Ausstellung in der Kunsthalle Luzern, bis am 19. Dezember 2026

Bild: «Fullscreen» (2026) entführt das Publikum schichtweise in eine poetische Reise durch die Mediengeschichte. Timo Ullmann: Aufnahmesituation im Studio mit Kamera und Bildschirmen, 2026 – Foto: Timo Ullmann

Bild: Blick in die Ausstellung «Timo Ullman – Fullscreen» , Kunsthalle Luzern, 2026 – Foto: © Kilian Bannwart
Was passiert, wenn wir nicht bloss auf Bildschirme schauen, sondern auch dahinter oder mitten in deren Herz? In der Einzelausstellung «Fullscreen» in der Kunsthalle Luzern zerlegt Timo Ullmann die alltäglichen Begleiter in ihre Bestandteile und setzt sie zu neuen Ansichten zusammen. Ein sphärisches Universum aus Bildschirmen, Assemblagen, Mobiles, Projektionen und Licht macht erfahrbar, wie neuartige Technologien unsere Wahrnehmung und Interaktion mit der Welt prägen.

Bild: © Timo Ullmann, «Screenshare» (2021) – Foto: © Kilian Bannwart, 2026
Der Bildschirm wird selbst zum Bild
Ob Smartphone, Tablet, Fernseher oder Infoscreen: Bildschirme begleiten uns durch den Alltag und produzieren Bilder. «Fullscreen» von Timo Ullmann (*1987, Lenzburg) kehrt dieses Verhältnis um und macht den Bildschirm selbst zum Bild. Rund 15 Arbeiten untersuchen das künstlerische Potenzial des Screens und legen seine üblicherweise unsichtbare technologische Infrastruktur frei. Ullmann beleuchtet den Bildschirm als Teil einer komplexen Geschichte menschlicher Bildproduktion und entfacht ein breites Spektrum an Assoziationen. Ausgehend von einem Alltagsgegenstand lädt «Fullscreen» zu einer Expedition in die Dimensionen unserer digitalen Gegenwart – spielerisch, überraschend und poetisch.

Bild: © Timo Ullmann, «aspect_ratio» (2026) & «frame_rate» (2026) – Foto: Kilian Bannwart, 2026
Kombiniert, geschichtet, verschachtelt
In vielfältigen Arrangements kommt der Bildschirm in seinen Grundelementen daher: In «aspect_ratio» (2026) erscheint ein blosses Rechteck im 16:9-Format, das unbändig den Raum abtastet und etwas zu fokussieren sucht. «Greenscreen» (2023) rückt in einem Bild-im-Bild Arrangement von grünen Pflanzen die digitale Konstruktion von Bildern ins Blickfeld. Der achteckige Kronleuchter «Chandelier_Simulacrum» (2025) erinnert mit seinen vielen flimmernden TV-Simulatoren an das Flackern des Feuers und spannt assoziativ einen Bogen zur evolutionären Bedeutung des Lichts. In «Fullscreen» (2026) wiederum bewegt sich das Publikum angesichts übereinandergelegter Bildschirmkulissen durch die Epochen der Mediengeschichte – bei kontinuierlich zunehmender Geschwindigkeit und Dichte.
Rückzugsort bietet das Kabinett: Eine Videoprojektion bringt Spuren digitaler Verbindung über physische Distanzen in Erscheinung und macht sie raumfüllend erfahrbar. Im Rundbild Bourbaki Panorama und den Kinos im selben Haus lässt sich das immersive Erlebnis in unmittelbarer Nähe weiterführen.
Aktive Bildschirme
«Fullscreen» präsentiert sich als Gesamterlebnis: Im abgedunkelten Raum spenden einzig Leuchtobjekte Orientierung. Szenografische Interventionen lassen die Fensterfront als Membran erscheinen, die Innen und Aussen gleichzeitig trennt und verbindet, und veranschaulichen so den Dialog zwischen physischem und virtuellem Raum. Der von Technik belebte Raum bleibt auch ausserhalb der Öffnungszeiten aktiv: Der Kronleuchter flackert immerfort, der projizierte Bildrahmen tastet unbeirrt den Raum ab und in einem virtuellen Aquarium reinigen digitale Fische nimmermüde ihren Screen. In den vielfältigen Formationen handeln und reagieren die Screens und werden selbst zu Akteuren. Mitunter stellen sie Fragen: Was bleibt eigentlich von einem Bild übrig, wenn wir seine Erscheinung gedanklich und physisch sezieren können? Wer eintritt, findet Einblick und entdeckt.

Bild: © Timo Ullmann, «Screencleaner_bullseye», runder Bildschirm / Video FullHD, 12 min (2021/2025), Ausstellungsansicht Zahnpraxis Erlinsbach – Foto: Timo Ullmann
Biografie Timo Ullmann
Timo Ullmann (*1987, Lenzburg) ist Video- und Performancekünstler. Er studierte an der Hochschule Luzern – Design & Kunst und an der Universidad Complutense de Madrid. 2022 erhielt er einen Förderbeitrag des Aargauer Kuratoriums, 2023 war er für den Manor Kunstpreis nominiert und wurde mit dem Kulturförderpreis der Stadt Aarau ausgezeichnet. In seinen experimentellen Arbeiten untersucht Ullmann das technische und künstlerische Potenzial von Bildschirmen und die Übergänge zwischen analogen und digitalen Medien.
khl
Kontakt:
https://kunsthalle-luzern.ch/timo-ullmann-fullscreen.html

Bild: Timo Ullmann, «Greenscreen» (2023), Video 4K, 12 min, Videostill – Foto: Timo Ullmann
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Kommentare von Daniel Leutenegger