Zwischen Rückblick und Ausblick: Das Kunsthaus Zürich präsentiert seit dem 10. April 2026 die Dauerleihgabe der Stiftung Sammlung E. G. Bührle «in einer klassischen Salonhängung und macht damit (fast) den gesamten Bestand neu erfahrbar», wie das Kunsthaus schreibt. In der Besprechung der «NZZ» ist zu lesen: «Die Sammlung Bührle wird lieblos wie ein Lagerbestand gezeigt. Das Kunsthaus Zürich präsentiert die Dauerleihgabe der Stiftung Bührle in einer dicht gedrängten Übersichtsschau. Die Werke sind nicht einmal angeschrieben.»

Bild: Paul Gauguin, La Route montante, 1884, Öl auf Leinwand, 46 x 38 cm, Sammlung Emil Bührle, Dauerleihgabe im Kunsthaus Zürich

Bild: Zwischenstand. Sammlung Bührle, Ausstellungsansicht Kunsthaus Zürich, 2026 – Foto: Franca Candrian, Kunsthaus Zürich
Von 2023 bis 2025 war im Kunsthaus Zürich die Ausstellung «Eine Zukunft für die Vergangenheit. Sammlung Bührle: Kunst, Kontext, Krieg und Konflikt» zu sehen. Sie stiess eine breite öffentliche Diskussion an, die auch über die Laufzeit der Ausstellung hinaus weitergeführt wird. Für 2027/2028 ist eine neue, thematisch fokussierte Präsentation der Sammlung geplant.
Bis zu dieser Neuausrichtung zeigt das Kunsthaus Zürich nun einen Zwischenstand: Sämtliche 205 Werke aus der Dauerleihgabe der Stiftung Sammlung E. G. Bührle werden in einer klassischen Salon- beziehungsweise Petersburger-Hängung präsentiert – einer Präsentationsform, wie sie im 19. und frühen 20. Jahrhundert verbreitet war. Zu sehen sind zahlreiche Publikumslieblinge ebenso wie kunsthistorisch bedeutende Werke wie «Le Semeur au soleil couchant» von Vincent van Gogh oder «Irène Cahen d’Anvers (La Petite Irène)» von Auguste Renoir. Die dichte Hängung erlaubt einen ungewohnten Blick auf den gesamten Bestand der Sammlung und macht deren Umfang und Vielfalt unmittelbar erfahrbar. Einzelne Werke, die sich als temporäre Ausstellungsleihgaben in einem anderen Museum oder in der Restaurierung befinden, werden nicht gezeigt. An den entsprechenden Stellen sind Informationen über das Werk zu sehen.

Bild: Zwischenstand. Sammlung Bührle, Ausstellungsansicht Kunsthaus Zürich, 2026 – Foto: Franca Candrian, Kunsthaus Zürich
Ergänzt wird die Präsentation durch eine Archivschau, die die Ausstellungsgeschichte der Sammlung sowie ihre öffentliche Rezeption in unterschiedlichen Epochen und Ländern dokumentiert. Damit wird auch sichtbar, wie sich die Wahrnehmung der Sammlung im historischen und gesellschaftlichen Kontext verändert hat.
Die Ausstellung wurde von einem Kernteam, bestehend aus unterschiedlichen Mitarbeitenden des Kunsthauses, erarbeitet. Parallel dazu wird seit Anfang 2025 in Zusammenarbeit mit einem interdisziplinären Feedbackpanel, bestehend au externen Expertinnen und Experten, an der nächsten grossen Präsentation der Sammlung gearbeitet, die 2027/2028 eröffnet werden soll.
Die Präsentation wird drei inhaltliche Schwerpunkte setzen: Erstens werden die Werke verstärkt in ihren kunsthistorischen Kontext eingebettet, wo möglich im Dialog mit weiteren Beständen des Kunsthaus Zürich. Zweitens wird die Rolle jüdischer Sammlerinnen und Sammler für die Moderne untersucht. Und drittens widmet sich ein Film dem Kontext der Sammlung und der Beziehung zum Kunsthaus.
Das Kunsthaus hat per 1. April 2026 die Provenienzforschung zur Sammlung der Stiftung E. G. Bührle wieder aufgenommen. Die Forschung wird ermöglicht durch die im Februar 2026 genehmigten Mittel der Stadt Zürich.
Quelle / Kontakt:
https://www.kunsthaus.ch/sammlung/private-sammlungen/emil-buehrle

Bild: Zwischenstand. Sammlung Bührle, Ausstellungsansicht Kunsthaus Zürich, 2026 – Foto: Franca Candrian, Kunsthaus Zürich
Mehr:
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Kai Vogt, 08.04.2026
https://tsri.ch/a/kunsthaus-zeigt-weiter-potenziell-belastete-bilder-der-sammlung-buehrle
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Kai Vogt, 08.04.2026
https://tsri.ch/a/kollektiv-kkkk-ueber-die-buehrle-sammlung-und-ihre-provenienz
Die Sammlung Bührle wird lieblos wie ein Lagerbestand gezeigt
Das Kunsthaus Zürich präsentiert die Dauerleihgabe der Stiftung Bührle in einer dicht gedrängten Übersichtsschau. Die Werke sind nicht einmal angeschrieben.
Die Sammlung Bührle ist eine Dauerbaustelle. Lange war sie gar nicht mehr zugänglich. Für die jetzige Präsentation brauchte das Kunsthaus Monate. Dabei ist eigentlich gar keine Ausstellung entstanden. Was als «Salonhängung» oder «Petersburger Hängung» angepriesen wird, ist eine dicht gedrängte Anordnung von Gemälden auf engstem Raum. Die für die Sammlung Bührle im Chipperfield-Bau zur Verfügung stehenden Säle werden nur zur Hälfte genutzt. Damit will man andeuten, dass an dieser Sammlung gearbeitet und geforscht wird, dass sie eigentlich nicht vorzeigbar ist. Noch nicht.
Philipp Meier, 11.04.2026

Bild: Aelbert Cuyp, Gewitter über Dordrecht, um 1645, Öl auf Holz, 77,5 x 107 cm, Sammlung Emil Bührle, Dauerleihgabe im Kunsthaus Zürich
Auf ch-cultura.ch u.a. erschienen:
https://ch-cultura.ch/?s=sammlung+b%C3%BChrle
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Kommentare von Daniel Leutenegger