Der am 5. Dezember 1932 in Zürich geborene Schweizer Journalist und Rechtsanwalt Ludwig A. Minelli (Bild) ist am 29. November 2025 mit einer Freitodbegleitung gestorben. Minelli war 1998 Gründer des Vereins «Dignitas – Menschenwürdig leben – Menschenwürdig sterben», der sterbewilligen Menschen, insbesondere auch aus dem Ausland, Hilfe zum Suizid anbietet.

Bild: Ludwig A. Minelli, 2008 – Foto: © SRF, https://www.srf.ch/play/tv/dok/video/dok-interview-l-a-minelli-23-10-2008?urn=urn:srf:video:048b4eca-0d00-4902-a643-d613dcec1a1e
Ein Pionier und Kämpfer legt sich zur Ruhe
Der Verein «DIGNITAS – Menschenwürdig leben – Menschenwürdig sterben» trauert um seinen Gründer und Generalsekretär Ludwig A. Minelli. Er verstarb am 29. November 2025 kurz vor seinem 93. Geburtstag selbstbestimmt durch eine Freitodbegleitung.
Mit dem kontinuierlichen Wachstum des Vereins seit seiner Gründung 1998 hat Minelli schon vor mehreren Jahren die Vereinsleitung um mehrere Personen erweitert und so Kontinuität und Nachfolge für einen nahtlosen Übergang geregelt. Das DIGNITAS-Team wird den Verein im Sinne des Vereinsgründers als professionelle und kämpferische internationale Organisation für Selbstbestimmung und Wahlfreiheit im Leben und am Lebensende weiterentwickeln.
DIGNITAS – Menschenwürdig leben – Menschenwürdig sterben
https://dignitas.ch/wp-content/uploads/2025/11/medienmitteilung-30112025-d-2.pdf
Von 1956 bis 1959 wirkte Ludwig A. Minelli als Journalist bei der Zürcher Tageszeitung «Die Tat», dann von 1959 bis 1960 bei der Boulevardzeitung «Blick». Von 1960 bis 1961 war er Direktionsassistent im Münchener Verlagshaus Kindler & Schiermeyer, 1961 bis 1964 Redaktor beim Inlandsdienst von United Press International in Zürich und zwischen 1964 und 1974 erster Schweiz-Korrespondent des deutschen Nachrichtenmagazins «Der Spiegel». 1970 hat er die Schweizerische Journalisten-Union (SJU), einen Unterverband der Gewerkschaft VPOD, mitgegründet.
Erst 1976 begann Minelli Rechtswissenschaften an der Universität Zürich zu studieren (Abschluss 1981) und wurde mit 54 Jahren Rechtsanwalt, spezialisiert auf Menschenrechte.
1978 gründete er die Schweizerische Gesellschaft für die Europäische Menschenrechtskonvention (SGEMKO). Die als Minelli I (BGE 99 Ia 262), Minelli II (BGE 102 Ia 279) und Minelli III (BGE 118 Ia 64) bekannten Urteile des Schweizerischen Bundesgerichtes sind bedeutsam für die Lebensbedingungen von Strafgefangenen. Sie sind auch Beispiele für die in der Schweiz bestehende Möglichkeit, kantonale Erlasse innerhalb von 30 Tagen nach deren Verkündung im Verfahren der abstrakten Normenkontrolle durch Beschwerde an das Bundesgericht einer Überprüfung auf ihre Übereinstimmung mit der Bundesverfassung zu unterwerfen. Ab Juni 1981 redigierte Minelli die von der SGEMKO herausgegebene Quartalsschrift «Mensch und Recht», die im November 2014 in Form eines Reprints der Nr. 1–133 unter dem Titel «Scharf beobachtet – Ein Dritteljahrhundert EMRK-Praxis und die Schweiz» im Dike Verlag als Buch erschienen ist.
1998 gründete Minelli in Zürich den Verein «Dignitas – Menschenwürdig leben – Menschenwürdig sterben», der sterbewilligen Menschen, insbesondere auch aus dem Ausland, Hilfe zum Suizid anbietet.
Minelli war Mitherausgeber der Zeitschrift «Aufklärung und Kritik». Er war Mitglied im Beirat der Giordano-Bruno-Stiftung. Im Februar 2017 war er Mitgründer und anschliessend Beirat des Instituts für Weltanschauungsrecht (ifw), wo er sich mit Fragen des Rechts auf Selbstbestimmung «von der Geburt bis in den Tod» befasste.
Er ist am 29. November 2025 mit einer Freitodbegleitung gestorben. Die Autorin und Filmregisseurin Michèle Minelli ist seine Tochter.
https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_A._Minelli
Creative-Commons Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen:
https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de
Ein umstrittener Verfechter für Selbstbestimmung
Für Ludwig A. Minelli ermöglichte die Sterbehilfeorganisation Dignitas mehr menschenwürdiges Leben als Sterben. Doch seine Forderungen sorgten auch für Kontroversen.
Ludwig A. Minelli legte Wert darauf, dass seine Organisation nicht auf die Freitodbegleitung reduziert wird: «Dignitas heisst menschenwürdig leben und menschenwürdig sterben», so Minelli. «Und wir verhelfen ungleich viel mehr Leuten zum menschenwürdigen Leben und zum Weiterleben.» Den Begriff «Sterbehilfeorganisation» lehnte er ab, wie er im Gespräch mit SRF sagte. Nach einem Beratungsgespräch mit Dignitas würden sich mehr Menschen für das Weiterleben entscheiden als den Freitod wählen, sagte Minelli. «Der ganze positive Bereich, den wir bewirken, wird nicht wahrgenommen. Und offenbar will man ihn nicht wahrnehmen.»
Stefan Eiholzer
Fürsprecher der Sterbehilfe und mehr – Ludwig A. Minelli war ein erfolgreicher Anwalt der Grund- und Menschenrechte
Der kämpferische Gründer von Dignitas ist kurz vor seinem 93. Geburtstag gestorben – durch eine Freitodbegleitung.
«Jeder soll über seinen eigenen Tod entscheiden können.» Auch einem gesunden Menschen dürfe bei dieser Frage kein Gremium dreinreden. Mit diesen Worten umschrieb Ludwig A. Minelli 2019 gegenüber der «NZZ» seine «säkulare und humanistische Ethik». Wobei er sogleich anfügte, selbstverständlich solle niemand sich das Leben nehmen, ohne vorher mit jemandem gesprochen zu haben.
Stefan Hotz
https://www.nzz.ch/zuerich/ludwig-a-minelli-gruender-von-dignitas-ist-tot-ein-nachruf-ld.1866074
Seine Karriere begann im Journalismus
Minelli wurde 1932 geboren. Er begann seine Laufbahn 1956 im Journalismus bei der Zeitung «Tat». Von 1964 bis 1974 arbeitete er als erster Korrespondent des Magazins «Der Spiegel» in der Schweiz. Seine Beschäftigung mit den Möglichkeiten der Europäischen Menschenrechtskonvention führte ihn 1977 zum Jurastudium. Er schloss 1981 ab und gründete im selben Jahr die Schweizerische Gesellschaft für die Europäische Menschenrechtskonvention. 1986 erhielt er das Anwaltspatent.
Der Weg zur Gründung von Dignitas begann 1998 nach einer gescheiterten Abstimmung bei Exit. Minelli war damals Rechtsberater des Geschäftsführers Peter Holenstein. Ein Vorschlag zur Erweiterung der Aufgaben von Exit um die Prävention von Suizidversuchen fiel durch. Holenstein wurde abgewählt.
Noch in derselben Nacht gründete Minelli mit Unterstützern den Verein «Dignitas Menschenwürdig leben, Menschenwürdig sterben». Aus der kleinen Gruppe wurde später eine international tätige Organisation mit mehr als 10’000 Mitgliedern und mehreren Dutzend Mitarbeitenden.
Jonas Bucher
https://www.20min.ch/story/zuerich-dignitas-gruender-ludwig-a-minelli-ist-tot-103460762
Abschied von einem Überzeugten
In Maur blieb Minelli trotz seiner öffentlichen Rolle ein zurückhaltender, nachdenklicher Nachbar. Die Gemeinde verliert mit ihm einen markanten, unbeirrbaren Charakter, der hier leise, aber konsequent seinen Weg ging.
https://maurmerzeitung.ch/2025/11/30/ein-grosser-maurmer-ist-gegangen/
Videos:
SRF-DOK-Interview L.A.Minelli (23.10.2008)
RTS, Infrarouge, 15.05.2007: Ludwig A. Minelli, fondateur Dignitas. Discussion générale
Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften am 3. Juni 2015:
Podiumsdiskussion Organisierte Suizidhilfe in Deutschland: Statement Ludwig Minelli
Swisslaw-TV Interview mit Ludwig A. Minelli
Mehr:
https://dignitas.ch/news/ein-pionier-und-kaempfer-legt-sich-zur-ruhe/
https://lexikon.a-d-s.ch/Person/20481
https://portal.dnb.de/opac.htm?method=simpleSearch&query=118734040
https://www.giordano-bruno-stiftung.de/beirat/minelli-ludwig
https://weltanschauungsrecht.de/ludwig-minelli
https://www.woz.ch/1715/minelli-contre-suisse/es-begann-mit-einem-simplen-branchentelefonbuch
https://www.beobachter.ch/gesetze-recht/fahrmann-der-lebensmuden-7088
(*) https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_A._Minelli
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Kommentare von Daniel Leutenegger