10. Mai 2026
DER SCHWEIZER GALERIST UND KUNSTSAMMLER BRUNO BISCHOFBERGER IST GESTORBEN
Der am 1. Januar 1940 in Zürich geborene, international renommierte Schweizer Galerist und Kunstsammler Bruno Bischofberger (im Bild Zweiter von rechts) ist gestorben, wie seine Galerie auf Instagram bekannt gibt (*). Bischofberger wurde u.a. berühmt durch seine pionierhafte Zusammenarbeit mit Künstlern wie Roy Lichtenstein, Robert Rauschenberg, Andy Warhol, Claes Oldenburg, Sol Le Witt, Bruce Naumann oder Jean-Michel Basquiat, aber auch mit Schweizern wie Jean Tinguely oder Daniel Spoerri.

Bild: (v.l.) Andy Warhol, Jean-Michel Basquiat, Bruno Bischofberger und Fransesco Clemente, New York, 1984 – Foto: © Galerie Bruno Bischofberger – Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.en – Datei: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Andy_Warhol,_Jean-Michel_Basquiat,_Bruno_Bischofberger_and_Fransesco_Clemente,_New_York,_1984.tif?page=1
Bruno Bischofberger eröffnete seine erste Galerie 1963 in der Pelikanstrasse in Zürich, damals noch unter dem Namen City-Galerie. 1965 zeigte er in seiner Galerie seine erste Pop-Art-Ausstellung mit Werken von Roy Lichtenstein, Robert Rauschenberg, Andy Warhol, Tom Wesselmann, Claes Oldenburg und Jasper Johns. In den 1970er-Jahren stellte Bischofberger neben der amerikanischen Pop-Art Künstler der Minimalismus-, Land Art- und der Konzeptkunst aus, wie Sol Le Witt, Donald Judd, Dan Flavin, Bruce Nauman, Joseph Kosuth, On Kawara sowie des Nouveau Réalisme in Paris, wie Yves Klein, Daniel Spoerri und Jean Tinguely.
Zwischen 1982 und 2005 wurde von Bischofbergers Frau Christina der Catalogue raisonné in drei Bänden von Jean Tinguely herausgegeben. In den 1980er-Jahren nahm er aufstrebende Schlüsselfiguren der aufkommenden neoexpressionistischen Strömungen wie Miquel Barceló, Jean-Michel Basquiat, Mike Bidlo, George Condo, Francesco Clemente, Enzo Cucchi, Dokoupil, Peter Halley, David Salle und Julian Schnabel in sein Programm auf.
2009 und 2010 wurden in der Kunsthalle Bielefeld in zwei Ausstellungen unter dem Namen «The 80s Revisited – Aus der Sammlung Bischofberger I & II«, die 1980er-Jahre-Künstler Bischofbergers gezeigt. Dabei waren auch die Neuen Wilden aus Berlin wie Rainer Fetting oder Salomé und die Mülheimer Freiheit um Walter Dahn und Dokoupil vertreten. Zu den meisten unterhielt Bischofberger, zum Teil bis zuletzt, eine enge persönliche Beziehung.
2013 verlegte die Galerie ihren Standort von Zürich nach Männedorf, wo Bischofberger seit 2005 auf einem ehemaligen Fabrikgelände von seiner Tochter Nina Bischofberger und deren Mann, Florian Baier, verschiedene Bauten errichten liess. Dort befinden sich nebst den Galerieräumlichkeiten auch Ausstellungs- und Lagerräume für die Kunst sowie Objekte der diversen Sammlungen. Seit Mitte der 1980er-Jahre inserierte Bischofberger seine Ausstellungen auf dem Backcover der Zeitschriften «Artforum» und «Kunstbulletin». Anstatt Kunstwerke der Ausstellung zu zeigen, nutzte er Fotografien volkstümlicher Schweizer Szenen. 2018 widmete der Künstler Peter Fischli gemeinsam mit Hilar Stadler, Kurator des Museums im Bellpark in Kriens, diesen Backcovern eine eigene Ausstellung.
Besonders bekannt ist Bischofberger für seine enge Beziehung zu Andy Warhol und Jean-Michel Basquiat. Warhol traf er 1966 zum ersten Mal in New York. Bei einem weiteren Treffen 1968 zeigte Warhol ihm frühe, unveröffentlichte Arbeiten. Davon durfte Bischofberger elf sehr wichtige auswählen, darunter von Hand gemalte Frühwerke, wie «Superman», «Batman», ein farbiges Coca-Cola-Bild sowie mehrere grosse, zum Teil als Doppel-Panel ausgeführte Disaster-Bilder (Car crashes) und frühe Portraits aus den Jahren 1961 bis 1963. Warhol versprach Bischofberger ein Vorkaufsrecht auf all seine künftigen Werke, das bis zu Warhols Tod 1987 hielt.
Bischofberger reiste mehrmals im Jahr nach New York City. 1970 fertigte Warhol ein Portrait von Bischofberger an, woraufhin er den Künstler dazu anregte, Auftragsportraits mit Normmassen und Festpreisen für Kunden der Galerie anzufertigen, die für Jahre Warhols wichtigste Einnahmequelle darstellten.
Basquiats Werk sah Bischofberger zum ersten Mal 1981, und ein Jahr später wurde er dessen Hauptgalerist weltweit bis zum Tod des Künstlers 1988. Ausserdem war es Bischofberger, der Warhol und Basquiat einander vorstellte, und später auch ihre Kollaborationen mit Francesco Clemente anregte. Daraufhin setzten die beiden Künstler ihre Kollaboration eigenständig fort. Dabei überzeugte Basquiat Warhol, wieder von Hand zu malen, nachdem dieser 23 Jahre lang ausschliesslich mit dem Siebdruckverfahren gearbeitet hatte.
Auf die Idee für die Künstlerkollaborationen kam Bischofberger, weil Basquiat bei einem Besuch in der Schweiz mehrere Kunstwerke mit Bischofbergers damals dreijähriger Tochter Cora erstellte.
Bischofberger gründete 1969 das «Interview Magazin» gemeinsam mit Warhol. In Julian Schnabels Spielfilm «Basquiat» von 1996 wird Bruno Bischofberger von Dennis Hopper dargestellt.
https://de.wikipedia.org/wiki/Bruno_Bischofberger
Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de
Am 10.05.2026 von ch-cultura.ch aufgrund des Todes von Bruno Bischofberger geringfügig redigiert

Bild: Bruno Bischofberger, 2007 – Foto: Diptyque, https://en.wikipedia.org/wiki/User:Diptyque – Public domain – Datei: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bruno_Bischofberger_1.jpg
Er war der berühmteste Pop-Art-Galerist der Welt
Als Freund und Händler der Kunstsuperstars Warhol und Basquiat wurde der notorisch medienscheue Zürcher Bruno Bischofberger selbst zu einer Art Mythos. Nun ist der Mann der eigenwilligen Vorlieben im Alter von 86 Jahren verstorben.
Thomas Wyss
https://www.tagesanzeiger.ch/bruno-bischofberger-pop-art-galerist-ist-mit-86-verstorben-638052529705
Die Schweizer Kunstwelt verliert eine ihrer prägendsten Figuren
Der international renommierte Kunsthändler Bruno Bischofberger ist tot. Wie seine Galerie auf Instagram mitteilte, verstarb der Entdecker von Pop-Art-Grössen wie Warhol und Basquiat mit 86 Jahren. Der Schweizer galt als einer der bedeutendsten Galeristen weltweit und war massgeblich daran beteiligt, die US-Pop-Art in Europa zu etablieren.
Bereits im Jahr 1965 organisierte Bischofberger im Alter von nur 25 Jahren die erste relevante Ausstellung mit Werken von Roy Lichtenstein (1923–1927) und Andy Warhol (1928–1987) in Zürich. Zu Warhol pflegte er eine jahrzehntelange geschäftliche und private Beziehung. Er hielt bis zu Warhols Tod im Jahr 1987 ein exklusives Erstkaufrecht an dessen Werken. In den 1980er-Jahren entdeckte er zudem Jean-Michel Basquiat (1960–1988) und förderte dessen internationale Karriere entscheidend.
Laszlo Schneider
Videos:
Fernsehen SRF, «Kulturplatz» vom 04.02.2009, 8 Min
In Bruno Bischofbergers Reich
Bruno Bischofberger, Art Dealer, Collector about Warhol Basquiat Collaborations, Zurich, March 2023
Basquiat, Warhol reunited in Paris exhibition • FRANCE 24 English
Basquiat: Rage to Riches | Trailer | iwonder.com
BOWIE AS ANDY WARHOL IN BASQUIAT ~ FULL MOVIE 1996
Mehr:
(*) https://www.instagram.com/p/DYIW22eDHko/
https://www.brunobischofberger.com/?lang=de
https://www.brunobischofberger.com/history
https://www.facebook.com/photo?fbid=971923755575457&set=pcb.971923792242120
https://portal.dnb.de/opac.htm?method=simpleSearch&query=1046604562
https://www.tagesanzeiger.ch/galerist-zeigt-seine-pop-art-103300070769
https://www.pinacoteca-agnelli.it/en/exhibitions/prehistory-to-the-future-2008
https://recherche.sik-isea.ch/de/sik:document-14137990/in/sikisea/document/tiles
https://www.bilanz.ch/people/bruno-bischofberger
https://en.wikipedia.org/wiki/Bruno_Bischofberger
https://de.wikipedia.org/wiki/Bruno_Bischofberger
#BrunoBischofberger #GalerieBrunoBischofberger #CHcultura @CHculturaCH ∆cultura cultura+
Kommentare von Daniel Leutenegger