Ausstellung im Museo Ciäsa Granda in Stampa, bis am 19. Oktober 2025

Bild: Alberto Giacometti mit seiner Mutter in Capolago, Maloja, © 2025 Stiftung Ernst Scheidegger-Archiv, Zürich
Ernst Scheidegger (1923–2016) gehört zu den bedeutendsten Schweizer Fotografen des 20. Jahrhunderts. International bekannt sind vor allem seine Künstlerporträts. Während mehr als 50 Jahren hat er immer wieder Zeit im Bergell verbracht und dort auch fotografiert. Diese bisher kaum ausgestellten und wahrgenommenen Fotografien stehen im Zentrum der Ausstellung «Ernst Scheidegger und das Bergell».
Der Fotograf Ernst Scheidegger kam während seines Militärdienstes 1943 erstmals ins Bergell. In Maloja lernte der Neunzehnjährige Alberto Giacometti kennen – eine Begegnung, die am Anfang einer lebenslangen Freundschaft stand. Diese Freundschaft ermöglichte es Ernst Scheidegger, Alberto Giacometti, sein Schaffen und sein Werk wie kein Zweiter fotografisch zu dokumentieren.
Immer wieder kam er dadurch auch ins Bergell, das er durch seinen Freund kennen und schätzen lernte. Auch nach dessen Tod blieb Ernst Scheidegger dem Bergell verbunden. Lange Zeit hatte er einen Zweitwohnsitz in Bondo.
Heute ist Ernst Scheidegger in erster Linie für seine Künstlerporträts und Reportagen bekannt. Eines dieser Künstlerporträts ist in der Schweiz vielen Menschen vertraut: Die Aufnahme von Alberto Giacometti auf der 1998 herausgegebenen 100-Franken-Note ist sein Werk.

Bild: Malojapassstrasse, © 2025 Stiftung Ernst Scheidegger-Archiv, Zürich
Im Bergell fotografierte Scheidegger allerdings nicht nur seine Freunde Alberto Giacometti und später Varlin (Willy Guggenheim). In seinem Nachlass finden sich neben diesen Künstlerporträts rund 5’000 Fotografien, die das Bergell selbst zum Gegenstand haben: Landschaften, Dörfer, Gebäude und deutlich seltener auch Menschen. Diese Bergell-Bilder Ernst Scheideggers sind von einer mit seinen berühmten Künstlerporträts vergleichbaren Intensität.

Bild: Plazza d’Zura in Bondo, Ernst Scheideggers Zweitwohnsitz ab 1965, © 2025 Stiftung Ernst Scheidegger-Archiv, Zürich

Bild: Die Ställe auf der Ebene westlich von Bondo (Caltüra), © 2025 Stiftung Ernst Scheidegger-Archiv, Zürich
Nachdem das Museo Ciäsa Granda in Stampa in seinen Ausstellungen über Alberto Giacometti (2016) und Varlin (2024) jeweils Fotografien Ernst Scheideggers der beiden Künstler gezeigt hatte, stehen in der Ausstellung «Ernst Scheidegger und das Bergell» erstmals die Aufnahmen des Bergells selbst im Mittelpunkt. Eine Auswahl von rund 60 Schwarz-Weiss-Fotografien ermöglicht die Entdeckung eines wenig bekannten Teils im Werk des berühmten Fotografen. Sie bilden eine Art Langzeitreportage, die es ermöglicht, das Bergell, so wie es Ernst Scheidegger gesehen hat, zu entdecken.
Ernst Scheidegger kam während Jahrzehnten immer wieder ins Bergell. Er ist in der kollektiven Erinnerung der älteren Bergellerinnen und Bergeller eine ebenso präsente wie schillernde Figur. Die Ausstellung hat deshalb nach ihren Erinnerungen an Ernst Scheidegger gefragt. Acht Interviews ermöglichen Einblicke in Ernst Scheideggers Bergeller Jahre und ergänzen die ausgestellten Fotografien.
mcg
Kontakt:
https://ciaesagranda.ch/mostra/

Bild: Drei Schafe, © 2025 Stiftung Ernst Scheidegger-Archiv, Zürich
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Kommentare von Daniel Leutenegger