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8. Juni 2026

MARTIN OESCH UND LINA BRAZEROL AUS DER SCHWEIZ AM COMIC SALON ERLANGEN (D) AUSGEZEICHNET

Am Sonntagabend, 7. Juni 2026, schloss der 22. Internationale Comic-Salon Erlangen (D) seine Pforten. Messeaussteller:innen und Veranstalter:innen sowie das Kulturamt der Stadt Erlangen sind «mit der Resonanz sehr zufrieden», wie sie schreiben: «Über 35'000 Besucher:innen kamen bei idealer Wetterlage zu den Messezelten und den über 20 Veranstaltungsorten in der gesamten Erlanger Innenstadt, - so viele wie nie zuvor. Vier Tage lang drehte sich in Erlangen alles um die Comic-Kunst. Rund 300 Messe-Aussteller:innen und 600 Künstler:innen präsentierten sich ihren Leser:innen in den Messezelt-Hallen, 19 Ausstellungen konnten in der Erlanger Innenstadt entdeckt werden, weit über 300 Veranstaltungen – häufig zu anspruchsvollen kulturpolitischen, künstlerischen und gesellschaftlichen Themen – wurden bemerkenswert gut angenommen.» Der Schweizer Martin Oesch gewann in Erlangen den Preis für das Beste deutschsprachige Comic-Debüt für sein Werk «Fleischeslust». Mit dem erstmals vergebenen Paul-Derouet-Förderpreis an «Abgang» der Schweizerin Lina Brazerol wurde «eine herausragende Publikation aus dem Hochschulbereich gewürdigt». Der Österreicher Franz Suess wurde zum besten deutschsprachigen Comic-Künstler gekürt.

«Bester deutschsprachiger Comic-Künstler» Franz Suess (links) mit dem Schweizer Moderator Christian Gasser (rechts) - Copyright: Internationaler Comic-Salon Erlangen – Foto: Erich Malter, 2026

Bild: «Bester deutschsprachiger Comic-Künstler» Franz Suess (links) mit dem Schweizer Moderator Christian Gasser – Copyright: Internationaler Comic-Salon Erlangen – Foto: Erich Malter, 2026

Mit dem vor wenigen Wochen neu eröffneten Erlanger Kultur- und Bildungscampus (kubic) ist ein zusätzliches Festivalzentrum entstanden, an dem unter anderem das umfangreiche Kinder- und Familienprogramm «Kinder lieben Comics» mit Workshops, offenen Werkstätten, Lesungen, Live-Zeichen-Aktionen und einer Rallye stattfand, und das allein rund 5’000 Besucher:innen anlockte. Neben den Ausstellungs-Highlights «Christoph Niemann. Auf den Punkt» im Erlanger Kunstpalais, «Was gibt’s denn da zu lachen? Die komische Kunst des Walter Moers» im Stadtmuseum, «Silent Comics. Wie man ohne Worte viel sagen kann» und «Isabel Kreitz – Der Stift ist mein sechster Finger» im Kunstmuseum Erlangen sowie der grossen Simpsons-Schau «Gelber wird’s nicht!» erfreuten sich auch kleinere Ausstellungen zu politischen Themen wie «#iceoutcomics – Mit dem Stift gegen Trump und die US-Abschiebepolitik», «Roya Soraya – Wind in meinem Kopftuch», oder «Schattenleben – Menschen ohne Papiere erzählen» grossen Interesses.

Auch die Aussteller:innen der Messe äusserten sich über die 22. Ausgabe des Internationalen Comic-Salons sehr positiv: «Der Internationale Comic-Salon ist für uns immer wieder der perfekte Ort, um mit den Fans und unseren Künstlerinnen die Premieren und Neuerscheinungen zu feiern», heisst es aus dem Hause Egmont Ehapa, das in Erlangen den Auftakt zu «75 Jahre Micky Maus Magazin» zelebrierte.

Dirk Rehm, Chef des Verlags Reprodukt, hatte 25 internationale Künstler:innen eingeladen, darunter den französischen Superstar Lewis Trondheim – «eine Investition, die sich gelohnt hat», bestätigte er. Der Berliner avant-verlag hatte unter anderem José Muñoz und Dominique Bertail nach Erlangen geholt. Johann 2 Ulrich sprach vom «besten Salon» für ihn überhaupt. Auch Claudia Jerusalem vom Carlsen Verlag äusserte sich sehr zufrieden und hob hervor, dass sie nicht nur am Stand, sondern auch bei den zahlreichen Veranstaltungen mit Beteiligung ihres Verlags das immer stetig wachsende Publikumsinteresse beobachten konnte. Dirk Schulz vom Splitter-Verlag bemerkte mehr ausländische Lizenzgeber:innen unter den Gästen des Salons, und für Steffen Volkmer von Panini Comics ist der Comic-Salon Erlangen «ein unverzichtbarer Teil der deutschen und internationalen Comic-Szene», und so hob er die inhaltliche und ästhetische Vielfalt der vielen Veranstaltungen und Ausstellungen hervor sowie die Sichtbarkeit des Festivals in der Stadt.

In der abschliessenden Bilanz-Runde am späten Sonntagnachmittag mit Verlagsvertreter:innen unter der Moderation von Alex Jakubowski wurde nicht nur auf den Salon zurückgeblickt, sondern auch ein Blick auf die Situation der Branche insgesamt geworfen. Dabei wurde deutlich, dass die Stimmung eher von gedämpftem Optimismus geprägt ist. Die Kostensteigerungen in der Produktion bei gleichzeitig schwindender Kaufkraft der Leser:innen stellen die Verlage, gerade bei hochwertig hergestellten Büchern, vor zunehmende Herausforderungen. Immerhin sei der Comic-Markt nach wie vor wachsend, im Gegensatz zum Buchmarkt insgesamt. Steffen Volkmer von Panini Comics sieht jedoch die Potenziale der grafischen Literatur noch längst nicht ausgeschöpft: «Der Markt ist immer noch nicht voll erschlossen». «Wir müssen noch mehr Comics deutschsprachiger Künstler:innen publizieren, die Themen behandeln, die uns im deutschsprachigen Raum beschäftigen», ergänzte Dirk Rehm von Reprodukt. Dabei würde der Internationale Comic-Salon eine wichtige Rolle spielen, bei dem, wie bei kaum einer anderen Veranstaltung, neue Zielgruppen für die grafische Literatur gewonnen werden.

Das Problem sei jedoch, so die einhellige Meinung auf dem Podium, dass immer noch viel zu wenige Künstler:innen in Deutschland von Comics leben können. Die meisten verdienen ihren Lebensunterhalt mit Illustrations-Aufträgen, die durch die Künstliche Intelligenz gefährdet sind. Überhaupt war KI ein zentrales Thema, auch beim Abschluss-Panel: Im Print-Bereich gehen die Verlage nicht davon aus, dass KI-generierte Comics den Markt erobern werden. Marie-France Lombardo von der Schweizer Edition Moderne betonte auf dem Podium, dass die Leser:innen sich auch für die Menschen hinter den Büchern interessieren.

Dennoch forderten Künstler:innen aus dem Publikum eine klare Haltung der einflussreichen Comic-Verlage und eine Ächtung von KI-generierten Comics.

Bild: © Lina Brazerol, «Abgang» – https://www.linabrazerol.ch/

Im Rahmen des Internationalen Comic-Salons Erlangen wurde mit dem Max und Moritz-Preis die wichtigste Auszeichnung für grafische Literatur im deutschsprachigen Raum in acht Kategorien vergeben: Der Preis für den Besten Sachcomic ging an «Die Frau als Mensch» von Ulli Lust, als Bester deutschsprachiger Comic wurde «Der verkehrte Himmel» von Mikael Ross ausgezeichnet, der Beste internationale Comic ist «In den trüben Gewässern Istanbuls» von Özge Samancı, Franz Suess wurde zum besten deutschsprachigen Comic-Künstler gekürt.

Der Max und Moritz-Preis für den Besten Comic für Kinder ging an «Der Zahn» von Ayşe Klinge, der Preis für das Beste deutschsprachige Comic-Debüt an «Fleischeslust» von Martin Oesch aus der Schweiz. Mit dem erstmals vergebenen Paul-Derouet-Förderpreis an «Abgang» der Schweizerin Lina Brazerol wurde «eine herausragende Publikation aus dem Hochschulbereich mit einer Einladung zum renommierten Internationalen Comic-Seminar Erlangen gewürdigt». Den Spezialpreis der Jury erhielt der Publizist Andreas C. Knigge für seine herausragenden Verdienste um die Comic-Kunst in Deutschland.

Wie schon im Vorfeld der Preisverleihung bekannt gegeben, wurde die britische Künstlerin Posy Simmonds mit dem Sonderpreis für ein herausragendes Lebenswerk geehrt.

Der 23. Internationale Comic-Salon Erlangen wird vom 15. bis 18. Juni 2028 stattfinden.

cp

Kontakt:

https://www.comic-salon.de/de

Ausstellung: Edition Moderne präsentiert: Martin Oesch – Fleischeslust Copyright: Edition Moderne / Martin Oesch

Aus der Ausstellung «Edition Moderne präsentiert: Martin Oesch – Fleischeslust» – ©: Edition Moderne / Martin Oesch, https://www.editionmoderne.ch/buch/fleischeslust/ – https://www.tinuoesch.ch/info

#ComicSalonErlangen #FranzSuess #MartinOesch #LinaBrazerol #CHcultura @CHculturaCH ∆cultura cultura+

  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 8. Juni 2026
  • Cartoon, Comix, Karikatur, Druck, Verlag, Printprodukte, Medienhäuser, Feste / Festivals / Messen / Börsen, Kulturförderung, Kulturvermittlung, Kultur- und Medienpolitik

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