Ausstellung Manor-Kunstpreis Zentralschweiz Luzern, Kunstmuseum Luzern, bis am 31. Januar 2027

Bild: © Dominik Zietlow, Holz, aus dem die Menschen sind, 2026, Filmstill, 16-mm-Film, digitalisiert in 4K, 13 Min. 56 Sek., 5.1-Surround-Sound, Courtesy of the artist

Bild: Ausstellungsansicht Dominik Zietlow. Nur die Berge begegnen sich nie. Manor-Kunstpreis Zentralschweiz Luzern, Kunstmuseum Luzern, 2026 – Foto: Marc Latzel
Dominik Zietlow (*1988) erhält mit dem Manor-Kunstpreis einen der wichtigsten Schweizer Förderpreise für bildende Kunst. «Nur die Berge begegnen sich nie» lautet der Titel der Ausstellung, in der der Filmemacher seine neusten Arbeiten mit Bezug zu Luzern zeigt. Der Ausstellungstitel geht auf ein altes Sprichwort zurück: Berge können ihre Position nicht verändern, Menschen hingegen sind in der Lage, aufeinander zuzugehen – auch im übertragenen Sinn. Diese Arbeitsweise zeichnet Zietlow aus: Er kreiert einen Raum für Austausch, hört aufmerksam zu und beobachtet empathisch.
Zietlow ist in Luzern aufgewachsen, allerdings ist der Geburtsort des Künstlers nur Ausgangspunkt für das kaleidoskopartige Städteporträt «Holz, aus dem die Menschen sind» (2026). Der Titel greift einerseits einen Satz des deutschen Philosophen Immanuel Kant auf: «Aus so krummem Holze, als woraus der Mensch gemacht ist, kann nichts ganz Gerades gezimmert werden.» Gleichzeitig spielt der Werktitel auf bekannte Redewendungen an, die besagen, dass jemand aus gutem, hartem oder anderem Holz geschnitzt sei.
Zietlow verbindet in der Arbeit performative und dokumentarische Ansätze: Eine fiktive, narrenhafte Figur leitet mit der Klapper durch die Fasnacht. Dieses Instrument warnte einst vor der Pest und prägt nun den Soundtrack.
Beim Gang der Figur durch die Stadt verdeutlichen die Aufnahmen des Totentanz-Zyklus in den Giebelfeldern der Luzerner Spreuerbrücke, dass wir vor dem Tod alle gleich sind. Der knatternde Klang der Klapper wirkt insofern ähnlich wie die Bildtafeln an der Brücke als Memento Mori – eine Erinnerung an die Sterblichkeit. Die Aufnahmen des fiktiven Charakters wurden mit einer analogen 16-mm-Kamera gemacht, die von Hand gekurbelt wird, so dass die Geschwindigkeit des Films variiert, während die unabhängig aufgenommene Tonspur kontinuierlich weiterläuft.
Zietlow interessiert sich für diese Asynchronität von Ton und Bild. Zwei analoge Fotoserien ergänzen den Film. «Sieben Stillstände» zeigt unterschiedliche Ausschnitte des 16mm-Filmstreifens. Für «Drei Zustände» hat der Künstler eine Textebene über die Grossbildnegative gelegt und sie direkt als Kontaktabzug belichtet. Zu lesen sind Verse aus der Totentanz-Tafel «Der Uhrmacher» in drei Sprachen.
Im mehrteiligen Werk «Le rouge dans le bleu» (2026) telefonieren Personen hörbar im öffentlichen Raum. Ihre Ängste, Sorgen und Gedanken überlagern sich mit den Schauplätzen und formen ein Gesellschaftsporträt der Stadt Paris, in der Privates und Öffentliches verschmelzen.
Zietlows Werke sind durch existenzielle Fragen geprägt: Wer sind wir? Woher kommen wir? Wie verorten wir uns in der Welt? Die präzise Wahl der Mittel und die mediale Reflexion sind ein wichtiger Teil der Arbeiten. Zietlow sagt dazu: «Mit der Kamera die Welt zu betrachten, heisst zu fokussieren. Fuoco – italienisch für Feuer – ist der Brennpunkt der Lupe, in dem gebündelte Lichtstrahlen etwas zum Brennen bringen. Es geht mir darum, die Realität anzuzünden, Energien freizusetzen und künstlerisch zu reflektieren.»
Kuratiert von Eveline Suter
kml
Kontakt:
https://www.kunstmuseumluzern.ch/ausstellungen/dominik-zietlow-manor/
https://www.dominikzietlow.com

Bild: Dominik Zietlow, Holz, aus dem die Menschen sind, 2026, Filmstill, 16-mm-Film, digitalisiert in 4K, 13 Min. 56 Sek., 5.1-Surround-Sound, Courtesy of the artist

Bild: Dominik Zietlow, Le rouge dans le bleu, 2026, Filmstill, Zweikanal Video, digital, Full HD, je 16 Min. 37 Sek., Stereo, Courtesy of the artist
#DominikZietlow #NurDieBergeBegegnenSichNie #KunstmuseumLuzern #ManorKunstpreisLuzern2026 #EvelineSuter #CHcultura @CHculturaCH ∆cultura cultura+
Kommentare von Daniel Leutenegger