7. Januar 2026
KINOSTART VON EDWIN BEELERS NEUEM FILM «DER MANN AUF DEM KIRCHTURM»
Am 15. Januar 2026 ist der Kinostart von «Der Mann auf dem Kirchturm» des 1958 in Rothenthurm geborenen Innerschweizer Filmemachers Edwin Beeler. Die Geschichte des neuen Films erzählt vom Kaminfeger eines Dorfes, der es liebt, auf Kirchtürmen in schwindelerregender Höhe zu arbeiten. Für seinen Enkel ist der Grossvater ein Glücksbringer und starker Mann. Er möchte ihm nacheifern und mehr über seine Herkunft erfahren. Doch Grossvaters Sturz vom Dach verändert alles. Was bleibt, sind offene Fragen zu einem generationenübergreifenden Trauma, zu männlicher Dominanz, weiblicher Unterordnung, zur eigenen Identität – und Schweigen. Der Enkel ergründet das stille Geheimnis der letzten Entscheidung seines Grossvaters - durch Erinnerungen, Bilder und Landschaften seiner Kindheit. «Der Mann auf dem Kirchturm» wird auch an den diesjährigen Solothurner Filmtagen gezeigt.

Bilder: Filmstills © Edwin Beeler, «Der Mann auf dem Kirchturm»

Edwin Beeler schreibt zum Ursprung der Geschichte des Filmes:
«Im Jahre 1989 hat sich der Vater meiner Mutter, der Kaminfegermeister des Dorfes, das Leben genommen. Ich konnte es lange nicht fassen. Mein idealisiertes Grossvater-Bild bekam Risse. Fragen drängten sich auf.
Im Rückblick halte ich Grossvaters Suizid für die Verzweiflungstat eines Mannes, der eingeengt war im Korsett der patriarchalischen Wertvorstellungen seiner Zeit, als es dem traditionellen Rollenverständnis vom «starken Mann» zuwiderlief, Schwächen und Nöte zu zeigen, Hilfe zu suchen.
Seine Frau, meine Grossmutter, mit der er seit 55 Jahren verheiratet war, lag schwerkrank im Bett. Seine Kinder, unter ihnen meine Mutter, waren von dieser Situation überfordert. Was würde aus ihm werden, wo er doch bisher immer selbständig gewesen war? Über seine Gefühle und seelischen Nöte wusste er nicht zu sprechen. Diese Sprache war ihm fremd. Auf die Sprachlosigkeit ihrer Eltern und deren Unfähigkeit, Gefühle zu zeigen oder über den Tod zu sprechen, weist im Filmgespräch auch meine Mutter hin.
Obwohl ich von meinem Grossvater, seiner Zeit, seinem Leben und seinem Lebensende erzähle, geht es zum Teil auch um meine eigene Geschichte. Ich glaube, im Wesen meines Grossvaters Verhaltensmuster zu erkennen, die mir selbst nicht fremd sind, Muster fatalistischen Verhaltens und unzulänglicher Sprache. Indirekt ist der Film auch ein Portrait eines typischen Schweizer Dorfes und einer typischen Schweizer Büezerfamilie jener Zeit, in der ich aufgewachsen bin.
Mit der Kamera habe ich Erinnerungsorte besucht, vor allem im Ägerital und in Rothenthurm. Gelände, Häuser und Innenräume haben sich in den letzten Jahrzehnten teils bis zur Unkenntlichkeit verändert. Im Film stelle ich auch alte Fotografien und zeitgenössische Filmaufnahmen einander gegenüber. Er zeigt die Arbeit der Zeit am Raum – wie sich die Landschaft verändert hat.

Bild: Filmstill © Edwin Beeler, «Der Mann auf dem Kirchturm»
Landschaften, Innenräume und Objekte bilden Leerstellen, die das Publikum mit seiner eigenen Vorstellungskraft füllen kann. Im halbdunklen Kellerraum, dem Ort des Suizidgeschehens, sind beispielsweise hölzerne Gegenstände erkennbar, Gehstock oder Werkzeuge, die sich seinerzeit dort fanden. Eine assoziative Bruchstückhaftigkeit von Detailaufnahmen, teils verfremdet und in Zeitlupe, gibt der Filmerzählung seine gestalterische Entsprechung.
Im Film verwende ich Super-8-Farb- und 16mm-Schwarzweiss-Filmausschnitte aus meinem Archiv. Ich habe diese Aufnahmen seinerzeit ohne bestimmte Absicht von meinen beiden Grosselternpaaren gemacht. Verschiedene Einstellungen werden variiert, verfremdet, etwa auf Aussen- und Innenräume projiziert, als wären es übereinander gelagerte Erinnerungsschichten, die sich vor dem inneren Auge abspielen.
Mit den Erinnerungen an Kindheitserlebnisse im Haus meiner Grosseltern untrennbar verbunden sind zwei Dinge, die der Film wieder zum Leben erweckt: ‹Jimmy›, der turnende Clown am Reck (ein Blechspielzeug) und der Zylinderhut des Schornsteinfegers. Das waren meine Lieblingsspielzeuge.

Bild: Filmstill © Edwin Beeler, «Der Mann auf dem Kirchturm»
Mein Zauberland mit vielen geheimnisvollen Dingen lag auf dem Dachboden, für mich als Bub ein magischer Ort: Fasnachtsmasken und -kostüme, alte Fotografien und Totenbilder. Vor allem stapelten sich dort Zylinderhüte in unterschiedlichen Grössen. Wie jedermann weiss: Zum Zaubern braucht es einen Zylinderhut, wie ihn die Schornsteinfeger tragen. Als Kind wollte ich zaubern können.
Der Kaminfeger ist eine magische Figur, die nicht nur Brände verhütet, sondern auch Glück bringt. So sah ich als Bub meinen Grossvater. Als Autor bin ich der unsichtbare Beobachter, der sich erinnert. Wichtiges Element des Films ist der Off-Erzähler, für den ich wie bei meinem letzten Film ‹Hexenkinder› Hanspeter Müller-Drossaart gewinnen konnte. Er führt durch den Film und erzählt aus meiner persönlichen Sicht das Geschehen, retrospektiv, aber auch reflexiv.
Die Originalmusik des Filmes, komponiert von Sounddesigner Oswald Schwander, macht die Anwesenheit der kindlichen Energie in einer Familie spürbar. Wenn der Spielzeug-Clown ‹Jimmy› am Reck turnt, bildet das metallen-klackende Geräusch des Blechspielzeugs die Ausgangslage für ein musikalisches Leitmotiv. Die Melancholie und Lüpfigkeit der Innerschweizer Volksmusik drücken Schwyzerörgeli und Handorgel aus, sie verweisen auf die seelische Verwundbarkeit, aber auch die Lebensfreude der Filmfiguren.
Ziel-Publika des Filmns sind Filmliebhaberinnen und -liebhaber, die sich für persönliche, aber allgemeingültig erzählte Geschichten mit ethnographischem Anspruch interessieren. Das Thema Suizid und soziales Milieu, der Verlust von einst identitätsbildenden Lebenswelten, die Aufarbeitung überkommener männlicher und weiblicher Rollenmuster bzw. Zuschreibungen sind von gesellschaftlicher Relevanz.»

Bild: Hauptprotagonistin Anna Beeler-Nussbaumer, Mutter des Filmemachers – Filmstill: © Edwin Beeler
Mitwirkende
Buch und Regie: Edwin Beeler
Pr0duzent: Calypso Film AG, Edwin Beeler
Erzähler: Hanspeter Müller-Drossaart
Darstellerinnen:
Anna Beeler-Nussbaumer
Agatha Schuler-Nussbaumer
Ruth Besmer-Nussbaumer
Erich Nussbaumer
Adolf Besmer
Edi Iten
Alois Rogenmoser und
David Meile als «Bub»
Kinostart – Vorpremieren – Premiere – Solothurner Filmtage 2026
Am 15. Januar 2026 ist der Kinostart von «Der Mann auf dem Kirchturm» des 1958 in Rothenthurm geborenen Filmemachers Edwin Beeler.
Premiere ist am 15. Januar um 18.00 Uhr in Anwesenheit des Regisseurs im Kino Schwyz.
Schon zuvor gibt es Vorpremieren in Zug (Kino Seehof 1, 10. Januar, 17.00 Uhr), Luzern (Kino Bourbaki 1, 11. Januar, 11.00 Uhr), Einsiedeln (cinebox, 11. Januar, 17.45 Uhr), Bern (Kino Rex, 12. Januar, 18.00 Uhr), St.Gallen (Kinok, 13. Januar, 18.15 Uhr) und nochmals Luzern (Lunch-Kino Bourbaki 1, 14. Januar, 12.15 Uhr).
Am 24. Januar läuft der Film ab 09.15 Uhr im «Uferbau» im «Panorama Schweiz / Suisse» an den Solothurner Filmtagen, am 28. Januar dann ab 11.30 Uhr im Solothurner «Canva Club».
Video:
Edwin Beeler, «Der Mann auf dem Kirchturm», Trailer
Kontakt:

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Kommentare von Daniel Leutenegger