28. März 2026
«JOSÉ MUÑOZ. BROKEN VOICES»
Ausstellung im Cartoonmuseum Basel - Zentrum für narrative Kunst, vom 28. März bis am 21. Juni 2026

Bild: © José Muñoz, Ohne Titel, 2024

Bild: José Muñoz im Cartoonmuseum Basel, 2026 – Foto: © Derek Li Wan Po, Cartoonmuseum Basel
Der argentinische Comickünstler José Muñoz erzählt in harten Schwarz-Weiss-Kontrasten – von düsteren Crime Storys um den Detektiv Alack Sinner bis zur feinfühligen Biografie der Jazzlegende Billie Holiday. In den 1970er-Jahren wegen der Militärdiktatur nach Europa emigriert, verarbeitet er politische und gesellschaftliche Konflikte seines Heimatlands ebenso wie seine Sehnsucht nach der Weite der südamerikanischen Pampa und nach dem Tango.
Das Cartoonmuseum Basel – Zentrum für narrative Kunst zeigt das Lebenswerk des grossen Zeichners erstmals in Europa in einer Retrospektive, die Höhepunkte wie Originale aus «Alack Sinner» und «Joe’s Bar», Arbeiten aus einem Comic über den Tangosänger und -komponisten Carlos Gardel, Zeichnungen zu Albert Camus’ berühmten Romanen «Der Fremde» und «Der erste Mensch» sowie Porträts, Landschaften und urbane Szenerien umfasst.
Ein kongeniales Duo und sein Antiheld
Mit ihren in harten Schwarz-Weiss-Kontrasten gehaltenen Hardboiled-Storys um den Privatdetektiv und Ex-Polizisten Alack Sinner haben der aus Argentinien stammende Comiczeichner José Muñoz (1942) und sein Landsmann, der Autor Carlos Sampayo (1943), einen Meilenstein der Comicgeschichte geschaffen. Anfang der 1970er-Jahre nach Spanien emigriert, trifft der in Buenos Aires ausgebildete Muñoz in Barcelona auf Sampayo, der Argentinien ebenfalls aus politischen Gründen verlassen hat –das Land leidet zu dieser Zeit unter Militärdiktaturen. Gemeinsam erschaffen sie den Antihelden Alack Sinner – «der Sünder» –, der auf den ersten Blick alle Klischees seiner Zunft erfüllt: desillusioniert, melancholisch, einsam, dem Alkohol verfallen. Doch die 1975 gestartete, über Jahrzehnte fortgeführte Serie geht weit über die typischen Genregrenzen hinaus. Sie verwebt klassische Krimihandlung mit scharfer Gesellschaftskritik – etwa an Rassismus und Korruption – und nimmt Bezug auf Ereignisse wie die Kriege in Vietnam und am Golf oder den Anschlag auf die Türme des World Trad Centers.
1975 erscheint die erste Episode «Der Fall Webster» in der italienischen Zeitschrift alterlinus, danach publiziert das freundschaftlich verbundene Duo Sampayo / Muñoz bis 1979 in Charlie Mensuel und anschliessend bis 2000 in à suivre. Während Sinner – anders als andere Comichelden – altert und sich äusserlich wie auch innerlich wandelt, bleibt Muñoz’ Zeichenstil konsequent und kompromisslos schwarz-weiss: Flächen schwarzer Tinte füllen schnell gesetzte Outlines, es gibt weder Schraffuren noch Grautöne. Die Figuren changieren zwischen beinahe realistischer Darstellung und grotesker Karikatur – ein spannungsgeladenes Wechselspiel von Alptraum und Realität.

Bild: © José Muñoz, «Alack Sinner: Begegnungen», Szenario von Carlos Sampayo, 1981, Casterman, Paris, 1984
Ein breites Werk
Neben der Alack-Sinner-Reihe entstehen Alben wie «Joe’s Bar» und «Sophie Going South», die mit lakonischem Humor gespickt in die Kneipen und Strassen grosser US-Städte führen und die Leserschaft mit Rassenhass, Kriminalität, Drogen, Liebe und Tod konfrontieren. Sehnsüchte nach dem Lebensgefühl im multikulturell vibrierenden Buenos Aires finden sich in Muñoz’ späteren, feinfühlig erzählten Geschichten um die weiten Landschaften der Pampa, seine Liebe zum Tango und zum Jazz: in «La Pampa y Buenos Aires», «Carlos Gardel» und «Billie Holiday».

Bild: © José Muñoz, Ohne Titel, 2005, publiziert in: «La Pampa y Buenos Aires. De chair et de poussière», Futuropolis und Nuages, Paris und Milano, 2006 Courtesy Galleria Nuages, Milano

Bild: © José Muñoz, Ohne Titel, 2013, «Tintas Negras», Edition Mœbius, Buenos Aires, 2015 7/7
José Muñoz hat zudem zwei Seelen in seiner Brust und versteht sich nicht nur als Comiczeichner, sondern auch als Kunstmaler. Motiviert von mit Sorge betrachteten gesellschaftlichen Umwälzungen und Entwicklungen entstehen unter dem Titel «Anima Mundi» in den letzten fünfzehn Jahren Hunderte von Malereien – expressionistische, aus der Erinnerung geschaffene Porträts von Menschen, Stadtgegenden und Landschaften, die sich ihm eingebrannt haben.
Der unter anderem mit dem Grand Prix am Comicfestival in Angoulême gewürdigte Muñoz hat neben seinen Comics auch Bücher von Autoren wie Albert Camus illustriert. Er lebt und arbeitet heute als freier Künstler in Mailand.
In einer reichhaltigen Retrospektive präsentiert das Cartoonmuseum Basel diesen vielseitigen und prägenden Comiczeichner mit Originalzeichnungen aus seinen Comicklassikern, Vorzeichnungen, Illustrationen, Porträtarbeiten und freien aktuellen Arbeiten in Farbe.
Kuratorin: Anette Gehrig
Kontakt:
https://cartoonmuseum.ch/ausstellungen/jose-munoz

Bild: © José Muñoz, «L’Étranger», von Albert Camus, 2012, Futuropolis Gallimard, Paris, 2012
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Kommentare von Daniel Leutenegger