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11. Mai 2026

ZUM TOD DES SCHWEIZER FOTOGRAFEN ROLAND ISELIN

Der am 17. Juli 1958 in Kreuzlingen geborene renommierte Schweizer Fotograf Roland Iselin ist am Montag, dem 4. Mai 2026, nach langer Krankheit gestorben. «Mit einer sich stets weiterentwickelnden Bildsprache und grosser Sensibilität für die Möglichkeiten des fotografischen Mediums setzte er sich mit Eigenheiten des menschlichen Daseins auseinander», schreibt die Fotostiftung Schweiz. Sie verwaltet Roland Iselins Archiv und wird ihren Teil zur Sichtbarmachung des Lebenswerks von Roland Iselin leisten, wie die Stiftung mitteilt.

02 Roland Iselin, Jackie60@Mother‘s, New York, 1998 Aus der Werkgruppe „Human Resources" © Roland Iselin-Archiv / Fotostiftung Schweiz

Bild: Roland Iselin, Jackie60@Mother‘s, New York, 1998. Aus der Werkgruppe «Human Resources» © Roland Iselin-Archiv / Fotostiftung Schweiz

Mit seiner legendären Werkgruppe «If You Close the Door, the Night Could Last Forever» mischte Roland Iselin (1958-2026) in den 1990er-Jahren die Zürcher Fotoszene auf. Seine Aufnahmen von Grossstadtriten, von Orten, an denen Menschen, wenn es draussen dunkel wird, zusammenfinden und in ihren Outfits eine Zusammengehörigkeit demonstrieren, waren für Schweizer Verhältnisse Punk. Iselin schnitt Köpfe an und ab, blitzte und zelebrierte die Farbfotografie.

Obwohl er mit diesem Stil Erfolg hatte, liess er sich nicht darauf festschreiben, sondern entwickelte seine Bildsprache stetig weiter. Im Bewusstsein für die Konstruktion fotografischer Bilder bewegte er sich von eingefangenen, oftmals zufälligen und skurrilen Momenten zu einer immer grösseren Kontrolle über das Bild. Er inszenierte Porträts vor vorgefundenen Hintergründen, in Wohnungen, dann im Studio und arbeitete 2007 zum ersten Mal wie ein Regisseur mit Schauspielern, die nach seinen Anweisungen an einer von ihm gewählten Location eine Situation darstellen – eine Geschichte.

In den 2010er-Jahren trat Iselin wieder in die Rolle des Beobachters zurück und fotografierte durch die Nutzung der Menschen gestaltete Landschaften, Zwischenzonen und Siedlungsgebiete in den USA, Nordirland und der Schweiz.

Roland Iselin, Polyball, ETH Zürich, November 1993 Aus der Werkgruppe „If You Close the Door, the Night Could Last Forever" © Roland Iselin-Archiv / Fotostiftung Schweiz

Bild: Roland Iselin, Polyball, ETH Zürich, November 1993. Aus der Werkgruppe «If You Close the Door, the Night Could Last Forever» © Roland Iselin-Archiv / Fotostiftung Schweiz

Roland Iselins sehr unterschiedliche Werkgruppen sind eine Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten dieses Mediums, etwas darüber zu erzählen, was die Menschen umtreibt, so beispielsweise in seiner Serie «Members», die Mitglieder von Vereinen zeigt – ohne sie blosszustellen.

«Iselins Arbeit ist aber stets auch eine Hommage an die Fotografiegeschichte, an Fotograf:innen, deren Bilder er in seinem Herzen mit sich trägt, ebenso wie Filme und Bücher, die ihn inspirierten. Zeitgleich mit der Corona-Epidemie traf Iselin die Diagnose seiner Krebserkrankung, die seine fotografische Arbeit immer mehr einschränkte und den Wunsch stärkte, sein Werk zu sichern.», schreibt die Fotostiftung Schweiz.

Roland Iselin, Webster Hall, New York, 1999 Aus der Werkgruppe „Human Resources" © Roland Iselin-Archiv / Fotostiftung Schweiz

Bild: Roland Iselin, Webster Hall, New York, 1999. Aus der Werkgruppe «Human Resources» © Roland Iselin-Archiv / Fotostiftung Schweiz

«Die Fotostiftung Schweiz wird das fotografische Archiv, das zum Grossteil bereits übergeben wurde, pflegen und dafür sorgen, dass es sichtbar bleibt. Für Herbst 2027 plant das Kunstmuseum Thurgau, das ebenfalls Werkgruppen von Iselin in der Sammlung bewahrt und seine Arbeit verfolgt hat, zusammen mit der Fotostiftung Schweiz eine retrospektive Ausstellung in der Kartause Ittingen. Begleitend soll eine Publikation erscheinen, die das vielseitige Schaffen von Roland Iselin würdigt. Beide Institutionen bedauern sehr, dass Roland Iselin am 4. Mai gestorben ist. Kurz zuvor sagte er über sein Werk: ‹Ich habe immer mit der Freude der Menschen gearbeitet›», ist in der Mitteilung zu lesen, die die Fotostiftung Schweiz heute verschickt hat.

lh

Der Beobachter

Roland Iselin porträtierte die Zürcher Technoszene, hatte ein Faible für Landschaften und er ging politischen Konflikten fotografisch auf den Grund. Vor wenigen Tagen ist der im Thurgau aufgewachsene Fotograf nach langjähriger Krankheit verstorben.

Wir trafen uns nicht oft, aber wenn wir uns in den vergangenen Jahren sahen, dann begegnete ich mit Roland Iselin einem stets freundlichen, aber auch sehr zurückhaltenden Menschen. Er wusste, was er konnte, hat es aber nie laut herausposaunt. Vielleicht lag das auch an seiner Herkunft. Schliesslich war ihm eine künstlerische Karriere nicht unbedingt in die Wiege gelegt.

«Da, wo ich herkomme, hat man nicht studiert, da machte man eine Lehre und arbeitete», erzählte mir Iselin bei einem unserer Treffen. So etwas wie Kunst spielte in seiner Familie keine Rolle. «Ich habe das alles erst später kennengelernt und für mich entdeckt», sagte er damals. Da, wo er herkam, das war Sulgen. Dort startete er zunächst in ein gänzlich unkünstlerisches Leben. Im August 1974 mit einer Ausbildung zum «uniformierten Postbeamten».

Michael Lünstroth

https://www.thurgaukultur.ch/magazin/der-beobachter-6446

Bild: Roland Iselin – Foto: Nadine Hofer, https://kunstmuseum.tg.ch/de/sammlung/sammlung/kuenstlerinnenkuenstler-von-a-z/kuenstler.html/7914/artist/54

Mehr:

https://www.rolandiselin.org/pagez

https://www.instagram.com/rolandiselin

https://www.facebook.com/roland.iselin

https://fotostiftung.zetcom.net/de/collection/?f=relatedWorks_714_Roland+Iselin

https://recherche.sik-isea.ch/de/sik:person-9733630/in/sikart/actor/list

https://www.schweizerkulturpreise.ch/de/roland-iselin

https://kunstmuseum.tg.ch/de/sammlung/sammlung/kuenstlerinnenkuenstler-von-a-z/kuenstler.html/7914/artist/54

https://www.kunstbulletin.ch/de/users/roland-iselin

https://thurgaukultur.ch/magazin/der-spaetstarter-4118

https://old.likeyou.com/likeyou_nextgeneration/archives/photography/roland_iselin.htm

https://cain.ulster.ac.uk/roland_iselin/introduction.html

Roland Iselin, Kreis 7, Quartier Witikon, Statistische Zone Glockenacker, Rütiweg aus der Werkgruppe „Stadt Rand", 2020-2022 © Roland Iselin-Archiv / Fotostiftung Schweiz

Bild: Roland Iselin, Kreis 7, Quartier Witikon, Statistische Zone Glockenacker, Rütiweg. Aus der Werkgruppe «Stadt Rand», 2020-2022 © Roland Iselin-Archiv / Fotostiftung Schweiz

#RolandIselin #FotostiftungSchweiz #CHcultura @CHculturaCH ∆cultura cultura+

  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 11. Mai 2026
  • Bildende Kunst, Fotografie, Grafik, Architektur, Design, Information und Dokumentation, Kulturförderung, Kulturvermittlung, Kultur- und Medienpolitik, Museum, Ausstellung, Galerie

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