Ausstellung im museum kunst+wissen, Diessenhofen (TG), bis am 21. März 2027

Bild: © Michelle Maddox, Stillleben mit Selbstporträt, 2022, Öl auf Leinwand, 100 x 80 cm

Bild: © Michelle Maddox, Melonen Stillleben, 2023
Die in Cambridge geborene Michelle Maddox ist in England aufgewachsen, doch ihre Familiengeschichte verbindet sie auf vielfältige Weise mit der Region Diessenhofen: Ihre Vorfahren wanderten aus dem heutigen Tschechien ein und liessen sich in Diessenhofen und zeitweise in Gailingen nieder. In den 1940er-Jahren zog die Familie von Gailingen nach Diessenhofen. Maddox’ Mutter wurde in Gailingen geboren, und bis heute leben Cousinen ihrer Mutter in der Gegend, in Diessenhofen und Thayngen. So entsteht ein vielschichtiges Geflecht aus Herkunft, familiärer Überlieferung und persönlicher Erinnerung, das geografische Grenzen überschreitet und mehrere Generationen miteinander verbindet.
Ausgehend von alten Familienfotografien, persönlichen Erinnerungsstücken und eigenen Kindheitserinnerungen übersetzt Maddox Fragmente ihrer Familiengeschichte in Malerei.
Die Fotografien dienen ihr dabei nicht allein als dokumentarische Zeugnisse vergangener Zeiten. Sie werden zu Ausgangspunkten einer künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Erinnern und Vergessen, mit dem Sichtbaren und dem Verborgenen.
Die historischen Aufnahmen lassen vergangene Lebenswelten aufscheinen und laden dazu ein, persönliche Erinnerungen miteinander zu teilen. Vor den einzelnen Bildern entsteht so eine Erzählung über Generationen hinweg.
Dabei bleibt manches offen – denn Erinnerungen sind niemals vollständig, und jede Spur lässt Raum für Fragen und eigene Deutungen. Zugleich vermitteln die Bilder Stimmungen, die über das Gegenständliche hinausgehen.
Neben den Arbeiten, die sich mit der Familiengeschichte beschäftigen, zeigt die Ausstellung auch Stillleben. In ihnen richtet Maddox den Blick auf alltägliche Gegenstände, auf Licht, Farbe und die besondere Atmosphäre eines Augenblicks. Die Dinge scheinen für einen Moment aus dem Fluss der Zeit herausgelöst. Ihre stille Präsenz lenkt die Aufmerksamkeit auf das Unscheinbare und Flüchtige – auf das, was oft übersehen wird und durch die Kunst neue Aufmerksamkeit erhält. So treten die Stillleben von Michelle Maddox in einen Dialog mit ihren Familienbildern und eröffnen einen Raum des Innehaltens und Betrachtens. In «That Which Still Remains» wird die Spurensuche nach der eigenen Herkunft zu einer grundsätzlichen Auseinandersetzung mit Vergänglichkeit und Identität.
Die Bilder von Michelle Maddox treten in der Ausstellung in einen stillen Dialog mit Werken von Carl Roesch (1884–1979) aus Familienbesitz.
Sonntag, 8. November 2026, 15.00 Uhr: Michelle Maddox und Lucia Angela Cavegn im Gespräch
Im Künstler:innengespräch gibt Michelle Maddox Einblick in ihre künstlerische Arbeit und erzählt, wie sie sich ihrer Familiengeschichte nähert und persönliche Erinnerungen in Malerei verwandelt. Das Gespräch wird von Lucia Angela Cavegn, Kuratorin und Direktorin des Museums, moderiert. Gemeinsam gehen sie den Fragen nach, wie Bilder Erinnerung bewahren, wie sich Vergangenheit in der Gegenwart fortsetzt und was es bedeutet, zwischen verschiedenen Orten und Geschichten verwurzelt zu sein.
kwd
Kontakt:
https://www.diessenhofen.ch/staedtlileben/kultur-gesellschaft/museum-kunst-wissen.html/136

Bild: © Michelle Maddox, Selbstporträt im Atelier
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Kommentare von Daniel Leutenegger