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2. Juli 2026

«EMIL FERRIS. BETWEEN SELVES»

Ausstellung im Cartoonmuseum Basel, vom 4. Juli bis am 15. November 2026 - Vernissage: Freitag, 3. Juli 2026, 18.30 Uhr

© Emil Ferris, 2002, Selbstportrait

Bild: © Emil Ferris, 2002, Selbstportrait

© Emil Ferris, «Am liebsten mag ich Monster», Band 2, Fantagraphics Books, 2024

Bild: © Emil Ferris, «Am liebsten mag ich Monster», Band 2, Fantagraphics Books, 2024

Die US-amerikanische Künstlerin Emil Ferris (*1962) hat mit ihrem Debütcomic «Am liebsten mag ich Monster» ein Meisterwerk geschaffen. Ihre unverkennbaren Kugelschreiberzeichnungen bestechen durch enorme Ausdruckskraft, während die vielschichtige Erzählung mit scharfer Gesellschaftskritik und eindringlichen Einblicken in die menschliche Psyche fesselt. Das Cartoonmuseum Basel – Zentrum für narrative Kunst – würdigt diese Ausnahmekünstlerin nun erstmals mit einer umfassenden Ausstellung. Gezeigt werden bislang unveröffentlichte Originalzeichnungen, Illustrationen für Kinderbücher sowie weitere Objekte aus ihrem Schaffen.

Als Emil Ferris im Alter von 55 Jahren ihren ersten Comic veröffentlichte, überraschte sie sowohl die Comicwelt als auch das Publikum mit einem formal wie inhaltlich überwältigenden, weit verzweigten Werk. Monumental in Ton und Umfang spannt es einen weiten Bogen von der Lebensrealität eines zehnjährigen Mädchens im Chicago der Zeit nach 1968 bis hin zu den grossen, bis heute nachwirkenden Themen des Zweiten Weltkriegs.

© Emil Ferris, «Blemmy», 2024, unveröffentlicht

Bild: © Emil Ferris, «Blemmy», 2024, unveröffentlicht

© Emil Ferris, «Am liebsten mag ich Monster», Band 2, Fantagraphics Books, 2024 II

Bild: © Emil Ferris, «Am liebsten mag ich Monster», Band 2, Fantagraphics Books, 2024

Ein Monster von einem Buch

Emil Ferris zählt zu den bedeutendsten zeitgenössischen Comiczeichner:innen. Ihr auf liniertes Papier mit Kugelschreiber gezeichnetes Werk verbindet zeichnerische Meisterschaft mit einer radikal subjektiven, zugleich tief poetischen Erzählweise. Auf innovative Weise verwebt sie ihre komplexen, plastischen Bilder mit einem vielschichtigen Text, der inneres Erleben, kulturelle Einflüsse und soziale Realitäten miteinander verschränkt.

Nachdem Emil Ferris, die lange als Illustratorin und Kinderbuchautorin tätig war, sich infolge einer schweren Erkrankung verstärkt dem Zeichnen zugewandt hatte, veröffentlichte sie 2017 den ersten Band von «Am liebsten mag ich Monster». Heute arbeitet sie als Comicautorin und freie Künstlerin. Ihr vielfach ausgezeichnetes Debüt «Am liebsten mag ich Monster», unter anderem prämiert mit dem Eisner Award, gilt als Meilenstein des modernen Comics. Mit der 2024 erschienenen Fortsetzung liegt nun eine gefeierte, auf über 700 Seiten angewachsene Graphic Novel in zwei Bänden vor.

© Emil Ferris, «Blemmy», 2024, unveröffentlicht I

Bild: © Emil Ferris, «Am liebsten mag ich Monster», Band 2, Fantagraphics Books, 2024

Aufwachsen im Chicago der 1960er-Jahre

Im Zentrum von «Am liebsten mag ich Monster» steht die junge Protagonistin Karen Reyes, die sich selbst als Werwolf begreift und eine tiefe Faszination für Monster entwickelt. Diese sind ihr Zufluchtsort, von dem aus sie eine oft feindlich erscheinende Welt betrachtet. Während sie versucht, den rätselhaften Tod ihrer Nachbarin aufzuklären, tun sich nach und nach die Abgründe ihrer eigenen Familiengeschichte auf.

Im 2024 erschienenen zweiten Band führt Emil Ferris die Erzählung zurück in die 1930er-Jahre und zur Shoa. Die Geschichte entfaltet sich entlang von Gewalt- und Verlusterfahrungen im familiären und gesellschaftlichen Umfeld, von persönlichen Unsicherheiten und inneren Fluchtbewegungen. Eine entscheidende Wendung erhält sie durch die Begegnung mit einer Frau, die den Zweiten Weltkrieg und ein Konzentrationslager überlebt hat. Dabei verknüpft Ferris historische Realität mit Mythen, durchstreift die Kunstgeschichte und lässt Elemente aus Psychologie und Popkultur einfliessen. Sie bricht bewusst mit erzählerischen Konventionen: Tagebuchartige Seiten, ganzseitige Porträts, Anspielungen auf klassische Gemälde und freie Bildsequenzen verschmelzen zu einer dichten, visuell eindringlichen Erzählform.

Die Ausstellung «Between Selves» präsentiert erstmals in diesem Umfang Originalseiten aus ihren Graphic Novels, bislang unveröffentlichte Zeichnungen sowie Objekte und Skizzen aus ihrem künstlerischen Prozess.

Einen besonderen Akzent setzt Ferris’ Aufenthalt in Basel: In Workshops für ein breites Publikum eröffnet die Künstlerin unmittelbare Einblicke in ihr Schaffen und macht ihr vielschichtiges künstlerisches Universum direkt erfahrbar.

© Emil Ferris, «Blemmy», 2024, unveröffentlicht II

Bild: © Emil Ferris, «Blemmy», 2024, unveröffentlicht

Biografie

Emil Ferris (*1962) wurde in Chicago geboren und wuchs – mit Ausnahme weniger Jahre in Santa Fe, New Mexico – auch dort auf. Heute lebt sie in Milwaukee, Wisconsin. Sie entstammte einer Künstlerfamilie und war von klein auf von Kunst umgeben: Ihre Mutter ist eine bekannte Malerin, ihr Vater war ein renommierter Spielzeugdesigner und Zeichner, der für Disney das erste Mickey-Mouse-Telefon entworfen hatte.

Emil Ferris studierte am Art Institute of Chicago; bereits 1996 hatte sie ihre Ausbildung durch Studien im dramaturgischen Schreiben und in Performance am Center Theater in Chicago ergänzt.

Schon in jungen Jahren zeichnete sie und entwickelte eine besondere Faszination für Monster sowie für Horrorgeschichten in Kunst und Film. Bevor sie sich dem Comiczeichnen zuwandte und mit der Veröffentlichung von Kurzgeschichten Aufmerksamkeit erlangte, arbeitete sie als Illustratorin und Designerin.

Im Jahr 2001 infizierte sie sich durch Steckmücken mit dem West-Nil-Fieber; infolgedessen war sie über Jahre hinweg gelähmt und an den Rollstuhl gebunden. Inzwischen hat sich ihr Gesundheitszustand verbessert.

2017 veröffentlichte sie den vielbeachteten ersten Band von «Am liebsten mag ich Monster», 2024 erschien Band II der Serie. Heute arbeitet sie als Comicautorin und freie Künstlerin. Ihr Werk wurde vielfach gewürdigt und unter anderem mehrmals mit dem Eisner Award ausgezeichnet.

© Emil Ferris, 2022, Portrait, unveröffentlicht

Bild: © Emil Ferris, 2022, Portrait, unveröffentlicht

Bibliografie

  • «My Favorite Thing Is Monsters», Band 1. Erstveröffentlichung in Englisch bei Fantagraphics. Auf Deutsch erschienen als «Am liebsten mag ich Monster» im Panini Verlag 2018
  • «My Favorite Thing Is Monsters», Band 2. Erstveröffentlichung in Englisch bei Fantagraphics 2024. Auf Deutsch erschienen als «Am liebsten mag ich Monster» im Panini Verlag 2024

Kuratorin: Anette Gehrig, Basel

cmb

Kontakt:

https://cartoonmuseum.ch/ausstellungen

© Cartoonmuseum Basel, «Emil Ferris. Between Selves», 2026 Photo: Derek Li Wan Po

Bild: © Cartoonmuseum Basel, «Emil Ferris. Between Selves», 2026 – Foto: Derek Li Wan Po

#EmilFerris #BetweenSelves #CartoonmuseumBasel #AnetteGehrig #CHcultura @CHculturaCH ∆cultura cultura+

  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 2. Juli 2026
  • Bildende Kunst, Fotografie, Grafik, Architektur, Design, Cartoon, Comix, Karikatur, Kulturförderung, Kulturvermittlung, Kultur- und Medienpolitik, Museum, Ausstellung, Galerie

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