu. Parallel dazu erschienen zahlreiche Publikationen, die Duvanels literarisches und bildkünstlerisches Schaffen aus neuen Perspektiven beleuchten.

Die aktuelle Ausstellung vereint nun Werkgruppen aus dem Sammlungsbestand des Museums mit Gemälden aus dem Bilderlager der UPK Basel. Sie macht Adelheid Duvanels eindrucksvolle Bildwelt erneut sichtbar – eine Kunst, die ungeschönt und zugleich einfühlsam von Anderssein, Einsamkeit und der Sehnsucht nach Geborgenheit erzählt.

Adelheid Duvanel (1936–1996) Ohne Titel (Drei weibliche Figuren) 1987, Filzstift auf Papier, 21 x 29.7 cm, © open art museum, Stiftung für Schweizerische Naive Kunst und Art Brut, St. Gallen, Sammlung Felix Feigenwinter

Bild: Adelheid Duvanel (1936–1996), Ohne Titel (Drei weibliche Figuren), 1987, Filzstift auf Papier, 21 x 29.7 cm – © open art museum, Stiftung für Schweizerische Naive Kunst und Art Brut, St.Gallen, Sammlung Felix Feigenwinter

Obwohl Adelheid Duvanel als Schriftstellerin in der professionellen Kulturszene mitwirkte, orientierte sie sich weder an künstlerischen Strömungen noch an Moden oder an der Basler Kunstszene. Eine Gratwanderin im Leben, blieb sie auch in der Kunst eine Aussenseiterin, die sich mit künstlerischen Mitteln an sich selbst abarbeitete. So geriet die preisgekrönte Schriftstellerin zur Outsider-Künstlerin. Ihre Zeichnungen sind jedoch nicht als biografische Illustrationen zu verstehen, sondern auch als eigenständige künstlerische Ausdrucksformen.

Schon in ihren frühen Zeichnungen der 1950er-Jahre widmete sich Duvanel Menschen am Rand der Gesellschaft, fragilen Frauenfiguren und geflüchteten Kindern. Angst, Einsamkeit, Depression, Krankheit und Tod durchziehen ihr Werk und verleihen ihm eine unverwechselbare Intensität.

Der Literaturwissenschaftler Peter von Matt fasst diese kompromisslose Haltung so zusammen: «Alles, was ihre Kunst so bedrängend macht, ist von Anfang an da. Phasen einer Entwicklung, Stufen auf einem Weg vom imitierenden zum eigenen Erzählen sind nicht zu erkennen … Auf dem kleinsten möglichen Raum die grösste mögliche Verdichtung zu erreichen, das war der ästhetische Imperativ, unter dem sie stand.»

Nach einer längeren Schaffenspause begann Duvanel 1980, in der sicheren Umgebung der Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK) Basel, erneut zu zeichnen und zu malen. Ausgelöst wurde dieser Neubeginn durch ihre Trennung von Joe Duvanel, der, selbst ein Maler, ihr zuvor das Malen verboten hatte. Die 1980er-Jahre wurden zu ihrer produktivsten Phase: Blatt um Blatt füllte sie mit Kugelschreiber- und Filzstiftzeichnungen auf DIN-A4, oft in leuchtenden, kontrastreichen Farben wie Rosa, Pink oder Violett. Parallel entstanden grossformatige Acrylgemälde.

Adelheid Duvanel (1936–1996) Ohne Titel (Frau und Kind getrennt durch Zaun / Mutter im Feuer) 1960, Kreide auf Karton, 29.7 x 21 cm, © open art museum, Stiftung für Schweizerische Naive Kunst und Art Brut, St. Gallen, Sammlung Felix Feigenwinte

Bild: Adelheid Duvanel (1936–1996), Ohne Titel (Frau und Kind getrennt durch Zaun / Mutter im Feuer), 1960, Kreide auf Karton, 29.7 x 21 cm – © open art museum, Stiftung für Schweizerische Naive Kunst und Art Brut, St.Gallen, Sammlung Felix Feigenwinter

Das Frühwerk der 1950er- und 1960er-Jahre umfasst Zeichnungen und Gemälde mit Kreide, Blei- und Farbstift sowie Kugelschreiber. Es zeigt surreale Szenen, Porträts, vielfach Karikaturen mit deformierten Körpern sowie Darstellungen von Geisteskranken und Menschen mit Behinderung.

Ihre Motive kreisen um existentielle Themen wie Mutter und Kind, Mann und Frau, Angst und Bedrohung, Einsamkeit und Verlust, Krankheit und Tod. Immer wieder setzt sie sich mit patriarchalen Strukturen auseinander, zeigt gebrochene Frauenfiguren, bedrohte Kinder und die Sehnsucht nach Geborgenheit.

Religiöse Metaphern wie Dornenkrone oder Mandorla verleihen ihren Arbeiten eine überzeitliche Dimension. Häufig ergänzen Inschriften die Bildszenen und verstärken ihre emotionale Wirkung.

Das Spätwerk ab 1980 zeichnet sich durch eine radikale Vereinfachung der figürlichen Gestaltung aus: kantige Körper, spitze Formen, expressiv verlängerte Gliedmassen und grelle Farbigkeit prägen diese Arbeiten. Trotz des scheinbar naiven Stils entstehen surreale, traumartige Szenen, die zugleich berühren und verstören. In den Figuren spiegelt sich kompromisslos ihr eigenes Dasein wider – eine zutiefst persönliche und betont weibliche Kunst.

oam

Kontakt:

https://openartmuseum.ch/ausstellung/adelheid-duvanel/

#AdelheidDuvanel #OpenArtMuseumStGallen #CHcultura @CHculturaCH ∆cultura cultura+

  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 1. November 2025
  • Bildende Kunst, Fotografie, Grafik, Architektur, Design, Museum, Ausstellung, Galerie, Theater, Kabarett, Literatur

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