Ausstellung in der Stadtgalerie Bern, bis am 12. April 2025

Bild: Rhoda Davids Abel, BittergoetundefinedBitter Things, 2025, Ausstellungsansicht Stadtgalerie Bern – Foto: © Cedric Mussano
Zur Superblüte (engl. «Super Bloom») keimen und blühen ein ungewöhnlich hoher Anteil von Wildblumen gleichzeitig. Das seltene botanische Wüstenphänomen steht metaphorisch für die Zuspitzung und den Ausbruch von Ereignissen und dient Rhoda Davids Abel und Sergio Rojas Chaves als Anlass, eine Momentaufnahme ihres prozesshaften, recherchebasierten Schaffens zu präsentieren: Während Sergio Rojas Chaves sich mit der Kultivierung, Exotisierung und Kommerzialisierung von tropischen Pflanzen auseinandersetzt, spürt Rhoda Davids Abel individuellen Geschichten und kollektiven Mythenbildungen in Bezug auf die eigene Herkunft nach.
Den aufmerksamen Akt des Beobachtens und Erzählens nutzen beide Kunstschaffende als künstlerische Methode zur Beschreibung und Verortung der jeweiligen Weltwahrnehmung: Wie sind Lebensräume, die uns umgeben, gestaltet? Wodurch werden diese lebens- und begehrenswert? Welche Machtverhältnisse, kulturellen und sozialen Codes sind ihnen eingeschrieben? Und wie werden diese mit poetischen Mitteln sicht- und verhandelbar?
Rhoda Davids Abels künstlerische Auseinandersetzung beruht auf vertieften Recherchen zur eigenen Herkunftsgeschichte; zur Geografie sowie zum politischen und sozialen Erbe Südafrikas und Tansanias. Sie sammelt und rekonstruiert Mythen, spirituelle Bräuche und Rituale sowie Träume und Traumata und übersetzt diese in poetische Texte, Fotografien, Videoessays, Objekte oder Performances. Ihr eigener Körper sowie Alltagsgegenstände, die eine symbolhaften Aufladung erfahren und zu Trägern dieser Geschichten, Emotionen und Erinnerungen werden, spielen dabei eine zentrale Rolle. Die künstlerischen Arbeiten fügen sich zu einem zeitgenössischen Archiv, worin marginalisierte Stimmen bewahrt werden.
Sergio Rojas Chaves untersucht das eigene Verhältnis zur Natur, zu deren Kultivierung, zu historischen und kulturellen Prägungen von Lebensräumen und Naturbildern. So analysiert Rojas Chaves beispielsweise das Zusammenleben von menschlichen und nicht-menschlichen Lebewesen im urbanen Raum, den ambivalenten Stellenwert von tropischen Zimmerpflanzen in unseren Privatwohnungen oder den exotisierenden Blick von Tourist:innen auf seinen aktuellen Lebensmittelpunkt Costa Rica. Diese künstlerische Feldforschung übersetzt Rojas Chaves in fotografische Arbeiten, Objekte und Installationen oder macht sie in partizipativen Stadtrundgängen erfahrbar.
cp
Kontakt:
https://stadtgalerie.ch/de/ausstellung/6953

Bild: Sergio Rojas Chaves, Build me up, 2025, Ausstellungsansicht Stadtgalerie Bern – Foto: © Cedric Mussano
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Kommentare von Daniel Leutenegger