27. Februar 2026
«MARIA PININSKA BERES. UNDER THE PINK FLAG»
Ausstellung im Kunstmuseum Luzern, vom 28. Februar bis am 14. Juni 2026

Bild: Maria Pininska-Beres, Transparent, 1980, Dokumentation der Performance, Courtesy Archiv der Maria Pininska-Beres und Jerzy Beres Foundation
In der Schweiz gilt Maria Pininska-Beres (1931–1999) als Neuentdeckung, in ihrem Heimatland Polen ist sie längst als Pionierin berühmt. Das Kunstmuseum Luzern widmet der feministischen Künstlerin eine umfassende Retrospektive.

Bild: Ausstellungsansicht Maria Pininska-Beres. Under the Pink Flag, Kunstmuseum Luzern, 2026 – Foto: Marc Latzel
Maria Pininska-Beres ist eine der aussergewöhnlichsten Persönlichkeiten der polnischen Kunst des 20. Jahrhunderts. Zu ihrem Werk zählen Skulpturen, Installationen und Performances. Im Zentrum ihrer poetisch-politischen Kunst steht die Auseinandersetzung mit Weiblichkeit und den damit verbundenen gesellschaftlichen Herausforderungen. Ihr Werk zeugt von den Erfahrungen einer Künstlerin, die sich während des Kalten Krieges aus dem Korsett gesellschaftlicher Zwänge und patriarchaler Ordnung befreit. Sie bricht mit den Konventionen ihrer traditionellen Ausbildung an der Akademie der Bildenden Künste in Kraków und entwickelt eine eigene Formsprache, in die sie weiche Materialien wie Schaumstoff integriert. Die Farbe Rosa ist dabei ihr Erkennungsmerkmal und vermittelt dezidiert ihre kritische Haltung: als vermeintlich weibliche Farbe, die für das Häusliche, den Körper und eine feministische Kritik steht, die sich aber auch deutlich vom omnipräsenten Rot im damals kommunistischen Polen abgrenzt. Sie erzählt von der Vielschichtigkeit in einem autoritären System, in dem die Künstlerin ihren eigenen Weg verfolgt.

Bild: Ausstellungsansicht Maria Pininska-Beres. Under the Pink Flag, Kunstmuseum Luzern, 2026 – Foto: Marc Latzel
Die Retrospektive zeigt die wichtigsten Momente in Pininska-Beres’ künstlerischer und emanzipatorischer Entwicklung. Beginnend mit ihren massiven Zementfiguren, den Rotundy (Rotunden), Anfang der 1960er-Jahre, und später den Gorsety (Korsetten), die sie aus Pappmaché fertigt, lotet sie den Skulpturbegriff aus: «Ich habe das Gewicht in meinen Werken entfernt. Denn ich hatte immer davon geträumt, meine Skulpturen tragen zu können, ohne dass mir jemand (ein Mann) dabei helfen musste.» Ende der 1960er-Jahre konzipiert sie Psychomebelki (Psycho-Miniaturmöbel), in die sie nackte weibliche Körperteile aus bemaltem Pappmaché oder Schaumstoff einfügt.

Bild: Maria Pininska-Beres, Mój uroczy pokoik (Mein hübsches kleines Zimmer), 1975, Courtesy Archiv der Maria Pininska-Beres und Jerzy Beres Foundation, Foto: Marek Gardulski
Die Arbeiten repräsentieren ihre Auseinandersetzung mit weiblicher Sexualität, ihren Freuden und ihrer Objektivierung. Ab den 1970er-Jahren bestimmt die Farbe Rosa ihre Arbeiten und sie realisiert ihre Performances in der Natur. In diesem freien Raum kommentiert sie humorvoll wie kritisch die institutionelle Kunstwelt Polens. Vor dem Hintergrund der dramatischen politischen Situation Anfang der 1980er-Jahre entstehen Arbeiten, die sich mit staatlicher Unterdrückung und politischer Gewalt auseinandersetzen. Maria Pininska-Beres thematisiert wiederholt ihr Gefühl der Marginalisierung in der von Männern dominierten Kunstwelt: In Sztandar autorski (Fahne der Autorin) kämpft sie selbstbewusst um Sichtbarkeit und Anerkennung.
Die Ausstellung greift gleich zweifach in die Kunstgeschichte ein: in jene, die sich auf die Werke von männlichen Künstlern fokussiert, und in jene, die aus westlicher Perspektive geschrieben ist und dabei die facettenreiche Kunst Osteuropas im 20. Jahrhundert übersieht.
Kuratiert von Heike Munder und Jarosław Suchan
kml
Kontakt:
https://www.kunstmuseumluzern.ch/ausstellungen/maria-pininska-beres/

Bild: Maria Pininska-Beres, Sztandar autorski (Fahne der Autorin), 1979, Dokumentation der Performance, Courtesy Archiv der Maria Pininska- Beres und Jerzy Beres Foundation
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Kommentare von Daniel Leutenegger