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27. Februar 2026

«KERRY JAMES MARSHALL: THE HISTORIES | GESCHICHTE(N)»

Ausstellung im Kunsthaus Zürich, vom 27. Februar bis am 16. August 2026

Kerry James Marshall. The HistoriesAusstellungsansichten Kunsthaus Zürich, 2026© Kerry James Marshall, Foto: Franca Candrian, Kunsthaus Zürich

Bild: Kerry James Marshall, The Histories, Ausstellungsansicht Kunsthaus Zürich, 2026 – © Kerry James Marshall – Foto: Franca Candrian, Kunsthaus Zürich

Das Kunsthaus Zürich präsentiert erstmals in der Schweiz das monumentale Werk des US-amerikanischen Künstlers Kerry James Marshall, einem der wichtigsten Maler der Gegenwart. Seine lebendigen, vielschichtigen Gemälde stellen Fragen nach Sichtbarkeit, Zugehörigkeit und historischer Verantwortung – und eröffnen neue Perspektiven auf die Kunstgeschichte.

Zum ersten Mal wird dem amerikanischen Künstler Kerry James Marshall (geboren 1955 in Birmingham, Alabama; lebt in Chicago) in der Schweiz eine umfassende Ausstellung seiner grossformatigen, bis zu sieben Meter breiten Gemälde gewidmet. Nach London ist die Ausstellung im Kunsthaus Zürich zu sehen, bevor sie weiter nach Paris reist. Marshall zählt zu den einflussreichsten Kunstschaffenden der Gegenwart und übt einen nahezu beispiellosen Einfluss darauf aus, wie Repräsentation, Kunstgeschichte und soziale Machtverhältnisse durch die Malerei zum Ausdruck gebracht werden.

Könnerschaft und Kunstgeschichte

Marshall malt grosse, allegorische, anspielungsreiche und höchst virtuose Gemälde, die von einem konzeptuell komplexen Geflecht persönlicher und kultureller Bezugspunkte leben. Er greift auf einen reichen Fundus an Bildmotiven aus Geschichte und Populärkultur zurück, die in manchen Fällen zuvor kaum miteinander in Verbindung gebracht wurden. Inhaltlich steht im Zentrum von Marshalls Schaffen ferner die kritische Auseinandersetzung mit der marginalisierten Darstellung Schwarzer Menschen in der westlichen Bildtradition. Bereits früh beschäftigte er sich mit der Kunstgeschichte und ihren Institutionen – mit Museen, Akademien und den darin vermittelten Bildkonventionen. Seit Mitte der 1980er-Jahre untersucht er gezielt das Genre der Historienmalerei – einst höchstes künstlerisches Prestigeformat. Seine Frage: Wie lässt sich Schwarze Geschichte überhaupt sichtbar machen, wenn weisse Institutionen ihr über Jahrhunderte keinen Raum gaben?

Kerry James Marshall. The HistoriesAusstellungsansichten Kunsthaus Zürich, 2026© Kerry James Marshall, Foto: Franca Candrian, Kunsthaus Zürich

Bild: Kerry James Marshall, The Histories, Ausstellungsansicht Kunsthaus Zürich, 2026 – © Kerry James Marshall – Foto: Franca Candrian, Kunsthaus Zürich

Ein Pionier neuer Sichtbarkeit

Marshall gilt als Wegbereiter im Aufbrechen kunsthistorischer Ausschlussmechanismen. Einen Wendepunkt markierte Marshalls Retrospektive «Mastry» (2016), die in Chicago, New York und Los Angeles gezeigt wurde. Sie war eine der ersten grossen mehrteiligen Museumsausstellungen eines lebenden Schwarzen Künstlers und wurde international als Meilenstein gefeiert.

Parallel dazu veränderte sich in den letzten zwanzig Jahren die öffentliche Sichtbarkeit Schwarzer Kunst markant. Marshall selbst reflektierte 2010 im Arts Club of Chicago die geringe Zahl Schwarzer Besuchender und die ebenso geringe Präsenz Schwarzer Figuren in musealen Sammlungen – ein Verhältnis, das seiner Ansicht nach symptomatisch für strukturelle Ausschlüsse ist.

Farbenpracht und kritische Befragung

Seine Gemälde wirken auf den ersten Blick farbenprächtig und virtuos. Unter der Oberfläche entfalten sich komplexe Erzählungen über Themen wie Bürgerrechtsbewegungen, transatlantische Sklaverei, kulturellen Transfer und Schwarze Alltagskultur. Das Werk «The Club» (2011/12) etwa zeigt eine lebhafte Clubszene, die zugleich tief in historischen Symbolen und Identitätsfragen verwurzelt ist. Marshall verbindet präzise Maltechnik – glänzende Haut, textile Oberflächen, ikonografische Muster – mit einer Erzählung über Freude, Präsenz und Selbstbestimmung.

Kerry James Marshall, Untitled (Beauty Queen), 2014Acryl und Glitzer auf PVC-Platte, 182,2 x 152 cmDefares Collection© Kerry James Marshall. Courtesy of the artist and David Zwirner, London. Foto: Jack Hems

Bild: Kerry James Marshall, Untitled (Beauty Queen), 2014, Acryl und Glitzer auf PVC-Platte, 182,2 x 152 cm, Defares Collection © Kerry James Marshall. Courtesy of the artist and David Zwirner, London – Foto: Jack Hems

Werk mit universeller Aussage

Ausstellungskurator Mark Godfrey fasst die Bedeutung von Marshalls Werk zusammen: «Wenn anhaltende Ungleichheit dazu führt, Mythen eines goldenen Zeitalters zu konstruieren, wenn ausgelöschte Geschichten Anerkennung fordern, dann konfrontieren uns diese Gemälde mit der Frage, was nötig wäre, um sich der Geschichte ehrlich zu stellen. […] Die universelle Botschaft lautet zudem, dass damit ein Prozess der Heilung beginnt.»

«I never think of artworks as having a quality that’s intended to mobilize people to action. They don’t make people do things. But they do put questions in the mind of a viewer that they may not have entertained before.»

Kerry James Marshall

Mit dieser gross angelegten Ausstellung würdigt das Kunsthaus Zürich einen der bedeutendsten Kunstschaffenden der Gegenwart – und öffnet einen Raum für Diskussion, Reflexion und neue Perspektiven. Ein Plädoyer für die Sichtbarkeit von bislang Ungezeigtem in der Kunst wie in der Gesellschaft.

Kerry James Marshall, Untitled (policeman), 2015Acryl auf PVC-Platte mit Plexiglasrahmen, 152,4 × 152,4 cmThe Museum of Modern Art, New York. Gift of Mimi Haas in honour of Marie-Josée Kravis, 2016© Kerry James Marshall. Foto: © 2026. Digital image, The Museum of Modern Art, New York /Scala, Florence

Bild: Kerry James Marshall, Untitled (policeman), 2015, Acryl auf PVC-Platte mit Plexiglasrahmen, 152,4 × 152,4 cm, The Museum of Modern Art, New York. Gift of Mimi Haas in honour of Marie-Josée Kravis, 2016 – © Kerry James Marshall – Foto: © 2026. Digital image, The Museum of Modern Art, New York / Scala, Florence

Die Ausstellung wurde organisiert von der Royal Academy of Arts, London, in Zusammenarbeit mit dem Kunsthaus Zürich und dem Musée d’Art Moderne de Paris/Paris Musées. Kuratiert von Mark Godfrey mit Adrian Locke, Rose Thompson und Nikita Sena Quarshie an der Royal Academy of Arts, London, von Cathérine Hug am Kunsthaus Zürich und Fabrice Hergott sowie Emma Nordberg am Musée d’Art Moderne de Paris.

Katalog und Vermittlung

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit Beiträgen von Benjamin H. D. Buchloh, Aria Dean, Darby English, Mark Godfrey, Madeleine Grynsztejn, Cathérine Hug, Nikita Sena Quarshie, Rebecca Zorach. Hirmer Verlag, 256 Seiten, 170 Abb. Er ist für CHF 52.– im Kunsthaus Shop erhältlich.

Öffentliche Führungen finden statt:

März/Mai/Juli: sonntags 11 Uhr, April/Juni/August: donnerstags 18.30 Uhr. Englisch: Samstag, 4. April und 4. Juli, 11 Uhr, Französisch: Samstag, 9. Mai, 11 Uhr.

khz

Kontakt:

https://www.kunsthaus.ch/besuch-planen/ausstellungen/kerry-james-marshall/

#KerryJamesMarshall #HistoriesGeschichten #KunsthausZürich #MarkGodfrey #CHcultura @CHculturaCH ∆cultura cultura+

  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 27. Februar 2026
  • Bildende Kunst, Fotografie, Grafik, Architektur, Design, Museum, Ausstellung, Galerie, Politik und Gesellschaft

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