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6. November 2020

STELLUNGNAHME DER AKTION «#CULTUREISMYJOB»: «WIR FORDERN, DASS UNSER SEKTOR, UNSERE BERUFE UND UNSERE FÄHIGKEITEN ANERKANNT WERDEN»

Eindringlicher Aufruf von Kulturschaffenden verschiedenster Sparten und aus dem ganzen Land: «Während uns die Umstände dazu drängen, unseren Beruf zu wechseln, die Richtung unseres Lebens zu ändern, wiederholen wir unseren Slogan: Kultur ist unser Beruf»

Die Stellungnahme im Wortlaut:

«

Wir fordern rasche und unbürokratische finanzielle Unterstützung*

Nach den jüngsten Massnahmen, die der Bundesrat beschlossen hat, haben verschiedene im Kulturbereich tätige Verbände ihre Anliegen und Fragen geäussert.

Diese Stellungnahmen finden in einem Kontext statt, in dem die versprochene Hilfe lange auf sich warten lässt. Einige der im März eingereichten Entschädigungsanträge sind bis heute noch nicht bearbeitet worden. Darüber hinaus wird die Umsetzung des neuen Massnahmenpakets, das am 14. Oktober 2020 verabschiedet wurde, wahrscheinlich mehr Zeit in Anspruch nehmen, während viele Institutionen und KünstlerInnen bereits am Rande des Ruins stehen.

Wir fordern, dass diese Unterstützung auf der Grundlage von Verdienstausfällen und Einkommensverlusten der Vorjahre berechnet wird und nicht auf der Grundlage von abgesagten Veranstaltungen, da die meisten Veranstaltungen leider nicht einmal mehr abgesagt, sondern gar nicht erst geplant werden.

An dieser Stelle sei daran erinnert, dass seit dem 16. September viele Selbständige und Personen in arbeitgeberähnlicher Stellung keinen Ewerbsersatz mehr erhalten.

Wir sind zudem besorgt und beunruhigt über die Obergrenze von 50 Personen bei öffentlichen Veranstaltungen. Diese Massnahme richtet sich an Institutionen und Teams, die sich seit März nach neuen Massnahmen richten und sich stetig anpassen mussten. Viele davon befinden sich bereits in einer prekären Situation. In einigen Kantonen sind Veranstaltungsorte inzwischen geschlossen, in anderen ist dies (noch?) nicht der Fall. Diese kantonalen Besonderheiten gestalten die Arbeit der Verbände äusserst schwierig. Die finanziellen und personellen Kosten, die diese Massnahmen verursachen, sind enorm für kleine und mittlere Institutionen, deren wirtschaftliche Lebensfähigkeit weitgehend von den Einnahmen aus dem Ticketverkauf abhängt, ganz zu schweigen von den Einnahmen aus dem Getränkeverkauf. Zudem erinnern wir daran, dass viele KünstlerInnen, zum Beispiel im Bereich der Pop-/Rockmusik, nicht anspruchsberechtigt waren und dass am Ende nicht alle Schäden ausgeglichen werden können.

Warum kommunizieren wir heute gemeinsam, wo doch schon alles gesagt wurde?

Trotz vieler Unterschiede und teils radikal entgegengesetzter Realitäten wollen wir diese Unterschiede auf keinen Fall gegeneinander ausspielen.

Tatsächlich haben diese teils willkürlichen Massnahmen, zusammen mit nicht ankommenden Mitteln, was die Menschen in einigen Sektoren buchstäblich im Regen stehen lässt, nicht immer die gleichen finanziellen Auswirkungen. Diese sind abhängig davon, ob es sich um eine grosse, stark subventionierte Institution oder eine kleine Institution handelt, die Hilfe für abgesagte Projekte erhält oder nicht. Budgets und Finanzierungspläne sind im Kultursektor nicht standardisiert.

Aber das Gefühl, das sich genauso bei kleinen Theatern wie bei grossen, unabhängigen DienstleisterInnen zeigt, ist zweifellos ein Gefühl der Ungerechtigkeit. Die kulturellen Strukturen haben sich der Situation angepasst, haben ressourcenintensive Pläne aufgestellt, haben Monate mit dieser Planung verbracht – und dies oft auch erfolgreich. Es stellt niemand die Notwendigkeit der Massnahmen in Frage, aber es gibt wenig Verständnis für die Art der Umsetzung sowie für die stetigen Veränderungen der Massnahmen.

Was bleibt, ist ein Gefühl von Ungerechtigkeit und Verlassenheit und auch eine grosse Müdigkeit. Müdigkeit, die sich durch die Pläne A, B, C und mittlerweile D angesammelt hat. Es herrscht Entmutigung, die Frage nach Umstrukturierungen steht im Raum.

Niemand spricht über die Wirkung von Worten und Bildern auf die Öffentlichkeit. Wer will momentan noch ins Theater, ins Kino, an ein Konzert gehen? Kultur besteht aus gemeinsamen Beziehungen, aus Teilen, aus Vergnügen. Das Wesen unseres Berufs wird somit untergraben. Sollten wir unsere Aktivitäten fortsetzen und wenn ja, zu welchem Preis?

Während uns die Umstände dazu drängen, unseren Beruf zu wechseln, die Richtung unseres Lebens zu ändern, wiederholen wir unseren Slogan: Kultur ist unser Beruf, sie ist kein Hobby, sie ist kein Bildschirm, dessen Auflösung mit einer Fernbedienung um einen Zentimeter verkleinert oder vergrössert werden kann.

Schliesslich bedanken wir uns bei den Verantwortlichen der Städte und Kantone, die unseren Ansatz unterstützen, einige von ihnen sprachen von «Zynismus» in Bezug auf die Beschlüsse des Bundesrates. Wir fordern daher, dass unser Sektor, unsere Berufe und unsere Fähigkeiten anerkannt werden.

Wir fordern, dass die Veranstaltungsorte, je nach Programm, das sie zurzeit fortführen können, ganz oder teilweise entschädigt werden können – flexiblere Massnahmen, die die Kulturszene nicht völlig entmutigen, sondern es ihr erlauben, sich anzupassen und sich weiterzuentwickeln.

Wir fordern, dass alles getan wird, um Arbeitsplätze zu erhalten, damit sie auch nach dieser Gesundheitskrise noch vorhanden sein werden.

Wir fordern den Bund auf, sich zu engagieren und Verantwortung für die Opfer und Anstrengungen zu übernehmen, die von unserem gesamten Sektor abverlangt werden.

«

(*Aus dem Französischen übersetzt, Stellungnahme vom 3. November 2020)

Kontakt:

https://cultureismyjob.ch/de/ueber-uns/

#CultureIsMyJob #KulturIstMeinBeruf #LaCultureEstMonMétier #LaCulturaÈIlMioMestiere #LaCulturaEiMiaClamada #culturavirus #CHcultura @CHculturaCH ∆cultura cultura+

  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 6. November 2020
  • Kulturförderung, Kulturvermittlung, Kultur- und Medienpolitik

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