1. März 2026
«FOKUS. HANS FISCHLI (1909-1989)»
Ausstellung im Rahmen von «Kosmos Klee. Die Sammlung», Zentrum Paul Klee (ZPK) , Bern, bis am 3. Mai 2026

Bild: Hans Fischli, Zellengebilde 89, 1930, Tusche und Farbstift auf Papier, 26,5 × 20,5 cm, © Nachlass Hans Fischli
Der Schweizer Künstler, Architekt und Bauhausschüler Hans Fischli (1909-1989) steht im Zentrum einer thematischen Präsentation im Rahmen der Dauerausstellung «Kosmos Klee» im Zentrum Paul Klee. Ausgehend von einer Serie zarter Papierarbeiten sowie von drei Architekturprojekten aus den bewegten 1930er- und 1940er-Jahren nimmt die Fokus-Ausstellung Fischlis Frühwerk in den Blick. Einige der ausgestellten Zeichnungen sind während einer dreimonatigen Haftstrafe im Bezirksgefängnis Meilen entstanden.
Nach einer Bauzeichnerlehre in Zürich studierte Hans Fischli ab 1928 am Bauhaus in Dessau, wo er den Unterricht von Paul Klee, Josef Albers, Wassily Kandinsky und Oskar Schlemmer besuchte. Im Anschluss an seine Ausbildung arbeitete Fischli als Bauzeichner und Architekt in der Schweiz. Daneben widmete er sich als Künstler für einige Jahre beinahe ausschliesslich dem Medium der Zeichnung. Im Schatten des Ersten Weltkriegs und des aufkommenden Nationalsozialismus in Deutschland entstand ab Ende der 1920er-Jahre eine umfangreiche Serie zarter Farbstift- und Tuschezeichnungen.
Die «Fokus»-Ausstellung zeigt Zeichnungen aus den Werkgruppen «Zellengebilde», «Celerina» und «Montana» und eröffnet Fragen zum historischen und diskursiven Kontext der Schweizer Moderne.
«‹Ich komme erst gar nicht, um mich von euch prüfen zu lassen, ob ihr mich wollt oder ob ihr mich brauchen oder nicht brauchen könnt, ich will nicht.› Das führte zu drei Monaten Isolationshaft, die für mich enorm wichtig gewesen sind, weil ich endlich einmal nichts anderes machen konnte als zu zeichnen.»
Hans Fischli im Interview, 11. April 1986
Im Sommer 1930 verbüsste Fischli wegen Dienstverweigerung eine dreimonatige Haftstrafe im Bezirksgefängnis Meilen im Kanton Zürich. Während dieser Zeit entstand die nummerierte Werkgruppe «Zellengebilde», deren Titel auf den Entstehungsort in der Gefängniszelle verweist. Zur Verfügung standen Fischli in seiner Zelle nur bescheidene Mittel. Auf kleinem Format schuf er filigrane, organische Formen und Figuren mit Tusche und Bleistift, teilweise auch mit sanfter Aquarell- oder Farbstiftkolorierung.
Während in einigen Gebilden menschliche Züge zu erkennen sind, scheinen andere Zeichnungen Tiere, Pflanzen oder Fabelwesen darzustellen. Das Träumerische dieser Fantasiebilder unterscheidet sich von der Auffassung einer konstruktiven Moderne, die nach objektiven, rationalen Prinzipien in der Abstraktion strebt.

Bild: Hans Fischli, Zellengebilde, 1931, Tusche und Farbstift auf Papier, 43,5 × 37 cm © Nachlass Hans Fischli
Über das bildnerische Frühwerk hinaus, stellt die «Fokus»-Ausstellung drei ausgewählte Architekturprojekte Fischlis vor, welche die bewegte politische Zeit der 1930er- und 1940er-Jahre widerspiegeln. Darunter ist auch ein bisher kaum beachtetes Frühwerk: Ab 1936 entwarf er unter zunehmend widrigen Umständen ein Atelierwohnhaus im Schwarzwald (DE) für seinen Freund und ehemaligen Lehrer am Bauhaus, Oskar Schlemmer. Nachdem die Reichsversicherung ihren Baukredit zurückgezogen hatte, wurde das Projekt zu einem Zeugnis des Bauens am Existenzminimum.
Die «Fokus»-Ausstellung zeigt Fischli darüber hinaus als Architekt im Dienste der Gesellschaft. So etwa als Ausstellungsarchitekt für die Wanderausstellung «Kriegsgefangen» (1945) des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz oder als pädagogisch interessierten Erbauer des Kinderdorfes für Kriegswaisen La Rasa in Norditalien (1949/50).
Kuratoren: Fredi Fischli und Niels Olsen
zpk
Kontakt:
https://www.zpk.org/de/ausstellung/fokus-fischli
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Kommentare von Daniel Leutenegger